Die Küche im Kontext von Politik und Wirtschaft

3. Kongress der CH-Küchenbranche

Zählt nur noch der Preis? Gewichtige Profis aus der Branche stellen sich der Fragen aus dem Publikum.Ùv.l.n.r: Eugen Huber, MIELE AG, Roland Vogt, Mundart Küchen, Stephan Klapproth, Moderation, Thomas Wiesmann, Verbands-Präsident, Martin Estermann, Küchenatelier. (obs/Küchen-Verband Schweiz KVS»)

Baden – Zum 3. Mal lud der Küchen-Verband Schweiz, KVS, seine Mitglieder zum Kongress der Küchenbranche in die Trafo-Halle nach Baden ein. An die 300 Küchenplanerinnen, Unternehmer, Designer, Geräteherstellerinnen und Handwerker aus der ganzen Schweiz waren der Einladung in grosser Zahl gefolgt. Die hochkarätigen Referenten zeigten ihrer Hörerschaft ihre Sicht zu den Themen, welche die Branche zurzeit am meisten beschäftigt: Schweizer Franken, Preiszerfall, Preisdumping und: Wie man sich im momentanen wirtschaftlichen Umfeld besser behaupten kann.

Verbands-Präsident Thomas Wiesmann eröffnete das Spiel und übergab den Ball sofort TV-Moderator Stephan Klapproth, welcher – versiert und gewitzt wie immer – für einen durch und durch spannenden Spielablauf ohne Fouls besorgt war. Publizist und einschlägiger Wirtschaftskommentator Beat Kappeler machte den Auftakt: «Gibt es einen Ausweg?» fragte Kappeler und zeichnete kurz auf, was neu ist, an der derzeitigen Krise: «Diesmal sind Deutschland und Österreich im anderen Lager, im Lager der schwachen Währungen. Die Schweizer Volkswirtschaft werde deshalb viel stärker gefordert, weil ihre direkten Konkurrenten und Kunden das Lager gewechselt hätten: «Sie liefern billiger und sie wollen nicht zu hohen Preisen einkaufen. »

«Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst»
«Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst», zitierte Kappeler den Satiriker Karl Kraus. Vielleicht sei die kurzfristige Wahrnehmung schlimmer, als die langfristige Aussicht. Beat Kappeler plädierte dafür, sich mit typisch schweizerischen Tugenden zu behelfen: Kurzfristig seien sie eine Last, langfristig aber die Rettung: Innovation und hohe Qualität: «Begleitende Dienstleistungen und eine rasche Präsenz bei Reparaturen. Ein Monteur innert zwei Stunden vor Ort ist besser als ein Call-Center in Deutschland oder Indien, wenn die Küche raucht oder tropft…» Unter dem Nenner: Wenn es Schweizer KMU schaffen, die nächsten 2-3 Jahre mit Innovationen, Rationalisierungen und knappen Margen, sich besser zu verkaufen, dann sei die Krise zu überstehen.

Mehr selbstbewusstes Auftreten und mehr «Hard-Selling»
Zum Stand der Schweizer Küchenbranche im europäischen Kontext sprach der Geschäftsleiter von allmilmö-Küchen Michael Gieseck. Gieseck, der in der Schweiz lebt und in Deutschland arbeitet, zeigte dem Publikum auf, was die Schweiz von Deutschland unterscheidet. Deutschland sei der Weltmeister in der Küchenmöbelproduktion, produziere am Tag 15’000 Küchen. Deutschland sei ein Riese, ein Goliath, dies sei so. Aber sonst? Auch Deutschen kochten in der Möbelproduktion nur mit Wasser. Gieseck hält seinen Kollegen und Kolleginnen vor, dass sie auf dem Weltmarkt kaum anzutreffen seien: «Wenn wir um ein Objekt kämpfen, in Shanghai, New York oder Berlin, sitzen immer nur deutsche Kollegen mit am Tisch und ein paar wenige italienische Hersteller». Keine Schweizer. Michael Gieseck verordnete seiner Branche mehr selbstbewusstes Auftreten und mehr «Hard-Selling». Schweizer müssten etwas schneller und eine Spur bissiger werden im Verkauf.

Mit Kunden wirklich in einen Dialog treten
Claudia Acklin, Leiterin Design Management, Luzern, sprach zum Thema Produktedesign und zeigte auf, dass Produktedesign weit mehr ist, als lediglich das Design des eigenen Produktes und zeichnete mögliche Strategien für den Mehrwert von Design auf, wie man zum Beispiel Produktionskosten senken könne, mit dem richtigen Produktedesign. Acklin plädierte für Menschen zentriertes Design als Strategie: «Design sollte immer vom Menschen ausgehen, nicht vom Kunden, nicht vom Produkt.» Was bedeute, dass man mit dem Kunden wirklich in einen Dialog treten müsse. Entscheidend sei, was man in schwierigen Momenten dem Kunden bieten könne: «Moments of truth», diese Momente der Wahrheit seien grad in schwierigen Zeiten matchentscheidend.

Schweizer agieren zu bescheiden
Anschliessend stellten sich vier gewichtige Insider der Branche unter der Leitung von Stephan Klapproth den Fragen des Publikums. Martin Estermann vom Küchenatelier Luzern, Eugen Huber, Mitglied der Geschäftsleitung von Miele, Spreitenbach, Roland Vogt, Mitglied der Geschäftsleitung Mundart Küchen, Wettingen und KVS-Präsident und Geschäftsleiter von Wiesmann Küchen diskutierten und beantworteten die Fragen, die das Publikum via Handy in die Runde schickte. Fragen, die aufzeigten, wo der Schuh drückt: Preiszerfall und die grosse Konkurrenz aus Deutschland. – Zusammengefasst ergab die Diskussion, dass Schweizer tatsächlich zu bescheiden agieren und sich mehr Selbstbewusstsein zulegen sollten. Dass es wenig sinnvoll ist, die Qualität der eigenen Produkte runterzuschrauben, um schneller agieren zu können.

«Innovation in 3 Strichen» zum Schluss
Verbandspräsident Thomas Wiesmann legte seinen Finger darauf, dass die Branche in Sachen Umbau einen grossen Vorteil habe. «Hier haben wir grosse Chancen vor dem Ausland, weil wir vor Ort sind. Für die ganzen Planungskonzepte kommen sie nicht in die Schweiz». Und auch Wiesmann plädierte für mehr Selbstbewusstsein bei der Preisgestaltung: «Wir gehen auch nicht in den Coop und sagen, ich kaufe schon, aber gehen Sie gefälligst mit dem Kilopreis runter». Das letzte Goal schossen die beiden Absolventen der weltweit innovativsten Managementausbildung, Kaospilot School in Dänemark. Der Geschäftsführer von guzo, Roman Tschäppeler und der Journalist Mikael Krogerus beendeten den geschäftlichen Teil des Kongresses mit ihrer witzigen Performance «Innovation in 3 Strichen».

Neue Wege
Der Kongress der Küchenbranche wurde initiiert, um seinen Mitgliedern mehr Zusammenhalt und eine moderne Kommunikationsplattform zu bieten. Der KVS geht nicht nur mit seinen Bilderbuchkongressen neue Wege. Unter der neuen Führung von KVS-Geschäftsleiter Andreas Hauri und Präsident Thomas Wiesmann hat sich dieser Verband gleich allen alten Verbandsstaub abgeklopft und sich eine zeitgemässere Gangart verschrieben. Eine Gangart, die offensichtlich gefällt: Die Mitgliederzahl ist innert der letzten drei Jahre um über 20% gestiegen. Und die Anmeldungen zu GV oder Kongress nehmen stetig zu: Der zweite Kongress hatte bereits 20% mehr Anmeldungen, der 3. Kongress nun konnte bereits 30% mehr verbuchen.

Innert dieser drei letzten Jahre hat sich der KVS zum wichtigen Gesprächspartner der ganzen Baubranche entwickelt. Vier Arbeitsgruppen setzen sich selbstverantwortlich mit Aus- und Weiterbildung, Kommunikation, Technik und Rahmenbedingungen auseinander und entwickeln Massnahmepläne, die nicht nur verabschiedet, sondern auch umgesetzt werden. (KVS/mc/ps)

Über den KVS
Der KVS ist der einzige unabhängige und nicht kommerzielle Branchenverband mit gesamtschweizerischer Ausrichtung. Vor 12 Jahren ist er aus der Fusion von zwei kleineren Verbänden hervorgegangen.

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