Schweizer KMU wehren sich erfolgreich gegen den zunehmenden Protektionismus

Zürich – Die aktuellen Turbulenzen im Welthandel treffen auch Schweizer Export-KMU wegen ihrer starken Einbindung in internationale Wertschöpfungsketten. Im Rahmen der diesjährigen KMU-Studie wurden deshalb rund 560 Export-KMU zum Thema Protektionismus und Handelshemmnisse befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Schweizer Export-KMU bisher nur eine leichte Verschärfung der globalen Handelsschranken wahrgenommen haben und die Hürden noch weitgehend meistern können. Besonders wichtig für Schweizer KMU sind der europäische und amerikanische Markt. Entsprechend äussert sich auch eine Mehrheit der befragten Unternehmen positiv zum aktuellen Entwurf des Rahmenabkommens mit der EU sowie zu einem Freihandelsabkommen mit den USA.

Der Begriff «Protektionismus» hat seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA und dem darauffolgenden Handelskrieg mit China stark an Medienpräsenz gewonnen. Daten zu handelsverzerrenden Interventionen weltweit zeigen jedoch, dass die Anzahl protektionistischer Massnahmen, welche jährlich umgesetzt werden, bereits seit der Finanzkrise 2009 steigt. Seit 2016 hat sich diese Zunahme zudem deutlich akzentuiert. Protektionismus ist nicht nur ein Phänomen amerikanischer und chinesischer Märkte, sondern ist geografisch weit verbreitet – auch in Europa, dem für Schweizer KMU wichtigsten Absatzmarkt. Die Ökonomen der Credit Suisse haben dies zum Anlass genommen, eine Umfrage bei rund 560 Schweizer Export-KMU zum Thema Protektionismus und Handelshemmnisse durchzuführen.

Drei von zehn KMU leiden unter Exporthürden
In der Umfrage gaben 29 % der Unternehmen an, dass Handelsschranken und Zollhürden aktuell eine grosse oder sehr grosse Herausforderung für sie darstellen. 40 % der KMU sehen darin keine oder nur eine geringe Herausforderung. Der Vergleich über die Zeit zeigt zudem, dass die verstärkte Zunahme des Protektionismus seit 2016 Schweizer KMU bis anhin nur leicht tangiert zu haben scheint: Lediglich für 23 % der Befragten hat sich die Situation im Vergleich zu vor fünf Jahren verschlechtert, die Hälfte hat hingegen keine Veränderung wahrgenommen. Ausserdem wird die zum Umfragezeitpunkt vorwiegend gut bewertete Geschäftslage im Export nicht stark durch Handelsschranken getrübt.

Mehrheit der KMU befürworten EU-Rahmenabkommen und US-Freihandelsabkommen
Wie die Umfrageergebnisse zeigen, nutzen KMU primär zwei Strategien, um mit Handelshemmnissen umzugehen: 63 % erachten die Zusammenarbeit mit externen Partnern oder bestehenden Netzwerken vor Ort als erfolgversprechendsten Weg. Als zweitbeste Strategie sehen die KMU die Nutzung von Freihandelsabkommen. Fast 60 % der Befragten befürworten denn auch ein Freihandelsabkommen mit den USA, und rund ein Drittel wünscht ein solches auf jeden Fall. Vor allem in Zeiten von Handelskriegen, in welche die USA involviert sind, könnte ein Freihandelsabkommen den Schweizer Exporteuren mehr Sicherheit bringen. Von einem Bedürfnis nach Stabilität in Handelsbelangen zeugt laut der Umfrage der Credit Suisse auch die mehrheitliche Unterstützung des Entwurfs zum Rahmenabkommen mit der EU: Er wird von 56 % der befragten KMU befürwortet.

Wirtschaftliche Faktoren exporthemmender als tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken
Neben protektionistischen, staatlichen Interventionen können sich zahlreiche andere, sowohl externe als auch unternehmensspezifische Faktoren hemmend auf die Exporttätigkeit einer Firma auswirken. Die Umfrage der Credit Suisse zeigt, dass das Hauptinstrument des Handelskriegs, herkömmliche Zollsätze, knapp die Hälfte der interviewten Teilnehmer betrifft. Einige nichttarifäre Handelshemmnisse wiegen aber stärker. Darunter fallen Zollverfahren und das Einholen der Konformitätsbewertung und des Ursprungsnachweises. Die grösste exporthemmende Bedeutung – noch vor den tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen – schreiben die befragten Unternehmen aber zwei wirtschaftlichen Faktoren zu: dem Preis des eigenen Angebots und den Wechselkursen.

Hohe Handelshürden bei Exporten nach Russland und Brasilien
In den für Schweizer Unternehmen sehr wichtigen europäischen Märkten bekunden nur 20 bis 30 % der befragten KMU Handelshemmnisse. In anderen Märkten stossen deutlich mehr Umfrageteilnehmer auf Hürden. In der zweitwichtigsten Exportdestination, den USA, sind es knapp 50 % und in der drittwichtigsten, China/Hongkong, gar 54 %. Entsprechend hoch ist der Anteil der interviewten KMU, die einen Export nach China/Hongkong in der Vergangenheit in Erwägung gezogen, dann aber wieder verworfen haben. Die höchsten Exporthürden finden sich gemäss Umfrage in Russland und Brasilien – dort stossen über 60 % der befragten KMU auf Handelshürden. (Credit Suisse/mc/ps)

Über die Studie
In der Schweiz sind rund 600’000 KMU tätig, die zusammen etwa zwei Drittel aller Erwerbstätigen beschäftigen. Im Rahmen ihrer KMU-Studienreihe messen die Ökonomen der Credit Suisse seit mehreren Jahren kleinen und mittelgrossen Unternehmen bei unterschiedlichen Themen den Puls. In der diesjährigen Ausgabe wurden rund 560 Schweizer KMU zu verschiedenen Aspekten rund um das Thema Protektionismus und Handelshemmnisse befragt.
Die Publikation «Schweizer KMU-Wirtschaft 2019 – Exporthürden in der Praxis» finden Sie im Internet auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch unter: www.credit-suisse.com/kmustudie

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