Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose, im Interview

Walter Oberhänsli
Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose Group. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Oberhänsli, Zur Rose ist vor allem dank Akquisitionen auch im vergangenen Jahr sehr stark gewachsen. Der Nettoumsatz stieg um 20,8% auf über 1,2 Mrd Franken. Welchen Anteil daran hat das Schweizer Geschäft?

Walter Oberhänsli: Anteilsmässig am Gesamtumsatz macht das Schweizer Geschäft 44 Prozent aus. Trotz der staatlich verordneten Preissenkungen konnten wir in unserem Heimmarkt um 5.4 Prozent zulegen und unsere Marktanteile erhöhen.

In Deutschland ist Zur Rose Marktführer, 2018 kamen die Versandapotheken Apo-Rot und Medpex dazu. Welchen Marktanteil erreicht Zur Rose mittlerweile im deutschen Markt?

Im wichtigen Kernmarkt Deutschland konnten wir unseren Marktanteil im Arzneimittelversand aufgrund der Akquisitionen von 18 Prozent auf 31 Prozent erhöhen – dies bei gleichzeitiger Zunahme der aktiven Kundenzahl auf knapp sechs Millionen.

Was macht Deutschland abgesehen vom grossen Volumen zu einem so interessanten Markt?

Zwei Aspekte sind hier massgebend: Einerseits ist Deutschland mit einem Volumen von 44 Milliarden Euro Europas grösster Medikamentenmarkt und andererseits ist der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel erlaubt, wobei die Online-Durchdringungsrate in diesem Geschäftsbereich mit 1 bis 2 Prozent noch tief ist. Das Online-Potenzial liegt also auf der Hand. Es wird sich noch verstärken, wenn das elektronische Rezept in Deutschland eingeführt wird. Ende Januar hat das Bundeskabinett in Deutschland konkrete Vorgaben zur Umsetzung bis 2020 beschlossen.

Mit PromoFarma wurde 2018 auch der grösste spanische Marktplatz-Plattformbetreiber übernommen, der seinerseits mit seinem grenzüberschreitenden E-Commerce-Geschäft über 30 Länder in Europa beliefert. Welche Bedeutung hat PromoFarma im Rahmen der Expansionsstrategie?

Mit der Markplatz-Plattform von PromoFarma erweitern wir unser Geschäftsmodell und treiben die internationale Expansion durch die Aufnahme neuer Partner in anderen Ländern voran. Zunächst fokussieren wir uns auf die Länder Frankreich und Italien. Im Weiteren nutzen wir das grosse Technologie-Know-how von PromoFarma für den Aufbau eines Gesundheits-Ökosystems. Unsere Vision ist es, über eine Plattform verschiedene Gesundheitsdienstleistungen – auch von Dritten – anzubieten.

„Mit der Markplatz-Plattform von PromoFarma erweitern wir unser Geschäftsmodell und treiben die internationale Expansion durch die Aufnahme neuer Partner in anderen Ländern voran.“
Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose

Amazon ist im vergangenen Jahr in den USA in den Online-Apothekenmarkt eingestiegen und Experten gehen davon aus, dass Europa und insbesondere Deutschland der nächste Zielmarkt sein wird. Was bedeutet das für Zur Rose?

Mit unseren etablierten Marken, wie DocMorris und Zur Rose, haben wir uns über die Jahre einen festen Platz in der Branche geschaffen. Dazu kommen die Diversifizierung unseres Geschäfts mit dem Marktplatzmodell, knapp sechs Millionen aktive Kundinnen und Kunden und ein immenses Know-how. Wir sind für Wettbewerb – mit Amazon oder anderen Marktteilnehmern – gut aufgestellt.

Und wenn Zur Rose selber ins Visier von Amazon gerät?

Darüber zu spekulieren, ob wir ein attraktives Ziel wären, ist wenig sinnvoll und steht im Übrigen in der Macht der Aktionäre.

Zur Rose akquiriert im grossen Stil, für 2019 wird bereits ein Umsatz von 1,6 Mrd Franken erwartet. Mit welchen organischen Wachstumsraten ist in den Jahren ab 2020 zu rechnen?

Auf Gruppenstufe rechnen wir mit jährlichen organischen Wachstumsraten von über 10 Prozent.

Wie fordernd ist der Integrationsprozess angesichts des schnellen Wachstums?

Der Integrationsprozess steht aktuell zuvorderst, zumal wir auch möglichst rasch Skaleneffekte realisieren und Synergien heben möchten. Angesichts des hohen akquisitorischen Wachstumstempos der letzten 15 Monate gibt es viele Integrationsaufgaben, die es zu stemmen gilt und ressourcenintensiv sind. Das ist auch ein Balanceakt: Man kann nicht alles gleichzeitig – wir sind aber auf gutem Weg. Anfang November haben wir die Versandaktivitäten von apo-rot in Heerlen erfolgreich integriert. Dort wird derzeit die Logistik durch einen angrenzenden Neubau erweitert. Nach Inbetriebnahme der neuen Anlage 2021 werden wir die Logistikaktivitäten der übrigen akquirierten Unternehmen sukzessive in Heerlen bündeln.

„Man kann nicht alles gleichzeitig – wir sind aber auf gutem Weg.“

Im November ist am Hauptsitz der Migros am Limmatplatz in Zürich die dritte Shop-in-Shop-Apotheke von Zur Rose eröffnet worden. Wie läuft es in den Filialen in Bern und Basel?

Wir sind insgesamt sehr zufrieden. Die Umsatzzahlen sind erfreulich, und das Angebot stösst damit auf eine hohe Nachfrage. Auch in Zürich wird das innovative Format bereits sehr gut aufgenommen. Die Möglichkeit des kanalübergreifenden Einkaufens – Produkte können online bestellt, in der Apotheke abgeholt oder nach Hause geliefert werden – entsprechen offensichtlich einem hohen Bedürfnis. Ausserdem können die Kunden den Einkauf in der Migros bequem mit dem Gang zur Apotheke verbinden und Cumulus-Punkte sammeln.

Wie sehen aktuell die weiteren Ausbaupläne mit dem Shop-in-Shop-Konzept aus?

Angesichts der positiven Resonanz auf das Format werden wir in Absprache mit Migros weitere Shop-in-Shop-Apotheken eröffnen, dies vornehmlich in Gegenden ohne ärztliche Medikamentenabgabe, zum Beispiel in der Romandie.

Herr Oberhänsli, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
1958, Schweizer, lic. iur., Rechtsanwalt

Von 1996 bis 2011 Präsident des Verwaltungsrats, seit 2005 Delegierter des Verwaltungsrats und Vorsitzender der Gruppenleitung (CEO). Bis Ende 2004 selbstständiger Rechtsanwalt in Kreuzlingen (TG). Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich.

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