Philipp Holenstein, CEO Arosa Bergbahnen AG

Von patrick.gunti - 10:30

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Philipp Holenstein

Philipp Holenstein, CEO Arosa Bergbahnen AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Holenstein, der Start in die Wintersaison gestaltete sich wegen des Schneemangels schwierig. Welche erste Bilanz ziehen Sie vor der Hauptsaison im Februar?

Philipp Holenstein: In der Tat war der Saisonstart Ende November/Anfang Dezember mit Unsicherheiten behaftet. Vor allem die warmen Temperaturen machten uns zu schaffen. Am 13. Dezember konnten wir das Schneesportgebiet Arosa Lenzerheide mit einem grosszügigen Teilangebot in Betrieb nehmen, und das bei sehr guten Pistenverhältnissen. Herausfordernd war die Kommunikation gegen aussen. Wie gelingt es, die positiven Botschaften zu den Gästen zu transportieren, wenn es im Unterland bis Weihnachten sehr warm ist und das Frühlingsthema die Medien dominiert? Ab Weihnachten waren praktisch alle Anlagen und Pisten in Betrieb. Klar, mussten wir in den ersten 7 Saisonwochen Rückgänge einfahren. Die Bedingungen sind aktuell hervorragend, der Winter ist endgültig angekommen, auch im nahen Unterland. Jetzt wollen wir noch einiges aufholen. Abgerechnet wird wie immer erst im April.

Die Schneesicherheit ist ein wichtiger Entscheidungsfaktor bei der Wahl der Skidestination. Wie stark ist Arosa trotz der Höhenlage auf Beschneiungsanlagen angewiesen?

Unser Schneesportgebiet beginnt ab 1800 m.ü.M. und geht bis auf 2‘700 m.ü.M. Die Gäste fahren in die Berge und wollen die Sicherheit, dass sie Skifahren bzw. Snowboarden können. Die technische Beschneiung erlaubt es, nach Abschluss der Grundbeschneiung ein tolles Pistenangebot mit hervorragender Qualität sicherzustellen, und das bis in den Frühling hinein. Die technische Beschneiung hat für die Bergbahnen den Status einer „Vollkasko-Versicherung“. Diese Investitionen kommen der ganze Destination mit all ihren Leistungsträgern (Hotels, Handel –und Gewerbe, Gemeinde etc.) zugute.

„Die technische Beschneiung hat für die Bergbahnen den Status einer „Vollkasko-Versicherung“.
Philipp Holenstein, CEO Arosa Bergbahnen AG 

Welche entsprechenden Projekte sind in der Pipeline und wie gross soll der Anteil der technisch beschneibaren Pisten werden?

Derzeit sind rund 55 % der Pisten auf Seite Arosa beschneibar. Mit der kürzlich genehmigten Teilrevision der Ortsplanung Beschneiung ist ein etappenweiser Ausbau auf 75 % der Pistenfläche möglich. Im kommenden Sommer liegt der Fokus auf dem Gebiet Hörnli, mit dem Ziel, zusammen mit der Urdenbahn und dem oberen Teilgebiet der Lenzerheide (Urdenfürggli) im November jeweils möglichst früh ein Schneesportangebot bereitzustellen. Die Nachfragesituation verändert sich. Frühlingsskifahren galt früher als „Klassiker“, heute schwingen sich die Gäste im April aufs Bike, wenn es warm wird. Dafür steigt die Lust auf Schneesport schon Anfang November. Mit dem Einsatz der technischen Beschneiung ist es möglich, dem Gast schon in der frühen Vorsaison hervorragende Pistenverhältnisse anzubieten.

Vor gut einem Jahr wurde die Verbindung der Skigebiete Arosa und Lenzerheide in Betrieb genommen. Die beiden Schneesportgebiete zwischen Hörnli und Urdenfürggli sind mit der 1,7 km langen Urdenbahn miteinander verbunden. Welche Bedeutung hat das Projekt hinsichtlich der Besucherfrequenzen?

Die stützenlose, systemunabhängige Pendelbahn über das Urdental ist das Herzstück der Skigebietsverbindung. Die Bahn ist eine technische Meisterleistung, auch was das Energiemanagement anbelangt. In den ersten 93 Betriebstagen im letzten Winter transportierte die Bahn 335‘000 Personen, an einem Spitzentag sind es 11‘000 Frequenzen. Im laufenden Winter sind es in den ersten 49 Betriebstagen bereits wieder 160‘000 Personen.

Wie präsentiert sich das „neue“ Skigebiet heute?

Zwei traditionsreiche und nahe liegende Wintersportdestinationen sind mit der schnellsten Pendelbahn der Schweiz miteinander verbunden. Arosa und Lenzerheide bringen ihre individuellen Stärken in das gemeinsame Schneesportgebiet. Mit der aufeinander abgestimmten Produkte- und Veranstaltungsplanung findet der Gast eine riesige Angebotsvielfalt. Das gilt übrigens auch für die Bergrestaurants. Das kulinarische Angebot ist breit.

Welche Chancen ergeben sich dadurch im hart umkämpften Tourismusmarkt?

Die Grösse des Schneesportgebiets ist laut internationalen Umfragen und Studien das Hauptkriterium Nr. 1 bei der Wahl der Destination. Arosa Lenzerheide ist mit dem Zusammenschluss vor einem Jahr in eine höhere Liga aufgestiegen. Der heutige Wintersportgast will in seinem Urlaub Abwechslung, Vielfalt und eine hochstehende Dienstleistungsqualität. Das neue Schneesportgebiet Arosa Lenzerheide erfüllt diese Anforderungen.

Haben Sie eine bestimmte Zielgruppe im Visier?

Wir sprechen eher von Neigungsgruppe und denken da aktive Schneesportler aus dem In- und Ausland an, die etwas erleben wollen. Das grosse Schneesportgebiet Arosa Lenzerheide und die zahlreichen andere Wintersportmöglichkeiten laden zu einem Mehrtages-Aufenthalt ein. Arosa und Lenzerheide verfolgen das Ziel, die Auslastung ausserhalb der Spitzenzeiten und der wenigen Hauptsaison-Ferienwochen zu erhöhen. Arosa selber steht vor allem für Familien- und Generationen-Ferien. Vom Dorf ist der Gast schnell mitten im Schneesportgebiet, wo er über die Pisten oder die Wanderwege die Berghütten erreicht und sich mit der Familie trifft.

„Es sind ja nicht nur die Gäste aus dem Ausland, die sich nun 2 x überlegen, in die Schweiz zu fahren.“

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses trifft den Schweizer Tourismus hart. Welchen Anteil haben die Gäste aus dem Euroraum in Arosa?

Arosa verfügt über einen relativ hohen Bekanntheitsgrad im Ausland, die Gäste aus dem Euroraum machen rund 25 bis 30 % der Logiernächte aus. Auf der Lenzerheide ist der Schweizer Anteil etwas höher. Es sind ja nicht nur die Gäste aus dem Ausland, die sich nun 2 x überlegen, in die Schweiz zu fahren. Für den Inländer ist es im benachbarten Ausland nochmals günstiger geworden, das gilt für den Winter wie für den Sommer. Das trifft uns doppelt hart.

Wie können und werden Sie auf die neue Situation reagieren?

Der Wechselkurs-Thematik sind wir ausgeliefert, das müssen wir so hinnehmen. Preissenkungen sind kein probates Mittel, da belügen wir uns selber. Der Druck auf ein noch strafferes Kostenmanagement mit einschneidenden Massnahmen steigt. Mit auffälligen neuen Produkten, attraktiven Packages und Mehrwerten am Berg wollen wir die Gäste überraschen und belohnen. Die Dienstleistungsqualität im Kleinen ist ständig zu hinterfragen und wo nötig zu verbessern. Noch vehementer zu führen ist die Abwehr gegen die schleichende Regulierung und Verdichtung mit Auflagen, welche die Entwicklung in den Bergregionen hemmen.

Viel wird über die hohen Preise in der Schweiz geklagt und mit der aktuellen Wechselkurssituation verschärft sich dieses Problem. Ist Wintersport in der Schweiz nicht schlicht zu teuer geworden?

Ich sage es mal so. Schneesport war noch nie billig, in den 70er und 80er-Jahren war Skifahren der Nationalsport Nr. 1, einfach „trendy“ und im Winter konkurrenzlos. Mit dem Wandel zur multioptionalen Gesellschaft mit grossen Wahlmöglichkeiten hat der Schneesport heutzutage ein ganz anderes Bild. Zudem gibt es in der Schweiz ein breites Angebot an unterschiedlichen Schneesportgebieten mit einer grossen Spannbreite an Tageskarten-Preisen. Wer in einem Top-Skigebiet CHF 70.00 bezahlt für einen Tagespass, erhält eine Menge Gegenwert mit hoher Qualität für 8 Stunden Erholung und Spass am Berg. Leider gehen in den Preisdiskussionen oft die Relationen vergessen. Ein Handwerker kostet für 1 Std. mindestens CHF 80.00 und ist seinen Preis auch Wert.

„Preissenkungen sind kein probates Mittel, da belügen wir uns selber. Der Druck auf ein noch strafferes Kostenmanagement mit einschneidenden Massnahmen steigt.“

Der Winter ist die Hauptsaison. Welche Bedeutung hat denn das Sommergeschäft für die Arosa Bergbahnen?

Wir sind in der Destination seit Jahren daran, den Sommer mit neuen Angeboten und Events anzukurbeln. Daraus entstand vor 12 Jahren das all-inclusive-Produkt, wo der übernachtende Gast eine Vielfalt an Dienstleistungen (u.a. die Bergbahnen) frei benützen kann. Bei einer Höhenlage ab 1‘800 m.ü.M. spielt das Wetter natürlich auch hier eine grosse Rolle. Mit der Verbindung zur Lenzerheide eröffnen sich für die Zukunft neue Chancen. Arosa als bevorzugtes Wandergebiet, Lenzerheide als starke Bike-Destination ergänzen sich in vielerlei Hinsicht schon gut.

Welches werden über die aktuelle Währungssituation hinaus die grössten Herausforderungen für die Arosa Bergbahnen in den kommenden Jahren sein?

Ferien im Alpenraum sind momentan nicht unbedingt der „Trendsetter“. Die Anziehungskraft der Berge aber bleibt, und das wird auch in Zukunft so sein. Es braucht intelligente Investitionsentscheide, die auf qualitatives Wachstum und Erneuerung setzen und Überkapazitäten vermeiden. Innovationen im Kleinen, z.B. im Gästeservice oder mit neuen Produkten am Berg, werden ebenso gefragt sein wie Innovationen im Grossen. Da meine ich die Gestaltungskraft der Destinationen mit ihren Leistungsträgern, gemeinsam den eigenen Weg zu gehen. Als Dauerbrenner bleiben die Verbesserung der Rahmenbedingungen sowie der Kampf gegen die schleichende Überregulierung und Bürokratisierung. Und wir müssen wieder vermehrt auf die Emotionen zielen: Schneesport in der freien Natur mit frischer Luft und traumhaften Pisten ist einfach unverwechselbar und gegen nichts einzutauschen. Dieses einmalige Erlebnis müssen wir einer breiten Bevölkerung, vor allem unserem Nachwuchs schmackhaft machen.

Herr Holenstein, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Philipp Holenstein, Geschäftsführer der Arosa Bergbahnen AG, ist in der Stadt Zürich aufgewachsen und absolvierte eine kaufmännische Lehre. Mit 24 Jahren kam er nach Arosa ins örtliche Elektrizitätswerk. Nach mehreren Jahren bei der Gemeinde Arosa in verschiedenen Funktionen wechselte er 2002 zu den Arosa Bergbahnen AG. Per 1. November 2012 erfolgte seine Wahl zum Geschäftsführer der Arosa Bergbahnen AG. Philipp Holenstein ist Vorstandsmitglied des Branchenverbands Bergbahnen Graubünden und vertritt deren Interesse im Vorstand von Seilbahnen Schweiz.

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