Artur P. Schmidt: Kampf der Titanen am Finanzmarkt

Von moneycab - 13:10

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Muhammad Ali vs. George Foreman (r.)

An den weltweiten Finanzmärkten tobt ein erbitterter Kampf wie bei Muhammad Ali vs. George Foreman 1974 in Kinshasa.

Von Artur P. Schmidt

An den weltweiten Finanzmärkten tobt ein erbitterter Kampf unterschiedlicher Mächte und Megatrends, die sich teilweise überlagern, bekämpfen bzw. neutralisieren oder aufschaukeln. Es ist ein Kampf, bei dem es um nichts anderes als um finanzielle Existenz und das nackte Überleben geht. Für den Anleger bedeutet dieser Boxkampf, dass er sich eine nachhaltige Anlagestrategie suchen muss, die weder auf Zocken noch auf Glück, sondern allein auf Werterhalt und Wertzuwachs ausgerichtet ist. Der immer wiederkehrende Boxkampf zwischen Inflation und Deflation wird genutzt, um die Bürger durch selbst ausgelöste Krisen aller wesentlichen Grundrechte zu beschneiden.

Wer nimmt es mit den Bankstern auf?
Der Boxkampf im Dschungel zwischen Muhammad Ali und George Foreman im Oktober 1974 in Kinshasa war ein historischer Boxkampf, In diesem Kampf wurde der in 40 Profikämpfen (37 durch K.O.) ungeschlagene Foreman durch den ehemaligen Champion Ali ausgeknockt. Ähnlich wie damals Foreman reden heute die Bankster und Politiker zu viel, ohne irgendwelche Ursachenanalysen durchzuführen. Muhammad Ali, der den Vietnamkrieg ablehnte, kann als Sinnbild eines Mannes angesehen werden, der es mit den Bankstern aufgenommen hätte. Noch ist niemand in Europa absehbar, der den Kreuzzug der Bankster gegen das Vermögen der Bürger beendet. Muhammad Ali brach als zweiter Schwergewichtsprofi nach Floyd Patterson das ungeschriebene Gesetz des Boxens: „They never come back!“. Heute stellt sich die Frage, ob letztendlich die Bankster siegen werden oder welcher Politiker es sich zutraut, diese auszuknocken und die Volksenteignung im grossen Stil endlich zu beenden, notfalls mit radikalen Massnahmen wie einem Zwangsaustritt Griechenlands oder anderen nicht reformwilliger Staaten aus der EU.

Der perfekte Sturm
Wer täglich an den Märkten tradet, der erkennt allein an der hohen Volatilität und den immensen Tagesschwankungen, dass grosse Bewegungen bevorstehen, die ganze Existenzen in Millisekunden auslöschen können. Hedgefonds können in Bruchteilen von Sekunden Milliarden verlieren bzw. Pleite gehen, wenn sich die Dynamiken, die sich den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben, plötzlich in Form von Finanzhurrikans entladen. Hierbei tobt ein Sturm, der durch das Wechselspiel von Kapitalismus und Sozialismus, Gier und Angst, Inflation und Deflation, Wachstum und Depression, Kreditexpansion und Geldvernichtung, Markt und Politik, Deregulierung und Regulierung, Dezentralisierung und Zentralisierung, Papiergeld und Hartgeld, Bulle und Bär sowie Banksterzombies und hart arbeitenden Bürgern geprägt ist.

Die Goldman-Connection
Dass man in Europa jetzt darauf setzt, dass ausgerechnet ein Goldman-Sachs-Berater Europa retten soll, nachdem diese Firma zuvor schon die griechischen Staatsbilanzen nach Belieben manipuliert hat, der glaubt sicherlich wie die europäischen Politiker, welche die Barbarei der Bankster bisher nach Belieben unterstützt haben, an den Weihnachtsmann. Die Italiener namens Mario Draghi als europäischer Notenbankpräsident (ehemaliger Vizepräsident von Goldman Sachs) gepaart mit Mario Monti als Italiens neuem Regierungschef (einem Berater von Goldman Sachs) sind der sichere Garant der vollkommenen Barbarei am Vermögen der Bürger. Mit Monti wurde zudem ein hochrangiger Bankster zum Regierungschef eines europäischen Landes ernannt. Sollte sich Frau Merkel nicht in Bälde eines Besseren besinnen und die Inflationierung des Euro stoppen, wird Deutschland bald von ehemaligen Goldman-Jungs in Besitz genommen wie schon der versuchte Zugriff auf die deutschen Goldreserven aufzeigte, die endlich von Amerika nach Deutschland zurückgeschifft werden sollten, sofern sie noch vorhanden sind.

Exponentielles Wachstum

In Anlehnung an Albert Bartlett können wir sagen, dass Bankster das Phänomen des exponentiellen Wachstums komplett verstanden haben, während die meisten Politiker wegen ihrer groben mathematischen Unkenntnis hier ihre entscheidende Schwachstelle haben. Sie haben über Jahrzehnte die Gesetze der Nachhaltigkeit an den Finanzmärkten durch das Zulassen der Barbarei der Bankster verhindert. Das Wachstum der Zinsen war überproportional grösser als das Wachstum der Wirtschaft, was weltweit zu immer mehr Schulden geführt hat. Bei einer Wachstumsrate der Zinsen um 7% wie aktuell in Italien verdoppeln sich die Schulden alle 10 Jahre. Dies berechnet sich derart, dass man die Zahl 70 durch die Wachstumsrate der Schulden dividiert, wenn man wissen will wie lange es dauert, bis sich die Schulden verdoppelt haben. Bei einem Zinssatz von fast 20% wie zuletzt in Griechenland dauert dies dann nur noch nur noch etwa 3,5 Jahre. Deshalb ist es allerhöchste Zeit, die Rückkopplungen des Zinseszinseffektes zu verstehen, wenn man die westlichen Industrienationen vor dem Kollaps bewahren will.

Von Bubble zu Bubble
Wer deshalb glaubt, dass eine Konsolidierung der Haushalte ohne einen Stopp des Zinseszinseffektes gelingen kann, wird scheitern. Wenn die Rate der Verschmutzung der Welt mit Derivaten die Möglichkeiten der Sanierung der Staatshaushalte systematisch verhindert, dann sind die westlichen Demokratien eh dem Untergang geweiht. Im Sinne von Eric Sevareid gilt hier, dass die Hauptursache von Problemen die heutigen Lösungsansätze sind, da diese keine Lösungen sind, sondern nur zeitliche Verschiebungen von Krisen durch immer grössere „Bubbles“ darstellen. Eines dürfte sicher sein, dass Menschen, die keine Arbeit mehr haben und die ums Überleben kämpfen müssen, sich nicht mehr für den Inhalt der Demokratie interessieren. Es muss deshalb das höchste Anliegen der Politik sein, endlich für Lösungen zu sorgen, die nicht mehr die Symptome, sondern die Ursachen der heutigen Krise angehen. Doch damit dies nicht geschieht, werden immer mehr Handlanger der Bankster in führende Positionen der Wirtschaft transferiert. Die Goldmann-Fraktion wird jetzt das tun, was Sie immer schon getan hat, noch mehr Gelddrucken einzufordern und so die Inflationierung der Märkte voranzutreiben, denn wie könnte Kapitalismus besser funktionieren als durch die permanente Enteignung der Bürger durch die schleichende Geldentwertung? Damit man bestimmte Massnahmen durchsetzen kann, bedarf es einer zeitlich begrenzter Deflationierung und Panikmache an den Märkten, denn nur so lassen sich die Politiker am besten manipulieren. „Atlas Shrugged“ lässt grüssen.

Den Globus aus den Angeln heben
Im Jahr 1957 erschien dieser Roman der Autorin Ayn Rand, der einen Kapitalismus ohne soziales Netz fordert. Wenn dies das Ziel der weltweiten Bankster sein soll, dann werden Bürgerkrieg und Depression sämtliche Demokratien weltweit hinwegfegen. Das Buch ist fast die perfekte Anleitung zu einem postmodernen Totalitarismus, ja es hat den Anschein, dass die Brandstifter der Weltwirtschaftskrise die Frage „Wer ist John Galt?“, wie die deutsche Übersetzung des Buches lautet, sehr ernst nehmen. In der „Laissez-faire“-Gesellschaft der Bankster, angeführt von der ideologischen Vordenkerin Rand – war sie doch mit keinem geringeren als Alan „Put“ Greenspan befreundet – weigert sich die Politmafia in Washington weiterhin Abstauber wie Gewerkschaften oder Sozialschmarotzer durchzufüttern. Hierbei wirft der symbolische Atlas, der die Weltkugel bisher trug, alles Unproduktive und Soziale ab, weshalb mit Hilfe des mysteriösen John Galt innovative Unternehmer in einem geheimen Utopia in den Bergen von Colorado untertauchen. In der realen Gesellschaft unterwirft ein zentrales Planungsbüro die Wirtschaft einer postmodernen Planwirtschaft, bei der jeder nur noch ein Unternehmen haben darf und Preiskontingente die Unmöglichkeit aufzeigen, noch unternehmerisch zu handeln, was auch der aktuelle Kinofilm „Atlas Shrugged“ des Regisseurs Paul Johansson eindrucksvoll aufzeigt. Der entscheidende Punkt, wo Rand in ihrem Buch jedoch irrt ist, dass Unternehmer so einfach abtauchen. Die besten Unternehmer der Welt flüchten nicht in ein fiktives Exil, sondern diese übernehmen, wie Henry Ford, Robert Bosch, Heinz Nixdorf oder Alfred Herrhausen es taten, soziale Verantwortung und begehren auf. Die entscheidende Frage ist heute, wann dies konzertiert geschehen wird.

Schutz vor dem Unausweichlichen
Mit dem von der Bankster-Mafia geplanten Entzug des Bargeldes und der damit verbundenen Virtualisierung des Geldes wird es für den Einzelnen keine finanzielle Freiheit mehr geben. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Mafiosi-Banker – angeführt von Ben Bernanke alias „Wesley Mouch” – ihre utopischen Wirtschaftsstrategien zum Endsieg über die Freiheit und die Abschaffung des Wohlstandes für alle fortsetzen werden. Im Kinofilm „Atlas Shrugged“ avanciert Wesley Mouch vom Lobbyisten und Bürokraten zum ökonomischen Diktator. Der Zustand der vollkommenen Barbarei wird dann erreicht sein, wenn vom US-Notenbankchef verkündet wird, dass der Besitz von Gold, Silber und jeglichem Bargeld verboten ist. Dann ist die vollständige Enteignung des Mittelstandes durch die Bankster abgeschlossen. Deshalb ist es an der Zeit, dass die Menschen aufbegehren und ihr finanzielles Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen. Wer sich deshalb nicht sofort selbst um seine Finanzen kümmert wird kläglich untergehen. Sein Schicksal einem Anlageberater oder einem Vermögensverwalter zu überlassen, ist der sichere Weg zum finanziellen Untergang. Was es heute braucht sind nachhaltige Investments wie sie nur eine Anlagestrategie im Sinne von Warren Buffet bieten kann. Es gilt in Firmen zu investieren, die hohes Wachstumspotential haben bzw. die Produkte produzieren, die auch in der grössten Krise benötigt werden. Solange das Eigentum nicht verboten wird, ist der Aktionär am besten vor den Enteignungsmassnahmen des Staates, die inflationär um sich greifen, geschützt. Die einfachen Lösungen, die uns heute die Politiker und Bankster präsentieren sind eben keine, wie der Literat Henry Louis Mencken aus Baltimore vor über 50 Jahren so trefflich formulierte: „Für jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache Lösung: klar, einleuchtend und falsch.“

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Über Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».
Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com, www.wallstreetcockpit.com, www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH. Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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