Feedback-Trend: Mitarbeiter beurteilen Kollegen

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Beurteilung: »360 Grad-Feedback» durch Mitarbeiter.

New York – In grossen Firmen wird es immer mehr zum Standard, dass Mitarbeiter ihre Kollegen beurteilen. Das sogenannte «360 Grad-Feedback» soll dem Unternehmen die Möglichkeit geben, die Kompetenzen und Leistungen der Mitarbeiter aus unterschiedlichen Perspektiven zu beurteilen. Die Unternehmen fürchten Missbrauch, sehen aber auch die Vorteile einer intensiveren Feedback-Kultur.

Feedback als Waffe
Eine Vielzahl von Firmen experimentiert mit Online-Tools, die es erlauben sollen, Beurteilungen von Mitarbeitern über ihre Kollegen – manchmal auch anonym – zu versenden, oft ohne Wissen des Kritisierten. Prominentes Beispiel in diesem Zusammenhang ist etwa der Online-Gigant Amazon. Dort wird das permanente Feedback-System oft auch als Waffe benutzt, um unliebsame Konkurrenten anzuschwärzen oder schwächere Performer loszuwerden. Auch wenn das Amazon-System, das stetiges Feedback der Mitarbeiter über ihre Kollegen vorsieht und somit ein Ausdruck einer starken Konkurrenzkultur ist, nicht gang und gebe ist, so ist das Peer-Feedback längst Alltag in den grossen Firmen geworden.

Viele Firmen zögern jedoch, ihren Angestellten uneingeschränkten Zugang zu den Feedback-Tools zu gewähren. Dabei fürchten sie, dass dies nur die Anzahl kleinlicher Beschwerden erhöht, aber keinen grösseren Mehrwert für das Unternehmen bringt. Auf diese Sorge haben die Anbieter von Online-Feedback-Tools aber mittlerweile reagiert. So gibt es etwa die Möglichkeit, ein System so zu konfigurieren, dass nur Feedback gegeben werden darf, falls ein Kollege oder Vorgesetzter dieses auch wünscht.

Mitarbeiter verlangen mehr Feedback
Angestellte und Manager von Hearsay Social, Produzent digitaler Marketingsoftware, verlassen sich auf halbjährliche 360 Grad-Feedbacks. Jedoch will der Gründer und Boss Steve Garrity in Zukunft auch kurze, wöchentliche Feedbacks einholen, um stetig darüber informiert zu sein, wie die Dinge bei seinen 175 Mitarbeitern stehen. Ein kontinuierliches Feedback à la Amazon schliesst er jedoch aus. «Ein solches System wäre zu anfällig für Missbrauch», so Garrity.

Dass Mitarbeiter sich nach Feedback sehnen, hat den Wirtschaftsprüfer PwC dazu veranlasst, eine App mit dem Namen Snapshot zu installieren, die den Angestellten die Möglichkeit gibt, kurze Feedbacks von deren Vorgesetzten einzuholen. Tim Ryan, Vizechef von PwC, vergleicht dabei das System mit Spitzensportlern. «Athleten bekommen jedes Mal Feedback, wenn sie durchs Ziel laufen oder den Court verlassen», so Ryan. Das Unternehmen will damit auch den Mitarbeitern helfen, sich in Echtzeit zu entwickeln und sich nicht nur auf die jährlichen Feedbacks zu verlassen. (pte/mc/ps)

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