Rückversicherer könnten von Hurrikan „Irma“ profitieren

Von moneycab - 17:00

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Hurrikan "Irma" trifft auf Florida: Skyline von Miami.

Monte Carlo / Boston – Der über Florida rasende Hurrikan „Irma“ könnte paradoxerweise zum Glücksfall für die Rückversicherer werden. Zwar werden die Schäden durch Sturm und Hochwasser in die Milliarden gehen. Doch nährt „Irma“ beim jährlichen Rückversicherer-Treffen in Monte Carlo die Hoffnung der Branche, dass der seit Jahren tobende Preisverfall bei den Prämien ein Ende finden könnte. Experten dämpfen diese Erwartungen allerdings. Bitter könnte es derweil für die Anleger einiger Katastrophenanleihen werden.

Am Finanzmarkt wurden die jüngsten Entwicklungen mit Kurssprüngen quittiert: Die Aktien der weltgrössten Rückversicherer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück lagen am frühen Montagnachmittag mit jeweils rund 4% im Plus und standen damit an der Spitze der jeweiligen Aktien-Indizes.

Geringere Schäden als befürchtet
Dominiert wird das „Rendez-vous de Septembre“ in Monte Carlo von „Irma“. Nach jüngster Einschätzung von Experten wird der Sturm die Branche nicht ganz so teuer zu stehen kommen wie zunächst gedacht. In den USA dürften sich die versicherten Schäden auf 20 bis 40 Milliarden US-Dollar (17 bis 33 Mrd Euro) belaufen, teilten die Risikospezialisten von AIR Worldwide am Montag mit. Am Samstag hatten sie noch versicherte Schäden von 15 bis 50 Milliarden Dollar für möglich gehalten. Hinzu kämen 5 bis 15 Milliarden auf mehreren karibischen Inseln.

„Irma“ war am Sonntag erstmals auf die Küste von Florida getroffen und an der Westküste der Halbinsel entlang gezogen. Die Hauptstadt Miami wurde dadurch nicht direkt getroffen, dafür rückten Naples und Tampa ins Visier des Hurrikans. Immerhin habe „Irma“ dadurch „nicht die teuerste Route genommen“, sagte Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin am Montag beim Treffen im Fürstentum Monaco.

„Irma“ ist der schwerste jemals in der Region registrierte Tropensturm. Er dürfte die Branche viel heftiger treffen als Hurrikan „Harvey“ wenige Tage zuvor. Beide Ereignisse dürften zwar die Gewinne der Rückversicherer belasten, aber kaum an ihrer Kapitalbasis zehren, schätzt die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P).

Keine Angst um Gewinnziel
Hannover-Rück-Chef Wallin stellte klar, dass die „Harvey“ und „Irma“ seine Ziele für 2017 nicht in Gefahr bringen. Das Unternehmen kommt nach eigenen Angaben in Florida und dem zuvor von Hurrikan „Harvey“ getroffenen Bundesstaat Texas nur auf einen Marktanteil von unter zwei Prozent.

Auch Weltmarktführer Munich Re sieht sich in Florida nicht mehr stark vertreten. Der Preiskampf der vergangenen Jahre hatte das Geschäft für viele unattraktiv gemacht. Selbst Starinvestor Warren Buffett und seine Holding Berkshire Hathaway haben sich zu grossen Teilen aus dem US-Katastrophengeschäft zurückgezogen.

Hoffen auf Ende des Preiszerfalls
Angesichts der hohen Schäden erwarten die Rückversicherer nun ein Ende des Preisverfalls. So rechnet der weltweit zweitgrösste Branchenvertreter Swiss Re bei der Absicherung von Gebäuden und Autos zumindest mit einer Stabilisierung des Prämienniveaus. Die Hannover Rück geht insgesamt von stabilen Preisen aus.

In den betroffenen Regionen sagte Hannover-Rück-Chef Wallin wie schon Munich-Re-Manager Torsten Jeworrek merkliche Prämienerhöhungen voraus. Eine Preiswende im gesamten Geschäft weltweit wollten beide aber noch nicht prognostizieren. Dafür bräuchte es ein noch schwereres Ereignis, schätzt auch Versicherungsanalyst William Hawkins von Keefe Bruyette & Woods.

Jährliches Treffen der Branche
Rückversicherer übernehmen Risiken von Erstversicherern wie der Allianz, Axa und Generali , die damit einen Teil ihrer Geschäfte absichern. Im Fürstentum Monaco an der Côte D’Azur treffen sich Vertreter beider Seiten sowie Makler jährlich im September, um Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum folgenden Jahreswechsel abzustecken.

Zuletzt hatten geringe Katastrophenschäden Erstversicherern immer wieder Argumente gegeben, die Preise für den Rückversicherungsschutz nach unten zu drücken. Grosse Ratingagenturen gingen vor „Irma“ davon aus, dass dieser Abwärtstrend 2018 weitergeht. S&P hatte Abschläge von bis zu 5 Prozent auf dem Zettel, die Agentur Fitch sogar bis zu 7,5 Prozent.

Kapitalschwemme und niedrige Zinsen
Zu der Erwartung trugen auch eine Kapitalschwemme und die niedrigen Zinsen bei. So schwoll das Kapital in der klassischen Rückversicherung laut S&P von 2011 bis 2016 weltweit von rund 350 Milliarden auf 443 Milliarden Dollar an. Damit wuchs das Angebot an Rückversicherungsschutz, die Nachfrage blieb dahinter zurück.

Zudem drängten branchenfremde Anleger wie Pensions- und Hedgefonds in das Geschäft. Mit Investitionen in Katastrophenanleihen und andere junge Formen von Rückversicherungen wetteten sie darauf, dass bestimmte Katastrophen nicht eintreffen. Dieses alternative Rückversicherungskapital wuchs laut dem Versicherungsmakler Aon von 2011 bis 2016 von etwa 28 Milliarden auf 81 Milliarden Dollar.

Erster Test für Katastrophenanleihen
Jetzt schauen Experten darauf, ob von „Irma“ betroffene Inhaber von Katastrophenanleihen erneut hohe Summen in dieses riskante Geschäft investieren, das im Idealfall hohe Renditen verspricht. „Das wird wohl der erste bedeutende Test, wie Inhaber von Katastrophenanleihen auf solche Verluste reagieren“, sagte Analyst Robert DeRose von der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur A.M. Best.

Laut S&P könnten 13 verschiedene Katastrophenanleihen von „Irma“ betroffen sein. Das Geld der meist institutionellen Anleger wäre damit im Zweifel weg. (awp/mc/ps)

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