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Ralf Huber, Mit-Gründer von Apiax, im Interview

Von helmuth.fuchs - 16:15

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Ralf Huber, Mit-Gründer Apiax (Bild: Apiax)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Huber, nach einer langen Karriere als Compliance-Experte bei grossen Banken, zuletzt elf Jahre bei der Credit Suisse, haben Sie als Mitgründer von Apiax in die Startup-Szene gewechselt. Wie gross war der Kulturschock, was ist die bedeutendste Veränderung für Sie

Ralf Huber: Einen Kulturschock gab es für mich nicht, der grösste Unterschied liegt darin, was mit einem fokussierten und erfahrenen Team in sehr kurzer Zeit erreicht werden kann. Während in vielen Grossunternehmen administrative Prozesse einen bedeutenden Teil der Arbeitszeit in Beschlag nehmen, agieren wir als Startup sehr agil. Dies ist eine der Freiheiten, die ich auch bewusst gesucht habe.

„Indem wir unsere digitalen Regeln auf einen konkreten Bankprozess ausrichten, liefern wir unseren Kunden die dafür benötige Interpretationstiefe bereits „out of the box“.’“ Ralf Huber, Mit-Gründer von Apiax

Ihre drei Mitgründer kommen von Appway, einem sehr erfolgreichen IT-Unternehmen. Wie definiert sich Apiax, eher als ein IT-Unternehmen oder als eine Legal- und Compliance-Expertin?

Der Schlüssel zum Erfolg von Apiax und von RegTech-Lösungen ganz generell liegt in der Kombination. Juristen, welche typischerweise in Legal- und Compliance-Bereichen arbeiten, bringen tendenziell weniger Affinität zu Technik und Prozessen mit. Das liegt unter anderem am Fokus der heutigen juristischen Ausbildung. Gleichzeitig mangelt es IT-Spezialisten häufig am Verständnis für komplexe regulatorische Sachverhalte. Es braucht also beides, IT-Knowhow und juristische Expertise.

Mit der PSD2-Verordnung (Payment Services Directive) verpflichtet die EU Banken, Drittanbietern Zugang zu ihren Konten- und Zahlungsdaten zu gewähren, in der Schweiz intensiviert sich die Diskussion um das Open Banking (API Banking). Was bedeutet das für die Banken, was haben sie zu verlieren, was können sie gewinnen?

Das Thema Open Banking und die damit verbundene Schnittstellen-Thematik – primär APIs – haben sehr viele Facetten. Banken können aus immer mehr Anbietern auswählen und spezifische, auf sie zugeschnittene Lösungen als Service beziehen. Das erhöht die Flexibilität und verringert die Kosten, weil nicht mehr jede Bank selbst eine Lösung entwickeln muss. Mit den digitalen cross-border Regeln bieten wir genau einen solchen Service an und helfen damit unseren Kunden, die Kosten für Compliance zurückzufahren und gleichzeitig auch die Compliance-Risiken zu reduzieren.

„Banken können aus immer mehr Anbietern auswählen und spezifische, auf sie zugeschnittene Lösungen als Service beziehen.“

Ein anderer Aspekt von Open Banking geht vom Bedürfnis vieler Kunden aus, Bankdienstleistung künftig vermehrt über digitale Kanäle zu beziehen. Hier werden wir FinTechs und andere Anbieter sehen, welche beabsichtigen, den etablierten Playern den Kanal zum Kunden streitig zu machen. Diese Entwicklung wird durch PSD2 beschleunigt werden, da diese Verordnung die Banken verpflichten wird, solchen Anbietern über eine API Zugriff auf Bankinformationen zu gewähren. Auch wenn es sich um eine europäische Regulierung handelt, ist es für Schweizer Banken umso wichtiger, sich bereits heute auf diese Entwicklung vorzubereiten und das Thema API ernst zu nehmen.

Mit Apiax wollen Sie den Banken die gesamten Regulierung- und Compliance-Vorschriften digital als Dienst aus der Cloud zur Verfügung stellen. Was sind dabei die grössten Herausforderungen?

Legal- und Compliance-Regeln werden heute bei den meisten Finanzinstituten vollständig manuell verwaltet. Deshalb ist nach wie vor Aufklärungsarbeit nötig, um Experten aufzuzeigen, dass auch komplexe juristische Problemstellungen digital korrekt abgebildet werden können. Hier geht es also zunächst um den Grundsatz, Regulierung überhaupt digital zu verwalten. Bei Apiax gehen wir aber noch einen Schritt weiter, indem eine Bank digitale Legal Opinions – also rechtliche Interpretationen für spezifische Anwendungsfälle – wie in einem App Store einkaufen kann.

Die reine Digitalisierung der Compliance-Inhalte ist das eine, wertvoller für die Banken ist jedoch die damit verbundene Interpretation der Vorschriften und die Einbettung in ihre eigenen Abläufe. Wie kann Apiax die Banken dabei unterstützen?

Wir sind überzeugt davon, dass digitale Regeln immer einen spezifischen Anwendungsfall abbilden müssen, beispielsweise das Anbieten von Finanzinstrumenten in einem cross-border Kontext. Indem wir unsere digitalen Regeln auf einen konkreten Bankprozess ausrichten, liefern wir unseren Kunden die dafür benötige Interpretationstiefe bereits ‘out of the box’. Nur so lässt sich der Integrationsaufwand auf Seiten unserer Kunden minimieren.

„Legal- und Compliance-Regeln werden heute bei den meisten Finanzinstituten vollständig manuell verwaltet.“

Die regulatorischen Vorschriften variieren stark von Land zu Land und entwickeln sich rasant, was bei vielen Banken zu immer grösser werdenden Compliance-Abteilungen führt. Wie wollen Sie hier als noch junges Unternehmen mithalten und ihre Dienstleistung länderübergreifend dauernd aktuell halten?

Diese Herkulesaufgabe meistern wir nur dank der Zusammenarbeit mit globalen Partnern, welche ihr regulatorisches Knowhow direkt auf unserer Plattform digitalisieren. Unsere Partner verfügen über Spezialisten in jedem Land, für welches wir Regelsets anbieten, und können damit nicht nur den aktuellen Stand der Regulierung abbilden, sondern unsere Kunden auch frühzeitig digital über Änderungen in der Gesetzeslandschaft informieren.

Ihre Technologie mit den intelligenten Regelwerken (Rule Engine) liesse sich theoretisch auch auf andere Geschäftsprobleme anwenden. Gibt es hier schon Pläne zur Erweiterung des Angebots?

Unser Anspruch ist es definitiv, ein themenübergreifender Anbieter von digitalen Regeln zu werden. Während cross-border und Tax-Regeln primär für unsere Wealth Management- und Private Banking-Kunden interessant sind, arbeiten wir bereits an weiteren Themen wie Data Protection.

Die Interpretation von strukturierten digitalen Inhalten bietet sich geradezu an für den Einsatz von künstlicher Intelligenz oder Robotern (Robo-Advising). Wie weit kann und will Apiax hier gehen?

Wir experimentieren bereits heute mit machine learning-Technologien, sind aber überzeugt davon, dass die Interpretation von Regulierungen auf dem für unsere Regelsets benötigten Detaillierungsgrad nach wie vor durch Experten erfolgen muss.

Nebst den Banken selbst müssen auch die Anbieter von Bankensoftware Lösungen im Bereich Legal- und Compliance finden. Wie weit eignet sich hier Ihre Lösung als Alternative zu einer Eigenentwicklung?

Nur eine durch digitale Hilfsmittel unterstützte Standardisierung kann die regulatorische Flut in der Finanzindustrie und die damit verbundenen Kosten eindämmen. Die Interpretation von Regulierung ist kein Differenzierungsfaktor im Angebot einer Bank, weshalb sich sowohl für Banken als auch für Bankensoftware-Lösungen eine Eigenentwicklung nur selten rechnet. Wir sehen uns zudem als ‘API first’ Firma, das heisst wir haben einen sehr starken Fokus auf eine einfach zu integrierende API. Das kommt sowohl Anbietern von Bankensoftware-Lösungen, Banken selber, aber auch FinTechs zu Gute.

„Nur eine durch digitale Hilfsmittel unterstützte Standardisierung kann die regulatorische Flut in der Finanzindustrie und die damit verbundenen Kosten eindämmen.“

Wie weit sind Sie bei der Produktentwicklung und mit ersten Erfahrungen in Kundenprojekten?

Wir testen unsere Lösung derzeit bei verschiedenen Kunden im In- und Ausland, sowohl bei grösseren wie auch kleineren Finanzinstituten. Die Kundenfeedbacks sind bislang sehr positiv und zeigen uns, dass wir mit unserer Technologie und unserem Angebot auf dem richtigen Weg sind.

Wie sehen die Besitzverhältnisse bei Apiax aus, wie offen sind Sie für neue Investoren und wie wollen Sie das weitere Wachstum finanzieren?

Wir haben im Herbst diesen Jahres erfolgreich unsere erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und mit Herrn Peter Kurer, den Business Angel Clubs SICTIC und DIVentures sowie der Zürcher Kantonalbank sehr namhafte Investoren gefunden, welche uns beim weiteren Ausbau von Apiax tatkräftig unterstützen. Für unser Wachstum planen wir zur gegebenen Zeit eine weitere Finanzierungsrunde.

Gerade nahmen Sie am Kickstart Accelerator Programm teil. Was waren Ihre konkreten Erwartungen in diesem Programm, welche haben sich erfüllt?

Unsere Erwartung an den Kickstart Accelerator war, dass wir Unterstützung erhalten, um unser Produkt zur Marktreife zu bringen. Wichtige Elemente auf diesem Weg sind ein Mentoring durch erfahrene Experten sowie der Zugang zu Kunden, um ein Produkt im Rahmen eines Proof of Concepts (PoC) zu testen. In beiden Bereichen wurden unsere Erwartungen an das Programm übertroffen. Hinzu kommt die sehr kreative und dynamische Zusammenarbeit unter den Startups hier im Kraftwerk, was uns ebenfalls in vielen Bereichen weitergebracht hat.

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus?

Einen Kulturwechsel, der bereits bei der Ausbildung unserer Kinder beginnt. Das Unternehmertum sollte bereits früh aktiv gefördert werden, um die Innovationskraft der Schweiz für die Zukunft zu stärken. Und ausserdem eine industrieübergreifende Zusammenarbeit, auch mit der Politik, um die Schweiz als wichtigen RegTech-Standort weltweit zu positionieren.

Der Gesprächspartner:
Ralf Huber hat über 16 Jahre Erfahrung in der Rechts- und Compliance-Branche in der Finanzbranche und einen Master in Rechtswissenschaften der Universität Zürich. Nach seiner Compliance-Karriere bei der Zürcher Kantonalbank war er zwischen 2005 und 2016 in der Schweiz und im Ausland in verschiedenen Rechts- und Compliance-Funktionen bei der Credit Suisse tätig. In seiner letzten Position bei der Credit Suisse leitete Ralf ein Anwalts-Team, das alle Rechts- und Compliance-Aufgaben für das Investment, Asset-Management und Investmentfondsgeschäft in der Schweiz abdeckte. Ralf hat sich schon immer für die Standardisierung und die Nutzung von Technologien begeistert, um die Anforderungen moderner Rechts- und Compliance-Arbeit zu vereinfachen.


Das Interview entstand in Zusammenarbeit mit Kickstart Accelerator und digitalswitzerland

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