Rik Krieger, Co-Founder Sonect, im Interview

Rik Krieger
Rik Krieger, Co-Founder Sonect. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Krieger, Ende November die Partnerschaft mit Valora und deren über 900 k Kiosk-Standorten sowie den Press & Book-Shops, seit März die Zusammenarbeit mit Volg. Wie weit ist Sonect noch vom Ziel entfernt, die entferntesten Winkel des Landes mit seinen digitalen Geldautomaten zu erobern?

Rik Krieger: Dank der Partnerschaften mit Valora, Volg und zahlreichen kleineren Ketten und individuellen Shops, sind wir schon auf einem sehr guten Weg. Valora hat uns geholfen, in vielen Schweizer Städten Fuss zu fassen und mit Volg konnten wir unsere Präsenz in ländlichen Regionen stärken. Wir haben jetzt über 2200 Punkte, wir nennen diese „virtuelle“ Geldautomaten, an welchen man als Sonect-Kunde Bargeld beziehen kann. Aber unser Ziel ist es selbstverständlich noch weiter zu wachsen und wirklich auch die kleinsten Dörfer mit unserer Lösung zu unterstützen.

Wie ist der Dienst bei den Volg-Kunden aufgenommen worden?

Das Feedback ist sehr positiv, weil die Partnerschaft einfach auch Sinn ergibt.  Volg ist vor allem in der Agglomeration und in Dörfern präsent und dadurch mit dem lokalen Ansatz optimal für uns. Viele Volg-Kunden schätzen unseren Service.

Irgendwie ist es ja seltsam. Mit Sonect beschafft man sich voll digitalisiert Bargeld. Ist Sonect das moderne Bollwerk gegen den Trend hin zum bargeldlosen Zahlen?

Auch heute noch benutzen viele Menschen Bargeld regelmässig. Wir sehen uns nicht als Bollwerk gegen das bargeldlose zahlen, wir wollen eine Alternative bieten für die Menschen, welche auch heute Bargeld nutzen wollen oder müssen – nicht überall kann man digital bezahlen. Wir sind das Bindeglied zwischen der heutigen Welt, in der Bargeld noch immer dominant ist, und der Zukunft in der man digital in oder mit einer App bezahlen kann.

„Wir haben jetzt über 2200 Punkte, wir nennen diese „virtuelle“ Geldautomaten, an welchen man als Sonect-Kunde Bargeld beziehen kann.“
Rik Krieger, Co-Founder Sonect

Für private Nutzer wie auch die Shops ist Sonect kostenlos. Wie verdient Sonect Geld?

Für Endnutzer ist Sonect komplett kostenlos. Shops können mit Sonect sogar Geld verdienen, das ist einer der primären Vorteile von Sonect gegenüber klassischen Kartenterminals. Wir von Sonect verdienen Geld, wenn ein Kunde Bargeld bezieht über ein Konto von einer unserer Partnerbanken. Die Partnerbank entrichtet an uns eine Gebühr, diese teilen wir dann mit dem Shop, bei welchem Bargeld bezogen wurde.

Wenn ich Sonect nutzen will, muss ich ein Konto bei Postfinance oder der Hypo Lenzburg haben oder mein Kreditkartenkonto hinterlegen. Mit welchen Argumenten überzeugen Sie weitere Banken von Sonect?

Banken müssen Gebühren entrichten, wenn ein Kunde an einem Geldautomaten einer anderen Bank Bargeld bezieht. Die Gebühren mit Sonect sind substantiell tiefer, und bieten Banken somit die Möglichkeit, ohne grosse Investitionskosten ihr Geldautomatennetzwerk drastisch zu erweitern. Ausserdem ist Bargeld für viele Kunden immer noch ein wichtiges Zahlungsmittel und daher ist es für Banken wichtig, auch diesen Kunden attraktive Alternativen zu bieten.

Und deren Reaktionen sind?

Wir haben sehr gute und auch schon sehr fortgeschrittene Gespräche mit einigen führenden Banken aus der Schweiz und dem Ausland. Wir dürfen zwar noch nichts verkünden, aber wir sind sehr positiv.

Wie sieht es denn mit Ihren Plänen für eine Expansion ins Ausland aus?

Wir arbeiten konkret an der Expansion in das europäische Ausland und haben am 29. April die notwendige Lizenz der EU erhalten. Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden bald aus der Schweiz in die Ferien fliegen und am Strand in Portugal mit Sonect Bargeld beziehen können.

„Wir haben sehr gute und auch schon sehr fortgeschrittene Gespräche mit einigen führenden Banken aus der Schweiz und dem Ausland.“

Wie wichtig ist die im September letzten Jahres erfolgte Anbindung an den Temenos MarketPlace?

Temenos ist für uns wichtig, weil die technische Integration in ein Bankenumfeld immer eine gewisse Herausforderung ist. Daher sind für uns die Integrationen in Kernbankensysteme sehr wichtig. Diese ermöglichen mehr oder weniger eine Plug-and-Play Lösung für Banken und machen natürlich die Gespräche mit Partnerbanken erheblich einfacher, wenn die technische Integration ohne grossen Aufwand passieren kann. Wir arbeiten ebenso mit weiteren führenden Anbietern wie FIS, Finastra und DXC Technologies zusammen.

Sonect ist bald zwei Jahre am Markt und Sie haben bereits viel erreicht. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie und wie sehen die nächsten Schritte von Sonect aus?

Wir sind innerhalb von 18 Monaten zum grössten Anbieter für Bargeldbezugspunkte in der Schweiz gewachsen. Darauf sind wir stolz, gleichzeitig ist das für uns aber auch Ansporn, uns noch weiter zu entwickeln. Die nächsten Schritte sind die Expansion nach Europa und die Integration mit mehreren Partnerbanken, um so vielen Menschen wie möglich den Zugang zu Bargeld zu vereinfachen.

Sie sind auch Mitbegründer von hauskrieg, einer Agentur, die sich auf die Produktion und Veranstaltung von Stand-up Comedy Shows spezialisiert hat. Hilft ein ausgeprägter Humor und eine grosse Liebe zur Situationskomik auch beim Aufbau eines Startups?

Absolut! Humor ist ein zentrales Element in meinem Leben. Es gibt zu viel gute Situationskomik um diese auszulassen und dazu gehört auch, über sich selber zu lachen. So öffnet man seinen eigenen Geist, um bei der Suche einer Lösung neue Aspekte zu berücksichtigen. Vor allem hilft einem die gute Laune dabei positiv zu bleiben, schliesslich geht es nicht nur um mich, sondern um ein angenehmes Arbeitsumfeld für das gesamte Team.

Herr Krieger, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Rik Krieger ist Mitgründer des Schweizer FinTech Unternehmens SONECT. Nach seinem Bachelor in St. Gallen begann er seine Karriere in der Geschäftsentwicklung bei Gate Group International, wo er für verschiedene Fluggesellschaften weltweit tätig war. In den folgenden Jahren sammelte er umfangreiche Erfahrungen im Marketing bei verschiedenen Unternehmen im FMCG Bereich. Nach der Gründung einer Comedy-Produktionsfirma schloss er im März den Executive MBA an der Universität Zürich erfolgreich ab.

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