St. Gallen – Die Bedrohungen durch Cyberkriminelle wachsen ständig und werden immer ausgeklügelter. Unternehmen jeder Grösse stehen täglich vor der Herausforderung, ihre Systeme und Daten vor Angriffen zu schützen. Um sich diesen Risiken erfolgreich zu stellen, braucht es klare Strategien – ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) bietet hierfür die ideale Grundlage.
Eine der häufigsten Cybergefahren bleibt Phishing. Cyberkriminelle versenden täuschend echte E-Mails, um sensible Daten abzugreifen. Besonders gefährlich sind gezielte Angriffe (Spear-Phishing), die Mitarbeitende sehr individuell ansprechen und dadurch schwer erkennbar sind. Immer häufiger werden auch sogenannte Whaling-Attacken beobachtet, bei denen gezielt Führungskräfte adressiert werden, um erhebliche finanzielle Schäden zu verursachen.
Ebenfalls dramatisch zugenommen haben Ransomware-Angriffe, bei denen Unternehmensdaten verschlüsselt und gegen Lösegeldzahlungen freigegeben werden. Die Schäden sind enorm – sowohl finanziell als auch bezüglich des Reputationsverlusts. Ransomware wird mittlerweile häufig über automatisierte Attacken verteilt, was die Anzahl der betroffenen Unternehmen zusätzlich erhöht.
Schwachstelle Mensch…
Zudem wächst die Bedrohung durch Social Engineering stetig. Mitarbeitende werden durch raffinierte psychologische Tricks dazu gebracht, vertrauliche Informationen preiszugeben oder unerlaubte Zahlungen auszulösen. Cyberkriminelle nutzen dabei menschliche Schwächen aus, insbesondere Hilfsbereitschaft, Angst oder Respekt gegenüber Autoritäten.
… und Software
Des Weiteren sind Schwachstellen in Systemen und Software ein Einfallstor für Cyberkriminelle. Durch unzureichende Softwareupdates und mangelhaftes Patch-Management entstehen gravierende Sicherheitslücken, die immer häufiger ausgenutzt werden.
Weitere Cyberbedrohungen umfassen DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service), bei denen Unternehmenswebseiten oder wichtige Onlinedienste gezielt überlastet und somit lahmgelegt werden. Ebenfalls erwähnenswert sind Insiderbedrohungen, also Gefahren, die von Mitarbeitenden innerhalb des Unternehmens ausgehen, sei es absichtlich oder durch Fahrlässigkeit.
Die Bedeutung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS)
Ein ISMS ist eine strukturierte Herangehensweise, um Informationssicherheit in Unternehmen effektiv zu gewährleisten. Es umfasst eine Reihe von Prozessen und Massnahmen, die es ermöglichen, Risiken zu erkennen, zu analysieren und geeignete Gegenmassnahmen einzuleiten.
Zunächst erfolgt eine umfassende Risikoanalyse, bei der potenzielle Schwachstellen und Bedrohungen identifiziert und bewertet werden. Darauf aufbauend werden Massnahmen definiert, um die erkannten Risiken zu minimieren oder gänzlich zu eliminieren. Durch regelmässige Audits und Bewertungen wird sichergestellt, dass die Massnahmen wirksam bleiben und kontinuierlich verbessert werden.
Ein ISMS hilft nicht nur bei der Abwehr von Angriffen, sondern unterstützt Unternehmen auch dabei, regulatorische Anforderungen wie das schweizerische Datenschutzgesetz (DSG) oder die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einzuhalten. Das ISMS schafft Transparenz und klare Verantwortlichkeiten, was für eine effektive Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien unerlässlich ist.
Wie hilft ein ISMS, Cyberrisiken zu reduzieren?
Ein ISMS ermöglicht:
- Systematische Risikobewertung: Durch eine strukturierte Vorgehensweise werden Risiken systematisch identifiziert und bewertet.
- Gezielte Massnahmenplanung: Auf Basis der Risikoanalyse werden konkrete Sicherheitsmassnahmen entwickelt und implementiert.
- Proaktive Sicherheitsstrategie: Risiken werden nicht erst nach Auftreten von Vorfällen bearbeitet, sondern frühzeitig erkannt und präventiv minimiert.
- Bewusstseinsbildung und Schulungen: Mitarbeitende werden regelmässig sensibilisiert und geschult, um Bedrohungen besser erkennen und angemessen reagieren zu können.
- Kontinuierliche Verbesserung: Ein ISMS ist nicht statisch, sondern wird regelmässig überprüft und angepasst, damit es stets auf dem neuesten Stand bleibt.
Gerade für KMU, grosse Unternehmen und kritische Infrastrukturen wie Schweizer Gemeinden ist ein ISMS entscheidend. Während KMU von einer effizienten Ressourcennutzung profitieren, sind für grosse Unternehmen und kritische Infrastrukturen umfassende Sicherheitskonzepte unerlässlich, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und systemrelevante Funktionen sicherzustellen.
Praktische Umsetzung eines ISMS
Die Einführung eines ISMS erfolgt typischerweise in mehreren Phasen:
- Initiale Bestandsaufnahme: Analyse des aktuellen Sicherheitsniveaus, Identifikation vorhandener Massnahmen und Schwachstellen
- Risikoanalyse und Bewertung: Ermittlung relevanter Risiken und deren Bewertung hinsichtlich Eintrittswahrscheinlichkeit und potenziellen Schadens
- Definition von Sicherheitszielen und Massnahmen: Festlegung konkreter Sicherheitsziele sowie der dazu notwendigen Massnahmen
- Implementierung und Dokumentation: Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen und Dokumentation der Prozesse und Ergebnisse
- Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden: regelmässige Schulungen und Kommunikation zur Schaffung eines Sicherheitsbewusstseins
- Kontinuierliche Überwachung und Verbesserung: regelmässige Audits und Anpassungen zur kontinuierlichen Optimierung der Informationssicherheit
(OBT/mc/ps)
Fazit
Informationssicherheit ist heute kein Luxus, sondern geschäftliche Notwendigkeit. Ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) schafft Vertrauen bei Kunden sowie Partnern, verbessert die Sicherheit langfristig und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation. Darüber hinaus hilft ein ISMS bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen und vermeidet so rechtliche Risiken. Dadurch wird Informationssicherheit integraler Bestandteil einer verantwortungsvollen und nachhaltigen Unternehmensführung.
