Gerhard Schwarz (Direktor Avenir Suisse) zum Vorschlag, aus der SRG einen „Public Content Provider“ zu machen

Von helmuth.fuchs - 15:40

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Gerhard Schwarz, Direktor avenir suisse 

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Im Diskussionspapier „Medienförderung im digitalen Zeitalter“ schlägt avenir suisse eine Neuausrichtung der SRG zum „Public Content Provider“ vor, der ein reiner Inhaltsproduzent ohne eigene Vertriebsplattform wird. Der Inhalt wird kostenlos dritten Plattformen (Medienunternehmen, Portalen, Bloggern…) zu Verfügung gestellt. Wieso nicht einfach ein Werbeverbot und eine Gebührenreduktion, verbunden mit einer klareren Service Public-Definition, um die Konkurrenz-Situation zu bereinigen?

Gerhard Schwarz: Auch Avenir Suisse schlägt kurzfristige Massnahmen vor, um die bisherige, fast automatische Expansion der SRG zu begrenzen, nämlich einen «Ertrags-Cap» für Gebühren- und Werbeerträge und einen Public Value Test. Dieser würde prüfen, ob (neue) Angebote der SRG dem öffentlichen Auftrag entsprechen und inwiefern sie sich auf den privaten Sektor auswirken (Wettbewerbsverzerrungen, Verdrängung privater Angebote). Ein gänzliches Verbot von Werbung würde das Budget der SRG kurzfristig noch viel massiver beschränken. Es bestünde aber die Gefahr, dass der SRG dieser „Ausfall“ von der Politik in Form von noch höheren Gebühren kompensiert würde; die damit verbundenen Wettbewerbsverzerrungen wären nicht geringer als die heute bestehenden. Zudem würden private inländische Rundfunkanbieter wohl nur beschränkt profitieren, da vermutlich ein Grossteil des Werbevolumens in die Werbefenster ausländischer TV-Anbieter fliessen würde – bereits heute ist ihr Anteil am TV-Werbeumsatz in der Schweiz mit rund 45% fast so hoch wie jener der SRG.

„Die SRG hat erhebliche Wettbewerbsvorteile, da sie über exklusiven, gebührenfinanzierten Content verfügt. Damit nimmt sie den Konkurrenten nicht nur potenzielle Werbeerträge, sondern vor allem Nutzer weg.“ Gerhard Schwarz, Direktor avenir suisse 

Das Modell Public Content Provider ist langfristig angelegt und adressiert die grundlegenden Herausforderungen im konvergenten Medienmarkt. Durch die Digitalisierung wachsen die bisher separierten Medien Print, Radio und TV zusammen – sie treffen und konkurrieren sich auf dem Internet. Und dort werden Videobeiträge immer wichtiger. Die SRG hat erhebliche Wettbewerbsvorteile, da sie über exklusiven, gebührenfinanzierten Content verfügt. Damit nimmt sie den Konkurrenten nicht nur potenzielle Werbeerträge, sondern vor allem Nutzer weg. Im Falle anhaltend erodierender Werbeerträge ist dieser Umstand besonders gravierend, denn viele Medienanbieter versuchen diese über höhere Nutzererträge (Pay-Wall-Modelle) zu kompensieren. Im Modell des Public Content Providers wird die SRG in einen reinen Inhaltsproduzenten umgebaut – ohne eigene Verbreitungsplattform. Dadurch werden Marktverzerrungen minimiert. Erstens verfügt der Public Content Provider weder über Nutzer- noch Werbeerträge, so dass er kein Konkurrent für die privaten Medienhäuser darstellt. Und zweitens können sämtliche Medien die Inhalte der SRG gratis nutzen und weiterverbreiten – es handelt sich also um indirekte Subventionen für sämtliche Medien, unabhängig von ihrer Technologie.

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