UBS Lohnumfrage: Löhne steigen 2014 um 0,9 Prozent

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Zürich / Basel – In der Schweiz steigen die Löhne im nächsten Jahr um durchschnittlich 0,9 Prozent. Dies ist das Ergebnis der bei 353 Unternehmen sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden aus 22 Branchen durchgeführten Lohnumfrage. Bei einer prognostizierten durchschnittlichen Jahresteuerung von 0,6 Prozent für 20141 ergibt dies eine reale Lohnerhöhung von 0,3 Prozent. Die Unternehmen gaben ausserdem an, die Löhne im Jahr 2013 um 0,9 Prozent erhöht zu haben. Bei einer Jahresteuerung von -0,2 Prozent ergibt sich somit für das laufende Jahr eine Reallohnerhöhung von 1,1 Prozent.

Im Vergleich zum laufenden Jahr fällt die erwartete Reallohnerhöhung im nächsten Jahr relativ gering aus. In den letzten zehn Jahren betrug die Reallohnerhöhung durchschnittlich 0,8 Prozent. Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass die Lohnverhandlungen durch die Negativteuerung der letzten zwei Jahre geprägt wurden – seit mittlerweile rund zwei Jahren liegt die Jahresteuerung im negativen Bereich. Allerdings dürfte die Teuerung schon in den nächsten Monaten ins Positive drehen, und für nächstes Jahr erwarten die Prognoseinstitute im Schnitt eine durchschnittliche Jahresteuerung von 0,6 Prozent. Sollte sich diese Prognose als richtig erweisen, werden von der nominalen Lohnerhöhung von 0,9 Prozent kaufkraftbereinigt nur noch 0,3 Prozent übrig bleiben.

Exportbranchen bleiben unter Druck
Zudem ist trotz relativ hohem Wirtschaftswachstum die wirtschaftliche Situation in vielen Branchen alles andere als gut. Zwar boomt der Binnensektor, aber in vielen exportorientierten Branchen herrscht bestenfalls Stagnation. Neben dem starken Franken ist dafür insbesondere die schleppende Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone, der Hauptdestination Schweizer Exporte, verantwortlich. Die ungleichgewichtige Wirtschaftsentwicklung spiegelt sich auch in der erwarteten Lohnentwicklung der einzelnen Branchen. So werden die grössten Nominallohnerhöhungen in Chemie und Pharma (1,5 Prozent), Informatik- und Telekomdienste (1,4 Prozent) sowie Energie, Ver- und Entsorgung (1,1 Prozent) erwartet. Die positive Lohnentwicklung in der exportorientierten Chemie- und Pharma-Industrie ist auf ihre ausserordentlich hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen. In den Branchen Textil, Logistik, Medien und Tourismus werden die geringsten Lohnerhöhungen erwartet (jeweils 0,5 Prozent). In der Medienbranche dürfte die schwache Lohnentwicklung auf strukturelle Probleme und im Tourismus auf den 2012 eingeführten Gesamtarbeitsvertrag zurückzuführen sein, der damals deutliche Lohnsteigerungen gebracht hatte.

Auch bei der Entwicklung des Personalbestands lässt sich eine Zweiteilung beobachten. So kam es im öffentlichen Sektor, im Autogewerbe und bei den Uhrenherstellern im laufenden Jahr zu den grössten Erhöhungen des Personalbestands. Bei den Banken und Versicherungen, den Medien und den Textilunternehmen wurden hingegen Arbeitsplätze abgebaut. Im kommenden Jahr dürften neben dem öffentlichen Sektor und den Uhrenherstellern auch die Informatik- und Telekomdienstanbieter sowie die Logistikunternehmen Personal aufbauen. Bei den Banken und Versicherungen sowie den Medien dürfte hingegen weiterhin Personal abgebaut werden.

Allgemein haben sich jedoch die Konjunkturerwartungen für 2014 im Vergleich zum laufenden Jahr verbessert. So erwartet die Mehrheit der Umfrageteilnehmer einen moderaten Aufschwung für die Schweiz. Im vergangenen Jahr hatte die Mehrheit noch mit einer Stagnation gerechnet. Auch bezüglich der Entwicklung der Arbeitslosenquote sind die Umfrageteilnehmer optimistischer.

Lohnschere schliesst sich
Im kommenden Jahr dürfte sich der Trend zur Verringerung der Lohnschere fortsetzen. Die Umfrageresultate zeigen, dass in der diesjährigen Lohnrunde die unteren Lohngruppen besonders stark profitieren werden, vor allem im sekundären Sektor.

Zudem sind variable Vergütungssysteme im Vormarsch. Der Anteil, der einen Bonus erhält, dürfte beim mittleren Kader und bei den Mitarbeitenden im kommenden Jahr zunehmen.

Personenfreizügigkeit lindert Fachkräftemangel
Im Vergleich zu 2010 deutlich angestiegen ist bei den befragten Unternehmen der Anteil, dem die Personenfreizügigkeit im vergangenen Jahr geholfen hat, Engpässe bei der Rekrutierung von Arbeitskräften zu überwinden. Die Werte befinden sich wieder auf ähnlich hohem Niveau wie 2007. Die Industrie scheint am meisten von der Personenfreizügigkeit profitiert zu haben. Wichtigster Grund, warum Arbeitskräfte aus dem Ausland eingestellt wurden, ist weiterhin mit Abstand der noch immer hohe Fachkräftemangel. Die Leistungsbereitschaft, kulturellen und sprachliche Kenntnisse sowie Kosteneinsparungen spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Die wirtschaftliche Ungewissheit in Europa scheint einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt in der Schweiz zu haben. Ein signifikanter Anteil der befragten Unternehmen hat im Verlauf der vergangenen zwölf Monate erhöhte Bewerberzahlen aus der europäischen Union festgestellt, und zwar vor allem aus Peripherieländern wie Italien, Spanien und Portugal. Allerdings hat dieses erhöhte Angebot an ausländischen Arbeitskräften nicht im gleichen Masse zu mehr Anstellungen aus diesem Raum geführt.

Die detaillierten Resultate der UBS Lohnumfrage 2013 können unter folgendem Link im Internet abgerufen werden: UBS Lohnumfrage 2013. (UBS/mc/ps)

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