Andi Restle, Geschäftsführer ITS Coop Travel, im Interview

Von moneycab - 12:10

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Andi Restle, Geschäftsführer ITS Coop Travel

Von Robert Wildi

Moneycab.com: Herr Restle, 2016 verzeichnete ITS Coop Travel gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzplus von mehr als 20%. Lief 2017 ebenso gut?

Andi Restle: Das grosse Wachstum 2016 war darauf zurückzuführen, dass wir 2015 aufgrund der Aufhebung des Eurokurses massive Einbussen in Kauf nehmen mussten. Es war natürlich erfreulich, dass wir dieses Minus schnell wieder kompensieren konnten und 2017 den Umsatz gegenüber dem Vorjahr nochmals um 6,5% gesteigert haben.

„Es ist tatsächlich so, dass die Einstandspreise für Flug- und Hotelleistungen für spanische Ziele, insbesondere Mallorca, höher sind als im Vorjahr.“ Andi Restle, Geschäftsführer ITS Coop Travel

In den letzten Jahren gab es mehrere Destinationen, die aus politischen Gründen Nachfrageeinbrüche erlitten. Letztes Jahr gingen die Türkei-Buchungen gegenüber 2016 nochmals zurück, Tunesien stagnierte, während sich Ägypten etwas erholte. Wie sehen die Buchungen für diese drei klassischen Destinationen in diesem Jahr aus?

Tatsächlich zeigt sich ein positiver Trend: Der Buchungsstand für alle drei Länder liegt um mehr als das Doppelte über Vorjahr. Jedoch muss man festhalten, dass die Werte noch weit von jenen Jahren entfernt sind, als diese Länder noch nicht unter negativen Einflüssen litten.

2017 verzeichneten Griechenland (vor allem Kreta und Kos), Spanien (Balearen und Kanaren) sowie die Malediven und die Dominikanische Republik eine sehr starke Nachfrage. Zeichnet sich für 2018 ein ähnliches Bild ab?

Bei Griechenland liegen die Werte auf dem guten Vorjahresniveau. Für Spanien verzeichnen wir einen Rückgang. Bei den Fernstrecken gibt es jedes Jahr Verschiebungen, was auf die Flugtarife zurückzuführen ist. Bei den Malediven können wir immer noch Zuwächse verzeichnen, während die Dominikanische Republik hinter den sehr hohen Vorjahreswerten liegt.

Nach dem Wegfall mehrerer Airlines, vor allem Air Berlin, sind auf gewissen Strecken massive Preisschübe beobachtet worden. Aus stark nachgefragten Destinationen wie Mallorca wird auch von Preiserhöhungen in Hotellerie und Gastronomie berichtet. Wirkt sich das auf Ihre Preisgestaltung aus?

Bei der Preisgestaltung haben wir wenig Spielraum, da die Margen in unserer Branche sehr gering sind. Es ist tatsächlich so, dass die Einstandspreise für Flug- und Hotelleistungen für spanische Ziele, insbesondere Mallorca, höher sind als im Vorjahr. Dies führt zu höheren Verkaufspreisen und könnte einer der Gründe sein, wieso der Buchungsstand für Spanien unter Vorjahr liegt.

„Detaillierte Aussagen über die Preisentwicklung sind kaum mehr möglich, da die Preise immer dynamischer und den Marktgegebenheiten angepasst werden.“

Auch der Euro hat gegenüber dem Franken zugelegt. Muss der Tourist dieses Jahr tiefer in die Tasche greifen? Welche Destinationen werden teurer, welche bleiben gleich, und gibt es eventuell sogar solche, die günstiger geworden sind?

Es ist so, dass wir die Sommersaison mit einem höheren Wechselkurs für den Euro kalkulieren mussten. Da die Flug- und Fixkosten in CHF anfallen, beträgt der Kostenanteil in Euro 40 bis 60% eines Pauschalarrangements. Dies führt also grundsätzlich zu höheren Verkaufspreisen. Detaillierte Aussagen über die Preisentwicklung sind kaum mehr möglich, da die Preise immer dynamischer und den Marktgegebenheiten angepasst werden. Natürlich geben wir Preisnachlässe von Hotels und Fluggesellschaften in Form von tieferen Verkaufspreisen sofort an unsere Kunden weiter.

Bucht der durchschnittliche Schweizer eigentlich seine Ferien eher kurz- oder langfristig? Und hat es in den letzten Jahren signifikante Veränderungen gegeben?

Unsere Hauptbuchungsmonate für die Sommersaison sind nach wie vor Januar und Februar. Viele Schweizerinnen und Schweizer planen und buchen ihre Ferien frühzeitig. Diesbezüglich können wir keine signifikante Veränderung feststellen. Es ist auch empfehlenswert, frühzeitig zu buchen, da dann die Verfügbarkeit gewährleistet ist. Wer kurzfristig bucht, muss flexibel sein.

Anfang Jahr hat ITS Coop eine neue Webseite aufgeschaltet, weil immer mehr Leute nicht mehr am Laptop oder PC, sondern auf mobilen Endgeräten Ferien buchen. Wie ist denn das Verhältnis, prozentual betrachtet, zwischen Offline- und Online-Buchungen? Und bei letzteren zwischen Buchungen ab stationären und ab mobilen Geräten?

Es hat sich aufgedrängt, dass wir unsere Internetseite für die optimale Bedienung auf mobilen Geräten umrüsten. Lag der Anteil an Besuchen von mobilen Geräten 2012 noch bei 13%, stieg dieser bis auf 50% in den Jahren 2016 und 2017. Der Anteil Online-Buchungen über unsere eigene Internetseite liegt seit Anfang Jahr bei über 30%. Von diesem Anteil werden 20% der Buchungen auf mobilen Geräten vorgenommen. Die Buchungen auf Smartphones stiegen gegenüber Vorjahr um 60%, was auf die neue Seite zurückzuführen ist.

ITS Coop ist ein klassischer Anbieter von Pauschalreisen und Badeferien. Passt das noch in die heutige, individualistische Zeit?

Die Pauschalreisen sind viel individueller geworden. Gab es früher die klassischen Ein- oder Zweiwochenarrangements, kann man heute bei vielen Zielen die Aufenthaltsdauer individuell bestimmen. Auch ist es heute möglich, in eine Pauschalreise mehrere Hotels zu packen oder einen individuellen Aufenthalt ohne Unterkunft zu integrieren. Eine Pauschalreise hat immer noch gewichtige Vorteile. Einerseits ist sie überwiegend günstiger, als wenn man Einzelleistungen bucht. Zudem hat man einen Ansprechpartner, der bei Unregelmässigkeiten oder bei Problemen Hilfestellung bietet.

Wer bucht denn vor allem bei Ihnen? Wer ist Ihr Zielpublikum?

Unser Zielpublikum sind alle, die organisierte Reisen ins Ausland unternehmen, ein gutes Preis/Leistungsverhältnis suchen, eine kompetente Beratung erwarten und vor, während und nach der Reise eine umfassende Betreuung schätzen – besonders, wenn es zu Unregelmässigkeiten kommen sollte, was durch äussere Einflüsse immer vorkommen kann.

„Geführte Rundreisen haben einen hohen Stellenwert und sind nach wie vor gefragt.“

ITS steht in erster Linie für Badeferien. Welchen Stellenwert haben die geführten Rundreisen?

Geführte Rundreisen haben einen hohen Stellenwert und sind nach wie vor gefragt. Mit unseren Rundreisen ist es möglich, die Sehenswürdigkeiten eines Landes in einer beschränkten Dauer zu besuchen und von kompetenten Reiseleitungen viel über Land und Leute zu erfahren. Dabei gibt es Länder, die individuell gar nicht so einfach zu bereisen sind, wie z.B. China, Myanmar oder Vietnam. Aber auch kürzere Rundreisen in Europa, wie z.B. Kroatien, Andalusien oder Rumänien sind beliebt. Insgesamt konnten wir im letzten Jahr etwa 2’000 Gäste auf unseren Rundreisen begrüssen.

Neben Badeferien, Rundreisen und Kreuzfahrten finden sich bei ITS Coop auch Last Minute-Angebote. Gibt es das Last-Minute-Geschäft überhaupt noch?

Last-Minute Angebote entstehen durch Überkapazitäten oder geringe Nachfrage an vereinzelten Reiseterminen. Dies gibt es nach wie vor, jedoch vorwiegend in der Nebensaison.

Seit 2014 bietet ITS zudem Eventreisen zu Rennen der Formel 1 und zu Moto-Grandprix an. Sind diese Eventreisen ein wichtiges Geschäftsfeld in Ihrem Unternehmen?

Unsere Motorsport- und Eventreisen sind Nischenprodukte, die es uns aber ermöglichen, neue Kunden anzusprechen und uns zu profilieren. Wir fahren aber immer wieder mit gut 100 Kunden zu den Formel 1- oder Moto GP-Rennen.

Wie kann sich ITS Coop Travel von den zahlreichen Mitbewerbern unterscheiden? Was ist Ihre USP?

Als Gemeinschaftsunternehmen von Coop und DER Touristik profitieren wir von den Vorteilen grosser Konzerne, z.B. Supercard Programm von Coop oder Einkaufsmacht des drittgrössten Reiseveranstalters in Europa. Da wir uns auf den Direktvertrieb konzentrieren und geringe Vertriebsprovisionen einkalkulieren müssen, haben wir einen Preisvorteil gegenüber den klassischen Reiseveranstaltern. Unser kleines Team ist bestens geschult und verfügt über sehr gute Kenntnisse der Reiseländer und unseres Kernsortimentes an Hotels. Und wenn etwas mal nicht wie vorgesehen klappen sollte, handeln wir schnell, unkompliziert und kulant.

„Demnächst starten wir mit der dynamischen Produktion. Dabei werden Pauschalangebote zu tagesaktuellen Preisen aus verschiedensten Quellen automatisiert zusammengestellt.“

Und wo sieht ITS Coop noch Wachstumspotenzial?

Man kann die Welt nicht neu erfinden, das heisst, es werden kaum neue Destinationen auf der Landkarte auftauchen. Wir hoffen, dass Länder wie die Türkei, Ägypten und Tunesien wieder zur alten Stärke zurückfinden. Im Weiteren investieren wir in die Technik und entwickeln unsere Internetseite weiter. Demnächst starten wir mit der dynamischen Produktion. Dabei werden Pauschalangebote zu tagesaktuellen Preisen aus verschiedensten Quellen automatisiert zusammengestellt. Dies ermöglicht uns, das Angebot auszubauen und neue Reisearten wie Städtereisen oder weitere Reiseländer anzubieten.

Der Schweizerische Reisebüroverband fordert angesichts vieler gestrandeter Passagiere bei den jüngsten Airline-Pleiten, dass künftig auch Luftverkehrsgesellschaften ihre Kundegelder absichern sollen. Was halten Sie von dieser Forderung?

Diese Forderung ist mehr als berechtigt und wird von ITS Coop Travel unterstützt. Es gibt keinen Grund, wieso Reiseveranstalter über eine Kundengeldabsicherung verfügen müssen und Fluggesellschaften nicht. Die Insolvenz von Fluggesellschaften hat uns in den letzten Jahren immer wieder viel Geld gekostet. Als Reiseveranstalter mussten wir den Kopf für die Fluggesellschaften herhalten. Diese Situation ist  unbefriedigend und sollte verbessert werden.

„Es gibt keinen Grund, wieso Reiseveranstalter über eine Kundengeldabsicherung verfügen müssen und Fluggesellschaften nicht.“

Der Gesprächspartner:
Andi Restle ist seit der Unternehmensgründung 2006 Geschäftsführer von ITS Coop Travel. Zuvor war der ausgebildete Marketing-Planer in verschiedenen Funktionen bei Vögele Reisen, Direkt Reisen, Mediashop Reisen sowie Net Tours tätig. Andi Restle ist 1966 geboren und lebt mit seiner Familie in Glattfelden im Zürcher Unterland. ITS Coop Travel gehört je zur Hälfte der Genossenschaft Coop Basel und der DER Touristik GmbH (Rewe-Gruppe).

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