St. Gallen – Die Tätigkeit eines Verwaltungsrats (VR) ist mitentscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Der VR ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung, die Überwachung der Geschäftsführung und die Sicherstellung der nachhaltigen Unternehmensentwicklung. Allerdings gibt es zahlreiche Herausforderungen, die eine effektive VR-Arbeit erschweren können. Besonders problematisch sind eine fehlende Leistungskultur innerhalb des Rats, die ungenügende zeitliche Verfügbarkeit der Mitglieder sowie eine fehlgeleitete Motivation für eine Mitwirkung im VR.
Auch im obersten Gremium ist eine leistungsorientierte Kultur essenziell für eine erfolgreiche Tätigkeit. Fehlt es im Verwaltungsrat (VR) an einer solchen Kultur, entstehen Probleme wie mangelnde Verantwortungsübernahme, unklare Entscheidungsprozesse und eine passive Haltung gegenüber Herausforderungen. Keine oder geringe Ambitionen können dazu führen, dass sich Mitglieder nicht aktiv in Diskussionen einbringen, Konflikte vermieden und strategische Entscheidungen unzureichend hinterfragt werden.
Ziele und Erwartungen an einen VR ansprechen
Um dem entgegenzuwirken, sollten klare Erwartungshaltungen definiert, Leistungsindikatoren eingeführt und regelmässige Evaluierungen der Verwaltungsratstätigkeit durchgeführt werden. Mögliche Instrumente dazu sind Leistungsbewertungen im Verwaltungsrat oder dessen Zertifizierung. Hilfreich ist auch die Diskussion über die eigentlichen Ziele der Verwaltungsratstätigkeit.
Was banal tönt, ist in der Praxis gar nicht so klar. Welche Ziele verfolgt ein Verwaltungsrat? Dabei sind nicht die strategischen und finanziellen Ziele des Unternehmens gemeint, sondern das, was der Verwaltungsrat ganz ursächlich erreichen will, z.B. Nachhaltigkeit, Unternehmenswertsteigerung, Existenzsicherung etc. Obwohl im Unternehmen meist eine jährliche Leistungsbeurteilung der Mitarbeitenden fest verankert ist und selbstverständlich über Ziele und Erwartungen gesprochen wird, fehlt diese Sichtweise im Verwaltungsrat in vielen Fällen komplett. Die Einführung solcher Instrumente bringt meist einen Kulturwandel mit sich. Letztlich braucht es einen hohen Ambitionslevel im Rat.
Ungenügende zeitliche Verfügbarkeit der VR-Mitglieder
Eine weitere wesentliche Herausforderung ist die unzureichende Verfügbarkeit der Verwaltungsratsmitglieder. Viele VR-Mitglieder sind beruflich stark eingebunden und können ihrer Verantwortung im Verwaltungsrat nur begrenzt nachkommen. Dies führt dazu, dass Sitzungen nicht ausreichend vorbereitet, strategische Themen nicht vertieft analysiert und wichtige Entscheidungen aufgeschoben werden. Um dem entgegenzuwirken, sollten Mitglieder realistische Zeitbudgets für ihre VR-Tätigkeit einplanen und sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Eine klare Regelung zur zeitlichen Verfügbarkeit und Mindestanforderungen an die Teilnahme an Sitzungen können hier Abhilfe schaffen. Diesem Punkt ist schon bei der Rekrutierung ein grosses Augenmerk zu schenken. Ein schlagkräftiger Verwaltungsrat zeichnet sich u.a. durch Schnelligkeit und Flexibilität aus. Dabei ist es wichtig, dass die Verfügbarkeit nicht nur während der meist lange im Voraus geplanten ordentlichen Sitzung gegeben ist, sondern vermehrt auch kurzfristig aufgrund von Opportunitäten, die sich für ein Unternehmen ergeben können. So kann oftmals nicht bis zur nächsten ordentlichen Sitzung zugewartet werden. Es braucht immer häufiger auch eine kurzfristige Verfügbarkeit.
Falsche Motivation für eine Mitwirkung im VR
Die Motivation zur Übernahme eines Verwaltungsratsmandats sollte in erster Linie im Interesse des Unternehmens und seiner nachhaltigen Entwicklung liegen. Oftmals treten jedoch Personen einem Verwaltungsrat bei, um ihr Netzwerk zu erweitern, gesellschaftliches Prestige zu erlangen oder finanzielle Vorteile zu sichern. Eine solche Motivation kann dazu führen, dass Mitglieder nicht mit dem notwendigen Engagement und der erforderlichen Ernsthaftigkeit an ihre Aufgaben herangehen. Die Auswahl neuer VR-Mitglieder sollte daher auf einer transparenten Basis erfolgen, wobei fachliche Qualifikation, strategisches Denken und die Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung im Mittelpunkt stehen sollten. (OBT/mc/ps)
Fazit
Eine effektive Verwaltungsratstätigkeit erfordert eine starke Leistungskultur, eine ausreichende zeitliche Verfügbarkeit der Mitglieder und eine klare, unternehmensorientierte Motivation. Unternehmen sollten sicherstellen, dass ihre Verwaltungsräte klare Erwartungen an ihre Mitglieder formulieren, regelmässige Leistungsbewertungen durchführen und nur Personen in den Verwaltungsrat berufen, die mit echter Leidenschaft und Kompetenz zur Unternehmensentwicklung beitragen. Nur so kann der Verwaltungsrat seine Rolle als strategisches Steuerungsorgan wirkungsvoll erfüllen. Im Umkehrschluss leidet die qualitative und zielorientierte Arbeit im VR massiv. Leidtragend ist das Unternehmen. Die Kernziele einer jeder VR-Tätigkeit können nicht oder nicht genügend erreicht werden. (OBT/mc/ps)
