Daniel Koller, Head Investment Team BB Biotech, im Interview

Von payoff - 16:05

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Daniel Koller

Daniel Koller, CEO BB Biotech. (Foto: payoff)

Von Dieter Haas, Derivative Partners AG, www.payoff.ch

Dr. Daniel Koller, Head Investment Team BB Biotech, über Vergangenheit und Zukunft der Branche Biotechnologie, deren Risiken, das Erfolgsgeheimnis von BB Biotech, die jüngsten Verschiebungen im Portfolio, anstehende News sowie die Perspektiven der drei Top Picks.

payoff: Herr Dr. Koller, 2016 gehörte der Sektor Biotechnologie zu den Verlierern an der Börse. Folgen nach den sieben fetten Jahren zwischen 2009 und 2015 nun sieben magere oder handelt es sich nach Ihrer Auffassung lediglich um eine temporäre Korrektur?

Dr. Daniel Koller: Neben den makroökonomischen Unsicherheiten hat eine Mischung aus Gewinnmitnahmen, Sorgen über den Ausgang der US-Wahlen im Herbst und einigen schlechten Firmennachrichten zu Kapitalabflüssen geführt und die Kurse gedrückt. Nachdem BB Biotech eines der schwächsten Halbjahre hinter sich gelassen hat, erwarten wir Besserung. Die Biotech-Branche ist nach wie vor fundamental intakt, die Unternehmen zeichnen sich durch ihre hohe Innovationskraft aus und wir erwarten weiterhin wichtige Medikamentenzulassungen. Darüber hinaus bekunden zahlreiche Pharmakonzerne und grosse Biotech-Unternehmen ihr Interesse an Fusionen und Akquisitionen, sodass mit einer Branchenkonsolidierung zu attraktiven Prämien zu rechnen ist.

Wo sehen Sie die grössten Risiken (Bewertungsniveau, Zinsanstieg in den USA, Änderung der Gesundheitspolitik durch neue US-Regierung…)?

Der unerwartete Sieg von Donald Trump wurde vom Aktienmarkt kurzfristig als positiv für die Branche bewertet, da sich Trump im Vergleich zu Hillary Clinton weniger über die Medikamentenpreisdebatte geäussert hat. In Bezug auf das US-Gesundheitssystem hat Trump seinen Fokus vor allem auf «repeal and replace» von Obamacare gesetzt. Zudem ist unter einem republikanisch dominierten Kongress eine Regulierung von Medikamentenpreisen weniger wahrscheinlich, auch wenn sich Trump dazu bereits geäussert hat. Zusätzlich will Trump eine allgemeine Unternehmenssteuerreform durchführen. Von einer Senkung der Steuern würde natürlich auch die Biotech-Branche profitieren und die Rückführung von im Ausland geparkten Barbeständen in die USA befeuern. Das wiederum könnte zu einem Anstieg der Akquisitionen von Biotech-Unternehmen durch Big Pharma führen.

BB Biotech schlägt sich sowohl absolut als auch relativ im Vergleich zu aktiven und passiven Sektorfonds hervorragend. Wie würden Sie Ihr Erfolgsgeheimnis umschreiben?

Unsere Struktur als Beteiligungsgesellschaft bietet einige Vorteile, insbesondere können wir eine aktive, nicht Benchmark-orientierte Anlagestrategie verfolgen. Wir setzen auf eine sorgfältige Auswahl der einzelnen Titel, indem wir entlang unserer ausgewählten medizinischen Themenfelder gezielt in Gesellschaften investieren, die innovative Wirkstoffe entwickeln und sich dank dieser Medikamente zu Marktführern entwickeln können. Dank einer strengen Due Diligence und unseres Branchen-Know-hows gelingt es uns oftmals, noch vor der Masse Chancen in diesem Segment aufzuspüren und vom Kurspotenzial dieser Titel zu profitieren. Wichtig ist uns das Risikomanagement, so setzen wir einerseits auf etablierte Marktgrössen, die bereits erfolgreich Produkte lanciert haben, und kleinkapitalisierte Unternehmen, die über eine jüngere Forschungs-Pipeline verfügen, jedoch das Potenzial haben, neuartige Medikamente an den Markt zu bringen. Solche Unternehmen sind mit einem höheren Risiko behaftet, im Falle eines Erfolgs ist aber auch mit höherem Kursanstieg zu rechnen.

Sie verfolgen eine mittel- bis längerfristige Anlagepolitik der ruhigen Hand. Was waren die wichtigsten Verschiebungen in Ihren Beteiligungen in den letzten zwölf Monaten?

Mit Blick auf das volatile Marktumfeld und mögliche Überreaktionen auf den Nachrichtenfluss haben wir 2016 vorsichtige Anpassungen vorgenommen. Beispielsweise haben wir aufgrund günstiger Bewertungen selektiv zugekauft, z.B. bei Regeneron, Alexion und Novo Nordisk, auf deren Wachstumspotenzial wir vertrauen. Wir haben aber auch Gewinne mitgenommen, vor allem bei Actelion. Durch Verkäufe konnten wir beachtliche Gewinne und Barmittelzuflüsse erzielen, wie bei der Übernahme von Medivation durch Pfizer oder Tobira durch Allergan. Insgesamt haben wir in den letzten zwölf Monaten sechs Beteiligungen verkauft und fünf Positionen neu aufgebaut (per 31.12.16).

Welche wichtigen Entscheidungen bzw. News stehen in nächster Zeit bei Ihren Portfolio-Werten an?

In den kommenden Wochen und Monaten erwarten wir wichtige Nachrichten. Für Actelion darf mit Klarheit betreffend der strategischen Johnson&Johnson-Transaktion gerechnet werden. Wichtige Produktezulassungen stehen für viele unsere Beteiligungsgesellschaften an, mit unserem Fokus auf Radius mit Abalapartide zur Behandlung von Osteoporose, Tesaro mit Niraparib zur Behandlung von Eierstockkrebs als auch Kite mit dem ersten CAR-T-Produkt zur Behandlung von hämatologischen Krebsindikationen. Betreffend klinischen Nachrichten sind wichtige Daten für Sage zur Behandlung von Epilepsie oder aber für Celgene mit Ozanimod zur Behandlung von Multipler Sklerose ausstehend.

Aktuell liegt Ihr Schwerpunkt im Bereich Onkologie. Bleibt dies bestehen bzw. in welchen Therapiegebieten erwarten Sie in den kommenden Jahren die grössten Wachstumspotenziale für den Sektor?

Medizinische Themenfelder wie Krebs, Metabolische Erkrankungen, Infektionserkrankungen, Erberkrankungen sowie Erkrankungen des Zentralnervensystems werden den Sektor auch in den kommenden Jahren prägen. Innerhalb dieser Felder werden neue Therapieansätze oder Technologien entscheidende Impulse liefern. Im Bereich des Zentralen Nervensystems sehen wir ein immer besseres wissenschaftliches Verständnis und auch deutlich höhere Investitionen in die Branche. Dies ist von grosser Bedeutung, da ein hoher medizinischer Bedarf besteht, beispielsweise im Alzheimer-Bereich.

Welche drei Titel sind Ihre persönlichen Favoriten für 2017?

Wir erwarten von unseren Top Holdings spannende zwölf Monate. Celgene wird nebst der weiteren Stärke seiner vermarkteten Produkte auch an seiner Pipeline gemessen werden. Hier stehen neben Phase 3-Daten für Ozanimod zur Behandlung von Multiple Sklerose-Patienten eine Vielzahl klinischer Daten an. Incyte wird ebenfalls am Erfolg von Jakafi gemessen, zukünftig aber auch am Markterfolg von Baracitinib zur Behandlung von Entzündungserkrankungen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf Epocadostat, welches in vielen Krebsstudien in Kombination mit PD1- und PDL1-Antikörpern getestet wird. Ionis steht vor spannenden Zeiten, denn mit Spinraza zur Behandlung von SMN-Patienten steht eine vielversprechende Markteinführung bevor und die Gesellschaft hat eine der spannendsten Biotech-Pipelines überhaupt.

Herzlichen Dank für das Interview.

Der Gesprächspartner:
Dr. Daniel Koller stiess 2004 als Senior Portfolio Manager zum Management Team der BB Biotech AG. Seit 2010 ist er Leiter der börsenkotierten Beteiligungsgesellschaft. Davor war er während vier Jahren in der Finanzindustrie tätig, zuerst in der Funktion als Aktienanalyst bei UBS Warburg, danach als Private Equity Investor bei equity4life. Daniel Koller studierte Biochemie an der ETH Zürich und doktorierte im Bereich Biotechnologie während seiner Tätigkeit bei Cytos Biotechnology.

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