Europa Forum Luzern: Fünf Fragen an Edwin Eichler

Von moneycab - 13:50

Eingestellt unter: Executive Interviews, Interviews

Edwin Eichler

Edwin Eichler, VR-Präsident Schmolz+Bickenbach. (Foto: zvg)

Luzern – Trump-Präsidentschaft, Brexit, EU-Krise, China auf Einkaufstour: Die globalen Rahmenbedingungen verändern sich zurzeit schnell und tiefgreifend. Was heisst das für global tätige Unternehmen mit einem starken Standbein in Europa? Edwin Eichler, seit 2013 VR-Präsident von Schmolz + Bickenbach und zuvor jahrelang in der Stahl-industrie in führender Stellung, bewertet die Chancen und Perspektive aus Branchensicht.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Situation, global und in Europa?

Die Weltwirtschaft wird in 2017 wohl stark von politischen Unsicherheiten geprägt werden. Es ist aus heutiger Sicht nicht einzuschätzen, welchen Einfluss die neue amerikanische Regierung auf die Wirtschaft in den USA und auf die Weltwirtschaft haben wird. Zusätzlich verunsichern die anstehenden Wahlen in Europa, wo politische Kehrtwenden durchaus Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation haben könnten. Dennoch gehen wir für 2017 trotz dieser Unsicherheiten von einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld aus.

Vor welchen unternehmerischen Herausforderungen stehen Exporteure in Europa, in der Schweiz?

Wachstum findet heute und in Zukunft vorwiegend ausserhalb Europas statt. Entsprechend sind europäische Konzerne gefordert, in Wachstumsmärkten wie China oder Indien ihre Wertschöpfungsketten aufzubauen und zu vertiefen. Nur so werden sie am Marktwachstum teilhaben können. Der Fokus muss dabei auf Spitzentechnologien und Spitzenprodukten liegen, um sich vom lokalen Wettbewerb differenzieren zu können. Zusätzlich ist ein Vertriebsnetz notwendig, welches Kundennähe und exzellenten Kundenservice gewährleistet, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Wie deuten Sie die zunehmend protektionistischen Töne innerhalb Europas und aus den USA und wie wird China darauf reagieren?

Mit wachsendem Wettbewerbsdruck erhöhen viele Drittländer die Anstrengungen, ihrer heimischen Stahlindustrie Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Bisher traten aufstrebende Industriestaaten wie China oder Indien dabei besonders hervor, in jüngster Zeit auch die USA. Dies stellt uns vor steigende Anforderungen, nicht nur in Asien, sondern in einer Vielzahl von Märkten und Ländern. Unabhängig von protektionistischen Strömungen rund um den Globus sind eine effiziente Produktion und ein weltweit starkes Vertriebsnetzwerk der Schlüssel zu unserem geschäftlichen Erfolg.

Wie könnte die EU, die Schweiz auf zunehmenden Protektionismus korrigierend eingreifen?

Obwohl wir jeglicher Art von Handelsschutzbarrieren kritisch gegenüberstehen, müssen faire Wettbewerbsbedingungen in offenen Märkten gewährleistet sein. Wir erwarten von Brüssel und Bern, dass sie sich dafür entsprechend einsetzen. Seitens Industrieverbände setzen sich die Wirtschaftsvereinigungen der Stahlindustrie für den Erhalt von Handelsschutzinstrumenten ein, welche den fairen Wettbewerb auf kurze Sicht fördern. Letztlich muss aber die Politik entscheiden, welchen Weg sie gehen will.

Digitale Revolution Industrie 4.0: Wie geht Ihr Unternehmen mit dieser Herausforderung um?

Zusammen mit additiven Fertigungsverfahren, neuen Werkstoffen und den Konzepten der sogenannten Industrie 4.0 haben wir es mit einer wirklichen digitalen Revolution zu tun. Ganze Wertschöpfungsketten in Produktion, Service und Logistik verschieben sich. Im Zentrum des Interesses stehen sowohl die Schnittstellen zwischen Kunden und Lieferanten, sowie die Prozesse in der eigenen Fertigung. Produktqualität und Ausbringung lassen sich flexibler gestalten sowie neue Dienstleistungen mit Kunden entwickeln. Daraus ergeben sich konkrete Wachstumschancen. Für unsere Werke bedeutet dies mit den Erkenntnissen erster Pilotprojekte eine konsequente marktnahe Realisierung von Anwendungen dieser digitalen Revolution.

Veranstaltungsinformationen
Frühjahr 2017 – The New Global Race
32. internationales Europa Forum Luzern
15. Mai 2017 | KKL Luzern

Lunch Cruise: Mobility 4.0: 11.15 bis 12.45 Uhr
Symposium der Wirtschaft: 13.00 bis 17.30 Uhr
Öffentliche Veranstaltung: 18.45 bis 20.30 Uhr (Eintritt frei)
VIP Networking Dinner: 20.30 bis 22.00 Uhr

Information und Anmeldung www.europaforum.ch
Kontakt: info@europaforum.ch
Teilnehmerzahl beschränkt

Das Europa Forum Luzern ist die führende nationale Veranstaltung zur Zukunft der Schweiz in Eu-ropa. Namhafte Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland tauschen im KKL Luzern ihre Strategien und Standpunkte aus. Das Europa Forum Luzern informiert unabhängig und neutral über die neusten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. Im Mittelpunkt steht die Zukunft der Schweiz in Euro-pa. Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Dialog und finden jährlich zweimal im Frühjahr und Herbst statt. Dem Europa Forum Luzern unter dem Vorsitz des Stadtpräsidenten von Luzern gehören Kanton und Stadt Luzern sowie private Körperschaften an.

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