Bühler: Wie man die Berufslehre mobilisiert

Klassenzimmer ClassUnlimited 2.0. (Foto: Bühler)

Uzwil – Bühler-Lernende verbringen heute während ihrer Berufslehrzeit mehrere Monate im Ausland. Möglich ist dieser längere Auslandeinsatz durch das Fernunterrichtskonzept ClassUnlimited™, das 2012 von Bühler und dem Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil (BZWU) ins Leben gerufen wurde. Nach drei Jahren präsentieren die beiden Partner eine Weiterentwicklung des grössten Klassenzimmers der Welt. „Wir haben ein neues didaktisches Konzept entwickelt, das die Vorteile des klassischen Schulunterrichts mit den Möglichkeiten der digital aufbereiteten Medien verbindet“, sagt Felix Tschirky, Prorektor BZWU. „Entstanden ist eine einzigartige Form des dezentralen Lernens, die das Unterrichten über mehere Kontinente ermöglicht und der Berufslehre zur gewünschten internationalen Mobilität verhilft“, ergänzt Andreas Bischof, Leiter der Berufsbildung bei Bühler.

Insgesamt 15 Bühler-Lernende der Lehrberufe Polymechaniker, Anlagen- und Apparatebauer, Automatiker und Konstrukteure arbeiten dieses Jahr für zwei bis sechs Monate in China, den USA, Südafrika oder England. „Neben dem Fachwissen lernen sie Sprache und Kultur des Gastlandes kennen und sammeln erste Erfahrungen, wie man sich in einem internationalen Umfeld bewegt“, sagt Bischof.

Dem Berufsfachschuluntericht werden die Lernenden im Ausland jeweils live via High-Tech-Endgeräte zugeschaltet. Die Stammklasse in Uzwil sitzt in einer mit modernster Technologie ausgerüsteten Lernarena. Felix Tschirky, Prorektor BZWU: „Wir haben das Klassenzimmer architektonisch an die Bedürfnisse dieser neuen Lernkonstellation angepasst. Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, jeweils zwei Satellitengruppen gleichzeitig zuzuschalten und die Lernenden in verschiedenen Gruppenkonstellationen interagieren zu lassen.“ Neben den architektonischen und technischen Weiterentwicklungen drängte sich auch ein neues didaktisches Konzept auf. „Man kann nicht einen ganzen Schultag lang virtuell präsent sein. Wir waren gefordert, die Lehrstoffvermittlung zu überdenken“, erklät Tschirky.

Zuhause gelernt, in der Schule vertieft
Das Selbststudium nimmt im neuen Konzept eine zentrale Rolle ein. So eignen sich die Schüler das Basiswissen selbst an, angeleitet durch ein Learning Management System und mit Betreuung durch Lehrpersonen und ausgebildete Instruktoren vor Ort. Selbsterlentes wird danach im Klassenunterricht vertieft. Es resultiert eine Verlagerung von einem mehrheitlich lehrerzentrierten zu einem mehrheitlich selbstgesteuerten, individuellen Lernen, wobei die Interaktivität während dem Unterricht noch stärker in den Vordergrund rückt.

Die Lehrpersonen sind eigens für das Programm geschult worden, sowohl didaktisch, wie auch in Bezug auf den Umgang mit neuen Medien. „Das selbstgesteuerte und kompetenzbasierte Lernen wird auch in anderen Klassen Einzug halten“, sagt Marco Frauchiger, Rektor am BZWU. „Moderne, effiziente und kompetenzorientierte Lernstrukturen werden am BZWU seit einiger Zeit aktiv umgesetzt. ClassUnlimitedTM 2.0 nutzen wir als Forschungsprojekt für die ganze Schule und zeigen damit auch auf, dass der rasche technologische Wandel für die Bildungsbranche eine riesen Chance mit vielen neuen Möglichkeiten darstellt.“

Langfristiges Fachkräftekonzept
Eine fundierte Berufsbildung ist ein stragegischer Erfolgsfaktor für Bühler. Dabei sind Auslandeinsätze Teil des langfristigen Fachkräftekonzepts des Unternehmens. Christof Oswald, Head of HR bei Bühler: „Wir sind ein globales Unternehmen. Wir brauchen global denkende und agierende Mitarbeitende. Mit ClassUnlimitedTM 2.0 können wir unsere Berufsbildung noch attraktiver machen und die Bildungsqualität weiter steigern.“

Bühler bildet in der Schweiz rund 300 Lernende aus. Rund drei Viertel der Lehrabgänger setzen ihre Berufskarriere bei Bühler fort. 2015 feiert das Unternehmen 100 Jahre Bühler Berufsbildung. (Bühler/mc/ps)

https://youtu.be/nFN3ZZe92bQ

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