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Niklas Zeller, Mitgründer und CEO von Viselio, im Interview

Von moneycab - 15:55

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Niklas Zeller, Mitgründer und CEO von Viselio

von Jonathan Spirig, Travelcontent

Herr Zeller, welchen Service bietet Viselio?

Niklas Zeller: Kurz gesagt digitalisiert, vereinfacht, automatisiert und beschleunigt Viselio den Visa-Prozess für Länder wie Russland, Indien, Vietnam oder China.

„Ein Visumantrag bei Viselio dauert im Schnitt sieben Minuten (Versand nicht miteinberechnet) – das gilt auch für Russland.“ Niklas Zeller, Mitgründer und CEO von Viselio

Wie ist die Idee zu Viselio entstanden?

Entstanden ist die Idee beim Einholen russischer Visa für eine Gruppe von vier Freunden. Für unseren kurzen Abstecher nach Russland mussten wir ein Formular auf der Webseite der russischen Regierung ausfüllen, eine Einladung eines russischen Reisebüros vorweisen, sowie eine Bestätigung der Krankenkasse in englischer Sprache mitschicken. Anschliessend mussten wir mit diesen Dokumenten noch persönlich im Visazentrum vorbeigehen, um die Einreisebewilligung effektiv zu erhalten. Mit der Koordination, der Vorbereitung der Dokumente und der Reise nach Bern war ich fast zwei Arbeitstage beschäftigt. Ein extrem aufwändiger und dazu noch völlig analoger Prozess – ich war überzeugt, dass das in der digitalisierten Welt in der wir heute leben, einfacher und schneller gehen muss und kann.

Und gleich nach der Russland-Reise haben Sie Viselio gegründet?

Ganz so schnell ging es nicht. Bevor ich Investoren von meiner Idee überzeugen konnte, sondierte ich als Einmann-Betrieb und später gemeinsam mit Mitarbeitern von der Schweiz aus den Markt. Wir waren erstaunt, wie selbst reiseerfahrene Leute teilweise grosse Mühe mit dem Thema Visum bekunden und zum Teil schon an der Sprache scheitern.

Unter den Investoren, die Sie gefunden haben, ist auch ihr Vater Roland Zeller – ein Pionier der Schweizer Online-Reiseindustrie. Haben Sie den Gründergeist quasi im Blut?

Es ist natürlich sehr wertvoll, einen Partner zur Seite zu haben, der in der Reiseindustrie bestens vernetzt ist und mit Rat, Tat aber auch kritischen Fragen zur Seite steht. Er hat mich in der Idee bestärkt den Schritt zu wagen und eine eigene Firma zu gründen.

Es fällt auf, dass Viselio neben Niederlassungen im DACH-Raum auch einen Sitz in Belgrad hat. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Belgrad hat sich in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt digitaler Nomaden entwickelt. Der Gründergeist und die Innovationslust sind in der serbischen Hauptstadt greifbar, vor allem im Bereich der Software-Entwicklung. Dank verschiedener Förderinitiativen ist Serbien vor allem für Startups sehr kompetitiv. Dank der grossen serbischen Diaspora in der ganzen Welt ist es auch verhältnismässig einfach verschiedene Sprachkompetenzen zu finden.

Zwei Jahre nach dem Start beschäftigen Sie bereits über 30 Mitarbeiter. Wie gross ist eigentlich der Visa-Markt?

Obwohl gerade Europäer die meisten Länder ohne Visum bereisen können, reden wir von einem weltweiten Wachstumsmarkt. Gerade Länder wie China und Indien werden auch für Geschäftsreisende immer wichtiger. Auf der anderen Seite reisen auch immer mehr Inder und Chinesen in den Schengenraum ein. Zurzeit wird das freie Reisen eher wieder erschwert, viele Regierungen möchten ganz genau wissen, wer in ihr Land einreist. Das schlägt sich in einer „Datensammelwut“ nieder, Visaformulare werden länger und anspruchsvoller.

Wer gehört konkret zum Kundenstamm von Viselio?

Grundsätzlich gehören alle, die in ein visumspflichtiges Land reisen wollen, zur Zielgruppe von Viselio. Den Löwenanteil macht mit rund 70 Prozent derzeit noch der Ferienreisemarkt aus, was aber auch immer von der Jahreszeit und Destination abhängig ist. Schwierig abzuschätzen ist zudem, wie hoch der Anteil an Geschäftsreisenden ist, die ihre Reise unerlaubterweise mit einem Touristenvisum antreten. Im B2B2C-Geschäft haben wir sowohl mit Reisebüros und Reiseveranstaltern Partnerschaften, gehen aber aktuell auch aktiv den Geschäftsreisemarkt an, um in diesem Segment zu wachsen. Der Geschäftsreisemarkt wird in seiner Wichtigkeit für uns sicher steigen. Wir haben die Tools, um diesen Markt nachhaltig zu revolutionieren.

Ihr Claim lautet „In sieben Minuten zum Visum“ – ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen? Insbesondere Russland gilt gemeinhin als aufwendig und kompliziert.

Ein Visumantrag bei Viselio dauert im Schnitt sieben Minuten (Versand nicht miteinberechnet) – das gilt auch für Russland. Da Viselio alle Dokumente korrekt ausgefüllt zur Verfügung gestellt werden, entfällt das Problem von falschen oder fehlenden Dokumenten so gut wie komplett. Der Kunde muss sich die einzelnen Komponenten nicht zusammensuchen und sich nicht über den Prozess informieren. Unser Formular stellt sicher, dass alles passt. Zudem hat der Kunde während des ganzen Antragsprozesses über unser Track & Trace die ständige Transparenz, wo sich sein Pass gerade befindet und wann er mit der Ausstellung des Visums rechnen kann. Sobald der Kunde unsere Servicegebühr bezahlt, das fertige Visumsformular unterzeichnet und uns dieses zugeschickt hat, geht jemand aus unserem Team bei der Botschaft vorbei. Allein die Tatsache, dass wir die Aufträge gebündelt einreichen können, ist eine unglaubliche Zeitersparnis. Und es ist natürlich auch hilfreich, dass man uns mittlerweile bei den Botschaften kennt.

„Wir verlangen für unsere Dienstleistungen (Einholen des Visums, Vorbereitung der Dokumente) eine fixe Gebühr von 75 CHF für Touristenvisa.“

Das klingt immer noch sehr kompliziert und zeitaufwändig…

Ein wesentlicher Mehrwert, den Viselio schafft, liegt in der Datenübernahme aus bestehenden Systemen. Viele Daten über einen Reisenden sind bereits in Backoffice-Systemen, Flugbuchungen oder Traveller-Profilen vorhanden. Viselio kann diese übernehmen und das Visumformular schon zu einem wesentlichen Teil vorab befüllen. So werden abermals Fehler ausgeschlossen und der Ausfüllprozess reduziert sich zeitlich.

Wie viel kostet der Service von Viselio?

Wir verlangen für unsere Dienstleistungen (Einholen des Visums, Vorbereitung der Dokumente) eine fixe Gebühr von 75 CHF für Touristenvisa. Zusätzlich bieten wir diverse Dienstleistungen rund ums Visum an: Einladungen, Registrierungen, Versicherungen etc.

Wo wollen Sie langfristig mit Viselio hin?

Um unsere Expertise unter Beweis zu stellen haben wir uns zum Start auf Länder fokussiert, bei denen der Visa-Prozess besonders zeitintensiv und unübersichtlich ist – alleine für Indien gibt es beispielsweise 20 verschiedene Visa-Typen. Wir können unsere Technologie aber grundsätzlich auf jede Destination und jedes Ursprungsland anpassen und wollen noch dieses Jahr sowohl bei den Ursprungsländern als auch bei den Destinationen expandieren. Unsere Vision ist es, den Visa-Prozess so weit zu digitalisieren und zu vereinfachen, dass er keine Hürde mehr darstellt. Uns schwebt vor, künftig noch enger mit Reisebüros und Online-Anbietern zu kooperieren, damit der Visaprozess im Idealfall sogar in den Buchungsprozess integriert werden kann und sich der Kunde gar nicht mehr mit dem Thema beschäftigen muss.

Was ist die grösste Herausforderung auf dem Weg dahin?

Die komplizierten Visaprozesse zu recherchieren, jeden Spezialfall in Betracht zu ziehen und eine Lösung für den Kunden bereitzuhaben, damit die Automatisierung funktioniert.

Der Gesprächspartner:
Der 22-jährige Niklas Zeller ist gebürtiger Zürcher und Mitgründer sowie CEO von Viselio. Berufserfahrung: SR Technics Group, Cargologic Ltd. Ausbildung: College of Commerce (HMS+), Kantonsschule Enge Zürich

Das Unternehmen:
Viselio ist ein aufstrebendes Schweizer Start-up-Unternehmen in der Reisebranche mit Firmensitz in Bern sowie Niederlassungen in Berlin, Belgrad und Wien. Der digitale Visadienst bietet die schnelle und kostengünstige Beschaffung von Visa für die Länder Russland, China, Indien und Vietnam an. Weitere Länder folgen in Kürze. Viselio beschäftigt derzeit insgesamt 33 Mitarbeiter. Die Eröffnung einer Niederlassung in London und Paris ist für Mitte Oktober 2018 geplant. www.viselio.com

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