Zürich – Die hohen Mieten und der knappe Wohnraum verlagern das Bevölkerungswachstum in der Schweiz. Laut einer Studie der UBS ziehen die Leute von den Grosszentren vermehrt an die Agglomerationsränder.
Zu diesem Schluss kommt die am Donnerstag veröffentlichte Einschätzung des UBS Chief Investment Office Global Wealth Management (UBS CIO GWM). So sei etwa zwischen 2021 und 2025 die Schweizer Bevölkerung um nahezu 460’000 Personen oder rund 240’000 zusätzliche Haushalte gewachsen.
Im selben Zeitraum seien jedoch nur rund 220’000 Wohneinheiten gebaut worden. «Das Angebot konnte damit nicht mit der demografisch bedingten Nachfrage Schritt halten», heisst es in der Studie.
Raus aus den Städten
Am stärksten wuchs die Bevölkerung in den vergangenen fünf Jahren demnach in den Kantonen Schaffhausen, Wallis, Freiburg, Aargau und Thurgau. Die jährlichen Zuwachsraten lagen durchschnittlich zwischen 1,4 und 1,6 Prozent.
Diese Kantone gewannen laut der UBS neben Zuzügern aus dem Ausland auch Haushalte aus anderen Kantonen hinzu. Basel-Stadt, Genf, Neuenburg und Waadt verloren dagegen unter dem Strich Bevölkerung an benachbarte Regionen.
Besonders deutlich zeige sich die Entwicklung in Zürich. Die Stadt verzeichnete den Zahlen nach zwischen 2021 und 2025 eine Nettozuwanderung aus dem Ausland von fast 38’000 Personen. Gleichzeitig verlor sie im Austausch mit anderen Gemeinden per Saldo rund 21’500 Personen – so viele wie noch nie.
Wohnungsknappheit und steigende Mieten im näheren Umland begünstigten wiederum Wegzüge in weiter entfernte Regionen und Nachbarkantone, heisst es weiter.
Weniger Wachstum
Für das laufende Jahr prognostiziert die Bank eine Abschwächung des Bevölkerungswachstums auf 0,7 Prozent, nach gut 0,8 Prozent im Vorjahr. Hauptgrund sei die konjunkturell bedingt geringere Arbeitskräftenachfrage.
Die Zuwanderung bleibe aber der zentrale Wachstumstreiber: Denn der Geburtenüberschuss sank 2025 auf rund 6200 Personen und damit auf den tiefsten Stand seit 1918.
Das schwächere Bevölkerungswachstum gepaart mit einer leichten Belebung des Wohnungsbaus dürften den Wohnungsmarkt laut der UBS demnach etwas stabilisieren. Konkret erwartet die Bank für 2027 aber keinen weiteren Rückgang der Leerwohnungsziffer und die Mieten dürften vorerst dennoch weiter steigen, so die Prognose.
Langfristig gewinne die Lagequalität jedoch wieder an Bedeutung. Ein schwächeres Nachfragewachstum könnte die Wanderungsbewegungen ins Umland abschwächen oder umkehren. Vor allem in schlecht erschlossenen ländlichen Regionen dürften dadurch Mieterträge und Marktwerte unter Druck geraten, warnt die UBS. (awp/mc/pg)
