BDO: KI-Adoption – Die Kluft zwischen Grossunternehmen und KMU wächst

Thomas Studhalter, CEO BDO Schweiz (Bild: BDO, Moneycab)

Olten – Die Schweiz gehört zu den führenden Standorten für KI-Entwicklung. In der Unternehmenslandschaft zeigt sich bei der Nutzung ein ambivalentes Bild: Während Grossunternehmen künstliche Intelligenz bereits in ihre Wertschöpfung integriert haben, bleiben viele KMU bei einzelnen Anwendungen stehen. Damit wächst die KI-Kluft, was Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort Schweiz haben könnte.

Das zeigt der neue «Point of View – AI-Toolkit: Switzerland Snapshot», für den BDO nationale und internationale Studien ausgewertet hat. Die Analyse zeigt: Der Schritt von einzelnen Anwendungen hin zu einer unternehmensweiten und dauerhaft verankerten Nutzung gelingt bislang nur einem Teil der Firmen – wobei sich Unterschiede zwischen grossen Unternehmen und KMU zeigen.

Während beispielsweise Adecco die Produktivität im Recruiting um 63 Prozent steigert, ABB in einzelnen Bereichen Kostenreduktionen von bis zu 35 Prozent realisiert hat, bleiben KMU oft in der Pilotphase stecken.

«KMU verfügen nicht über die personellen und finanziellen Ressourcen, um im grossen Stil eigene KI-Kompetenzen aufzubauen. Vielerorts fehlt zudem eine qualitativ gute Datenbasis oder schlicht die Zeit, um neue Lösungen systematisch zu testen. Hinzu kommen Unsicherheiten in Bezug auf Datenschutz und den konkreten wirtschaftlichen Nutzen», sagt Thomas Studhalter, CEO von BDO.

Eine wachsende Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Schweiz
Die aufgehende KI-Kluft zwischen KMU und Grossunternehmen hat nicht nur Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen, sondern auch auf den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Thomas Studhalter sagt: «Wenn primär Konzerne KI-Kompetenzen und -Infrastrukturen aufbauen, verlagert sich ein Grossteil der datengetriebenen Innovation in wenige, kapitalkräftige Player. Das schwächt das klassische Schweizer Modell, in dem spezialisierte KMU wichtige Innovationsträger im Maschinenbau, in Nischenindustrien und im Dienstleistungssektor sind.»

Schweiz hat eine der höchsten Dichten an KI-Talenten in Europa
An guten Voraussetzungen mangelt es hierzulande nicht, im Gegenteil. Im europäischen Vergleich weist die Schweiz eine der höchsten Dichten an KI-Spezialistinnen und -Spezialisten pro Kopf auf. Hochschulen, Forschungsinstitute und Technologieunternehmen gehören in vielen Bereichen zur internationalen Spitze.

Die Herausforderung liegt also weniger in der Verfügbarkeit von Talent als vielmehr darin, dieses Wissen wirtschaftlich zu nutzen.

«Ein Teil der Talente konzentriert sich auf Forschungseinrichtungen, Technologieunternehmen und grosse Konzerne. Gleichzeitig können, grosse Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte oft attraktivere Rahmenbedingungen bieten. Beides macht es für KMU schwieriger, auf das nötige KI-Know-how zuzugreifen», so Thomas Studhalter.

Wie KMU den Anschluss finden können
BDO ist überzeugt: Der Weg zu einer erfolgreichen KI-Nutzung beginnt nicht mit grossen Investitionen, sondern mit klaren Prioritäten. Statt möglichst viele Pilotprojekte gleichzeitig zu lancieren, sollten KMU wenige konkrete Anwendungsfälle mit messbarem Nutzen auswählen und konsequent umsetzen. Ausserdem ist entscheidend, dass KI nicht einfach als IT-Thema betrachtet wird, sondern als strategische Aufgabe der Geschäftsleitung. (BDO/mc/pg)

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