Job-Barometer: Versicherungen überflügeln Banken

Humanresources

Zürich – Während die Grossbanken Stellenabbau ankündigen und massiv offenen Stellen streichen, kämpfen die Versicherungsunternehmen um Spezialisten. Erstmals weisen die Versicherungen mehr offene Jobs auf als die Banken. Die Unternehmen in den Bereichen Audit, Tax & Advisory verfügen weiterhin über viele offene Stellen. Gegenüber Jahresfrist hat sich die Anzahl offener Jobs im Finanzbereich von 4259 auf 3525 (minus 17 Prozent) vermindert, wie aus dem FENOM-Jobbarometer vom September 2011 hervorgeht.

Wer dachte, dass die Versicherungsgesellschaften in der Sommerpause bezüglich Stellenausschreibungen zurückfahren, wurde überrascht. Insbesondere wegen dem Zuwachs bei Rückversicherungen und weiter hohen Werten bei den Versicherungen sind total 1242 Stellen offen, was einem Plus von 1 Prozent gegenüber Ende Juni entspricht.

Versicherungen nach oben
Die Swiss RE ist auf flotter Fahrt und sucht in der Schweiz per Ende August 121 Stellen, was ein Plus gegenüber Ende Juni von 34 Stellen bedeutet und einem satten Zuwachs von 39 Prozent entspricht. Das Unternehmen, letztes Jahr gebeutelt durch Erdbeben- und Flutkatastrophen, weist dieses Jahr deutlich weniger Schadensfälle aus und wächst. «Die Marktbedingungen verbessern sich», erklärte das Unternehmen vor Medien in Zürich. Fachspezialisten aus dem Bereich Investment Management und Accounting sowie IT werden bei der Swiss Re derzeit in der Schweiz verstärkt benötigt.

AXA in voller Fahrt

In voller Fahrt ist die AXA mit 131 offenen Stellen. Gegenüber Ende Juli ist dies ein Plus von 17 Prozent bzw. gegenüber Ende Juni von 12 Prozent. Eigentlich haben wir erwartet, dass sich das Niveau wegen dem Kostensparprogramm «Ambition AXA» senkt. AXA-CEO Henri de Castries liess vor einigen Wochen verlauten, dass es noch nicht klar ist, ob es auch in der Schweiz zu einem Arbeitsplatzabbau von rund 10 Prozent kommen werde. Da AXA-Winterthur aber eine Ertragsperle des Konzerns ist,wird das Schreckenszenario «Abbau» die Schweiz wohl kaum treffen.

ZFS deutlich im Minus
Während AXA im Plus steht, ist Zurich Financial Services (ZFS) deutlich im Minus. Die Zurich reduziert auf 84 Stellen, was ein Minus von 26 Prozent alleine im August bedeutet. Die Zurich legte einen blendenden Halbjahresausweis vor. Stellt sich die Frage: Sieht man bei der Zurich düstere Wolken aufziehen und reduziert deshalb Stellen oder hat man durch den Sommer viele offene Stellen erfolgreich besetzt? Die Reduktion erfolgt primär im Kernbereich Versicherung. CEO Martin Senn hat erklärt, dass die Zurich für künftiges profitables Gewinnwachstum in den aufstrebenden wie auch in den reifen Märkten gut positioniert sei. Mittelfristig wird die Zurich also auch wieder stärker im Kampf um die Besten mitspielen.

Minus 40 Prozent bei Banken
Bei den beiden Schweizer Stellen-Schwergewichten UBS (179 Stellen) und Credit Suisse (80 Stellen) sind die bereits kommunizierten Massnahmen zu spüren. Gegenüber Ende letzten Monats sind bei der UBS nochmals minus 33 Prozent und bei CS minus 72 Prozent Stellen weniger ausgeschrieben. Bei der UBS scheint aufgrund der geringeren Reduktion im August die Talsohle aber erreicht – bei der Credit Suisse ist der Trend noch abwärts. Total sind 1046 Bankstellen offen bzw. minus 41 Prozent seit Ende Juni.

Jobverlagerung West nach Ost?

Auch im negativen Fahrwasser befinden sich die führenden Auslandsbanken und Privatbanken aus der Westschweiz.HSBC (28) und J.P. Morgen (25) haben gegenüber Ende Juni ein Minus von 47 bzw. 38 Prozent an offenen Stellen. HSBC-Chef Stuart Gulliver hat ein grosses Kostenproblem eingeräumt. 30’000 Jobs fallen den Sparplänen bei HSBC weltweit zum Opfer.

Können die Retailbanken davon profitieren?

Der Bedarf ist gross! Die Postfinance (31) ist auf Wachstumskurs undwill noch bis Ende Jahr 50 weitere Arbeitsplätze, vor allem im regionalen Vertrieb, schaffen. Die Raiffeisenbanken (106) haben dank deutlichen Volumensteigerungen bei der Hypothekenvergabe und bei den Kundenvermögen ihren Gewinn im ersten Halbjahr gesteigert. Auch Migros Bank (27) und ZKB (81)haben weiter substantiellen Bedarf.Einzig das VZ Vermögenszentrum (30) hat massiv reduziert. Minus 28 offene Stellen seit Ende Juni. Dies geht einher mit der Ankündigung, dass die Prognose für das Ertragswachstum aufgrund des turbulenten Marktumfeldes für das zweite Halbjahr substantiell nach untenreduziert wurde.

Audit, Tax & Advisory
Die Big-4 (Ernst & Young, PwC, KPMG, Deloitte) im Beratungsgeschäft starten auf gehaltenem Niveau in das letzte Trimester 2011. PwC (83) hat gegenüber Ende Juni offene Stellen reduziert (minus 30 Prozent). Mehr Dynamik besteht bei Ernst & Young (113). In den kommenden Monaten werden die Big-4 ihre Stellenpublikationen aber wiedersteigern. Man hat grossen Bedarf (siehe Job-Barometer 08 – «Im Aufwind: Beraterbranche baut stark aus»). (Fenom/mc/ps)

Der nächste FENOM-Jobbarometer erscheint Anfang Oktober 2011.

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