Aberdeen Investments führt KI-Modell für maschinelles Lernen ein, um den Weg zu den US-Zwischenwahlen aufzuzeigen. Das neue Prognose-Tool deutet darauf hin, dass die Republikaner die Kontrolle über den Senat wahrscheinlich knapp behaupten werden.
Das Global-Macro-Team von Aberdeen Investments hat ein neues, auf maschinellem Lernen basierendes Wahlmodell entwickelt. Dieses kombiniert politische, wirtschaftliche und Wählerstimmungsdaten, um zu analysieren, wie sich die schnell verändernde politische Landschaft der USA im Vorfeld der Zwischenwahlen am 3. November auf Märkte und Anleger auswirken könnte.
Anstatt sich auf eine einzelne Umfrage oder die Meinung eines Experten zu verlassen, kombiniert das neue Wahlmodell von Aberdeen – das intern entwickelt wurde und durch ein KI-gestütztes Dashboard unterstützt wird – eine Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Indikatoren. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit zu schätzen, mit der jede Partei die einzelnen Senatsrennen gewinnt. Anschliessend aggregiert es diese Prognosen auf Bundesstaatsebene zu einer Gesamtprojektion für die Kontrolle über den Senat.
Dies geschieht vor dem Hintergrund niedriger Zustimmungswerte für den Präsidenten, einer schwachen Wählerstimmung und wachsender Sorgen über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts. Obwohl diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit, dass die Republikaner die uneingeschränkte Kontrolle über den Senat behalten, im Vergleich zu Anfang 2025 erheblich verringert haben, bietet die Wahlkarte der Partei laut Aberdeen-Forschung weiterhin einen strukturellen Vorteil.
Obwohl die US-Zwischenwahlen in der Vergangenheit für die Partei im Weissen Haus schwierig waren, deutet das Modell darauf hin, dass das Ergebnis nach wie vor sehr knapp ausfällt.
Das derzeitige Zentralszenario von Aberdeen sieht vor, dass die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zurückgewinnen, während die Republikaner die Kontrolle über den Senat knapp behaupten. Das Modell deutet somit auf eine 50:50-Aufteilung in der oberen Kammer hin, womit Vizepräsident JD Vance die entscheidende Stimme zukommen würde.
Die Modellierung hebt auch die Möglichkeit eines Durchmarschs der Demokraten hervor, sollte sich die politische Dynamik in den kommenden Wochen weiter zu ihren Gunsten verschieben.
Bob Gilhooly, Senior Emerging Markets Economist bei Aberdeen Investments, sagte: „Investoren sind oft gezwungen, Wahlen anhand einer Mischung aus Umfragen, Schlagzeilen und Instinkt zu bewerten. Wir haben versucht, einen systematischeren Rahmen zu schaffen, der politische Trends, Wirtschaftsindikatoren und die Wählerstimmung zusammenführt. Das hilft dabei, die Entwicklung der Ergebnisse in Echtzeit zu beurteilen. Die Geschichte dieser Wahl ist, dass sich die Dynamik in den letzten 18 Monaten klar gegen die Republikaner entwickelt hat. Aber Dynamik allein entscheidet keine Wahlen. Die Senatskarte bleibt für die Republikaner günstig, und zum jetzigen Zeitpunkt deutet unsere Modellierung darauf hin, dass sie gerade genug tun, um sich zu behaupten.“
Lizzy Galbraith, Politische Ökonomin bei Aberdeen Investments, fügte hinzu: „Zwischenwahlen sind oft ein Referendum über den amtierenden Präsidenten, und die Republikaner sehen sich mit vielen der Bedingungen konfrontiert, die in früheren Zyklen dazu geführt haben, dass Regierungsparteien an Boden verloren haben. Aus diesem Grund wird allgemein erwartet, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobern. Die interessantere Frage für Anleger ist, ob diese politische Unzufriedenheit stark genug ist, um die strukturellen Vorteile zu überwinden, die die Republikaner im Senat geniessen. Unsere aktuelle Einschätzung ist, dass dies wahrscheinlich nicht der Fall ist, aber das Rennen ist viel enger, als es zu Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Trump den Anschein hatte.“
Für Anleger bleibt das wahrscheinlichste Ergebnis ein gespaltener Kongress.
Während ein politischer Stillstand zukünftige fiskalische Expansionen etwas bremsen könnte, glauben die Ökonomen von Aberdeen, dass der Ausgabendruck angesichts der laufenden Kosten im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt und den Bemühungen der Demokraten, die jüngsten Kürzungen bei Medicaid rückgängig zu machen, kaum vollständig verschwinden wird.
Wichtigste Erkenntnisse
- Es wird erwartet, dass die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zurückgewinnen.
- Der Senat bleibt hart umkämpft, trotz eines politischen Umfelds, das für die Republikaner ungünstiger geworden ist.
- Das Machine-Learning-Modell von Aberdeen zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer republikanischen Senatskontrolle jedoch seit Anfang 2025 stark gesunken ist.
- Das Zentralszenario bleibt ein 50:50-Senat, bei dem Vizepräsident JD Vance die ausschlaggebende Stimme liefert.
- Ein Durchmarsch der Demokraten bleibt möglich, wenn die jüngste politische Dynamik anhält.
- Ein gespaltener Kongress ist das wahrscheinlichste Ergebnis und könnte im Laufe der Zeit zu einer grösseren Haushaltsdisziplin führen, obwohl mit einem anhaltenden Ausgabendruck zu rechnen ist.
Das Modell wird im Vorfeld des Wahltags kontinuierlich aktualisiert, sobald neue Umfragen sowie wirtschaftliche und politische Daten vorliegen. (Aberdeen/mc)
