Meret Schneider: Worte zum Galgotag

Meret Schneider, Nationalrätin, Grüne Schweiz. (Bild: parlament.ch)

Der 31. Januar 2026 war für mich gleichzeitig ein sehr schöner, aber auch ein sehr trauriger Tag. Am 1. Februar ist Weltgalgotag, der ins Leben gerufen wurde, um auf das Leiden der tausenden Galgos, der spanischen Windhunde, aufmerksam zu machen. Dieses Leiden erreicht Ende der Jagdsaison im Januar seinen traurigen Höhepunkt, wenn für die Galgos nicht nur die Jagdsaison, sondern für viele auch ihr Leben endet. Die Galgueros nehmen nämlich nur Hunde mit in die nächste Saison, von denen sie sich gute Leistungen versprechen oder die sie für die Zucht verwenden wollen; Tiere, die den Anforderungen der Jäger nicht mehr genügen, werden aussortiert – oft brutal und grausam.

Nur ein kleiner Teil hat das Glück, von Tierschutzorganisationen aufgenommen und später vermittelt zu werden.

Manchmal denke ich, der Tierschutz weltweit befinde sich auf dem Vormarsch: Haltungsbedingungen von Nutztieren werden verbessert, Qualzuchten in immer mehr Ländern verboten und auch die Schweiz hat mit dem 2025 beschlossenen Importverbot von tierquälerisch erzeugten Pelzprodukten einen wichtigen Schritt in Richtung Tierschutz gemacht. Manchmal denke ich, es geht doch voran, langsam, aber kontinuierlich. Sogar in Spanien.

So wurden in Spanien bei der Revision des Tierschutzgesetzes, das seit 2023/2024 in Kraft ist, Tiere von Sachen zu fühlenden Lebewesen aufgewertet und die Strafen für Misshandlungen wurden verschärft. Ziel dieses Gesetzes ist es, auf dem gesamten spanischen Staatsgebiet eine grundlegende rechtliche Regelung für den Schutz, die Gewährleistung der Rechte und das Wohlergehen von Haustieren und Wildtieren in Gefangenschaft zu schaffen. Art. 1, Ley 7/2023

Unter den Rechten der Tiere ist ihr Recht auf gute Behandlung, Respekt und Schutz zu verstehen, das ihnen als fühlenden Wesen innewohnt. Damit geht das spanische Tierschutzgesetz sogar weiter als das Schweizerische, da in der Schweiz zwar die Würde der Tiere in der Verfassung verankert ist, von Tierrechten ist aber nie die Rede – aus gutem Grund. Hätten Tiere Rechte, so dürften bei der Gewichtung ihrer Grundbedürfnisse keine Interessensabwägungen mehr vorgenommen werden, die es erlauben, beispielsweise in der Hühnerhaltung aus Gründen des wirtschaftlichen Profits ihre Bedürfnisse nach Auslauf und einem längeren Leben als 30 Tagen (bei Masthühnern) zu missachten. In Spanien wurden insbesondere für Hunde die Strafen für Misshandlungen stark verschärft. Eine gute Nachricht für die Galgos, könnte man meinen.

Aber mitnichten. Ausgenommen vom Anwendungsbereich des Tierschutzgesetzes sind Kampfstiere, Nutztiere, speziell gezüchtete Tiere, Wildtiere und Tiere, die für bestimmte Tätigkeiten eingesetzt werden (wie Hirtenhunde, Rettungshunde, Polizeihunde und Jagdhunde). Wie perfide Politik und Lobbyismus doch manchmal sein kann. Galgos gelten als Nutztiere und dürfen, wie das unsägliche Wort es schon anklingen lässt, genutzt, ja ausgenutzt werden, ganz offiziell. In Spanien gibt es schätzungsweise rund 170.000 Jäger, die fast eine halbe Million Galgos halten. Viele dieser Hunde verbringen ihr Leben angebunden, eingesperrt in dunklen Verschlägen, ohne ausreichend Futter, Wasser oder medizinische Versorgung. Trainingsmethoden, bei denen Hunde hinter Autos herlaufen müssen, sind keine Seltenheit. Besonders erschütternd sind immer wieder bekannt werdende Fälle von massenhafter Vernachlässigung. Im Sommer 2025 sorgte ein Fall aus Badajoz international für Entsetzen: 32 Galgos wurden in einer Halle angebunden zurückgelassen und starben qualvoll – einige Tiere ernährten sich zuletzt von den Kadavern ihrer Artgenossen. Solche Fälle sind leider keine Einzelfälle.

Darum braucht es den Galgotag und alle, die an diesem Tag für die gepeinigten Tiere demonstrieren, mehr denn je. Und damit komme ich zum schönen Teil des 31. Januars: Mehrere hundert Tierfreundinnen und Tierfreunde mit ihren Galgos nahmen am Galgowalk in Zürich teil – friedlich, ruhig und voller Entschlossenheit. Tierqual kennt keine Landesgrenzen und Tierschutz kennt keinen Ort. Tierschutz ist eine Haltung. Hunderte haben sich versammelt für die Rechte dieser misshandelten, fühlenden Lebewesen und machten auf die furchtbaren Praktiken für den Profit aufmerksam, wie sie in Spanien noch immer an der Tagesordnung sind. Wir können aus der Schweiz in Spanien keine Gesetze ändern, aber wir können Druck aufsetzen. Tierqual darf nicht länger unter dem Deckmantel der Tradition oder des kulturellen Erbes stattfinden – wir haben uns als Weltgemeinschaft schon von anderen tier- und menschenfeindlichen Traditionen und Praktiken verabschiedet, und dies aus gutem Grund. Das kam aber selten von jenen, die diese Praktiken ausgeübt hatten, historisch geschah dies zumeist durch Druck von aussen, durch öffentlichen Druck.

Am internationalen Galgotag haben über 80 Städte aus 26 Ländern teilgenommen, um genau diesen Druck auf Politikerinnen und Politiker, auf Lobbyistinnen und Lobbyisten auszuüben und auf diese systematische Tierqual aufmerksam zu machen. Sogenannte Nutztiere haben – auch in der Schweiz – in der Politik keine Stimme. Keine Lobbyisten – auch nicht im Bundeshaus – setzen sich für sie ein. Es ist an uns, ihnen diese Stimme zu verleihen und es machte mich von Herzen glücklich, dass so viele Menschen in der Kälte vor Ort waren, um dieser Stimme richtig Kraft zu verleihen und sie nicht verstummen zu lassen.


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