Allianz Trade: Globale Länderrisiken sinken trotz intensiver Handelsspannungen

Jan Möllmann, CEO Allianz Trade in der Schweiz. (Foto: Allianz Trade)

Wallisellen – Zum dritten Mal veröffentlicht der Kreditversicherer Allianz Trade heute seinen Länderrisikoatlas, der die wirtschaftlichen Aussichten, Risiken und Chancen in 83 Ländern bewertet, die etwa 94% des globalen BIP ausmachen. Die Analyse basiert auf einem unternehmenseigenen Risikobewertungsmodell, das vierteljährlich mit den neuesten wirtschaftlichen Entwicklungen und den Unternehmensdaten von Allianz Trade aktualisiert wird.

«Unsere Ratings beinhalten Analysen und Einblicke in das wirtschaftliche, politische und geschäftliche Umfeld sowie in Nachhaltigkeitsfaktoren, die die Trends beim Zahlungsausfallrisiko für Unternehmen auf makroökonomischer Ebene beeinflussen», sagt Luca Moneta, Senior Volkswirt für Emerging Markets bei Allianz Trade. «Jedes Rating kombiniert 17 kurzfristige und 18 mittelfristige Indikatoren und dient Entscheidungsträgern als pragmatischer Kompass in einer Welt voller Krisen. Es hilft ihnen, Volatilität zu bewältigen, Cashflows zu schützen und Risikobewusstsein in einen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln.» Die Allianz Trade Analyse berücksichtigt dabei eine Vielzahl an kurz- und mittelfristigen Risiken, die entsprechend gewichtet werden.

Turbulente Zeiten in der Schweiz
2025 war für die Schweizer Wirtschaft turbulent. Nachdem sie sich 2024 dank besserer Nachfrage, niedrigerer Inflation, geldpolitischer Lockerung sowie robustem Konsum bei stabilem Arbeitsmarkt und dynamischer Industrie mit +1,4% erholt hatte, überwogen 2025 die Abwärtsrisiken das Aufwärtspotenzial. Die Unsicherheit hinsichtlich der unberechenbaren Handelspolitik der USA war hoch. Gegen Ende des Jahres stabilisierten sich die Wirtschaftsaussichten jedoch, unterstützt durch die Entspannung in der Zollfrage, nachdem die Schweiz Mitte November eine Senkung der im August eingeführten Zölle von 39% auf 15% ausgehandelt hatte.

BIP mit einem Plus von 1,23%
Das BIP-Wachstum erreichte 2025 aufgrund exportgetriebener Vorzieheffekte etwas über +1%, was jedoch durch schwächere Investitionen und eine schlechtere Verbraucherstimmung ausgeglichen wurde. «Wir gehen davon aus, dass die Exporte in die USA aufgrund der anhaltenden Zölle weiterhin verhalten ausfallen werden», sagt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz. Die Investitionen in Ausrüstungsgüter stagnieren und dürften angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf einem niedrigen Niveau bleiben. Der private Konsum bleibt eine verlässliche Stütze der Wirtschaft. Allerdings schränken die finanzpolitischen Zwänge auf Bundes- und Kantonsebene sowie das ab 2027 in Kraft tretende Konsolidierungsprogramm den Staatsverbrauch ein, der nur moderat zunehmen dürfte. «Wir rechnen mit einem Wachstum von +1,4% im Jahr 2026 und +1,6% im Jahr 2027. Trotzdem nehmen die Insolvenzen in der Schweiz weiterhin leicht zu und bleiben auf einem historisch hohen Niveau. Im Jahr 2024 stiegen sie gegenüber 2023 um 18% und nahmen 2025 weiter zu. Wir erwarten für 2026 einen Rückgang der Insolvenzen um -6%, gefolgt von einem weiteren Rückgang um -11% im Jahr 2027», erläutert Möllmann.

Nachlassende Inflation erwartet
Trotz des anhaltenden Aufwärtsdrucks durch steigende Dienstleistungskosten lässt die Inflation in der Schweiz nach. 2024 lag sie bei +1,1% und wurde durch einen starken Schweizer Franken und niedrigere Energiepreise gedämpft. Aktuell liegt die Inflationsrate nahe Null (+0,2% im Jahr 2025). Dies ist auf einen starken Franken, billigere Importe, niedrige Energiepreise und ein geringer als erwarteter Anstieg der Mietpreise zurückzuführen. «Wir gehen für 2026 von einer Inflationsrate von +0,4% aus und einem moderaten Anstieg auf +0,7% im Jahr 2027, wenn die Energieeffekte nachlassen. Insgesamt dürfte die Inflation in der Schweiz unter dem Zielwert der Zentralbank bleiben. Die Aufwertung des Schweizer Frankens und die sinkenden Energiepreise werden sich im Prognosezeitraum disinflationär auswirken, während die Mietpreisentwicklung aufgrund des niedrigeren Referenzzinssatzes verhalten bleiben dürfte. Wir gehen davon aus, dass die SNB ihren Leitzins während des gesamten Prognosezeitraums bei 0% belassen wird», prognostiziert Möllmann.

Entgegen den Erwartungen hat sich das globale Länderrisiko im Jahr 2025 verbessert. Der Trend, dass insgesamt globale Länderrisiken sinken, unterstreicht die fiskalischen, monetären und handelsbezogenen Bewältigungsmechanismen, die in Zeiten hoher Unsicherheit tendenziell zum Tragen kommen. Zu den 36 Volkswirtschaften mit verbesserten Ratings gehören Argentinien, Ecuador, Ungarn, Italien, Spanien, die Türkei und Vietnam.

«Im Jahr 2025 waren die Heraufstufungen in erster Linie auf stärkere makroökonomische Fundamentaldaten zurückzuführen, die durch die Fiskal- und Geldpolitik unterstützt wurden», sagt Ana Boata, Head of Macroeconomic Research bei Allianz Trade. «In mehreren Schwellenländern ermöglichten bessere Finanzierungsbedingungen, eine Aufwertung der lokalen Währungen und höhere Rohstoffpreise eine Rücknahme der Transfer- und Konvertibilitätsbeschränkungen, einem wichtigen Aspekt des politischen Risikos. Unter den Volkswirtschaften mit hohem Einkommen stärkten eine verbesserte politische Stabilität, eine rückläufige Inflation und eine bessere Handelsbilanz die Widerstandsfähigkeit in ganz Europa (insbesondere in Deutschland, Griechenland, Italien und Spanien) und im asiatisch-pazifischen Raum (einschliesslich Südkorea und Vietnam).»

Breite Verbesserungen verdecken anhaltende mittelfristige Risiken für Unternehmen
Die Zahl der Herabstufungen erscheint mit 14 relativ gering, im Vergleich zu 2024 hat sich diese allerdings von 5 auf 14 fast verdreifacht. Darüber hinaus sind einige wichtige Volkswirtschaften wie Frankreich, Belgien und die USA auf der Liste vertreten, was die anhaltenden mittelfristigen Herausforderungen für Unternehmen unterstreicht.

«Die Widerstandsfähigkeit nimmt zu, aber in wichtigen Volkswirtschaften bestehen weiterhin Risikokonzentrationen», sagt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade. «So haben wir im vergangenen Jahr in sieben Märkten eine Verschlechterung des mittelfristigen makroökonomischen Umfelds beobachtet, in 18 Märkten zeichnete sich eine Verbesserung ab. Zu diesen Verschlechterungen zählen jedoch Belgien, Brasilien, Frankreich und die USA, die zusammen etwa ein Drittel des globalen BIP ausmachen, also zehnmal so viel wie die Volkswirtschaften, in denen eine Verbesserung zu verzeichnen war. Die Weltwirtschaft durchläuft eine der turbulentesten Phasen seit Jahrzehnten, in der sich Schocks und strukturelle Veränderungen wie KI, Demografie, Klimawandel, Handel und Regulierung überschneiden. Die Unsicherheit bleibt hoch, und Unternehmen müssen einen selektiven, länderspezifischen Ansatz verfolgen, damit sie ihr Geschäft ausbauen und gleichzeitig ihre Vermögenswerte schützen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines detaillierten, vorausschauenden Risikomanagements, das über die Schlagzeilen-Ratings hinausgeht. Die kontinuierliche Überwachung der Transfer- und Konvertibilitätsbedingungen, der fiskalischen Entwicklung und der Handelsrisiken wird entscheidend sein, um Wendepunkte zu antizipieren.» (Allianz Trade/mc/ps)

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