Zug – ETF-Zuflüsse kehrten zurück, die Stablecoin-Liquidität nahm zu, die BTC-Dominanz stieg, und die Kursentwicklung begann nach einer frühen Rekonstruktionsphase auszusehen. Zusammengenommen erhöhen diese Verschiebungen die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Zyklus nicht mehr nach dem bekannten Muster früherer Jahre einsetzt, sondern früher beginnt und stärker institutionell geprägt ist: über ETFs, Unternehmensbilanzen, Stablecoin-Infrastruktur und Protokolle, die unter Druck widerstandsfähiger werden. Der alte Vierjahreszyklus dürfte nicht mehr der Taktgeber sein, der er einst war.
“Der April brachte keine Euphorie, wohl aber Stabilisierung und Entlastung. Nach Monaten sehr fragiler Stimmung scheint der Kryptomarkt eine Bodenbildung zu versuchen. Verkäufer wirken zunehmend erschöpft, während institutionelle Käufer das verfügbare Angebot weiterhin konsequent absorbieren.» Dominic Weibel, Head of Research, Bitcoin Suisse AG
Wertentwicklung und Korrelationen der Anlageklassen
Gold behauptete seine Spitzenposition seit Jahresbeginn, verlor jedoch an Dynamik und gab nach einem Höchststand von knapp 20 Prozent im März den Grossteil der Gewinne nach dem Iran-Schock wieder ab. Silber schwächte sich noch deutlicher ab. BTC erholte sich seit Jahresbeginn von minus 28 Prozent auf minus 13 Prozent, ETH von minus 38 Prozent auf minus 24 Prozent. Der April markierte eine sichtbare Stabilisierung der Marktstruktur. Die Bitcoin-Dominanz stieg auf 59,8 Prozent, gestützt durch eine deutliche Erholung der ETF-Zuflüsse. BTC-Spot-ETFs verzeichneten Zuflüsse von 2,8 Milliarden US-Dollar gegenüber 1,5 Milliarden US-Dollar im März. Die Marktbreite verbesserte sich, da fast 70 Prozent der Top-100-Krypto-Vermögenswerte den April positiv abschlossen. Die Führungsrolle blieb jedoch selektiv. Die Korrelationen zwischen den Anlageklassen blieben fragmentiert. Auf Zwölfmonatssicht bleibt Bitcoin weitgehend unabhängig, während sich Rohstoffe vom makroökonomischen Komplex abkoppelten. Seit dem Iran-Schock haben sich Aktien am Rand wieder stärker mit BTC verbunden, Rohstoffe bewegten sich deutlich gegenläufig, und Gold zeigte ein uneinheitliches Bild. Bitcoin befindet sich weiterhin zwischen zwei Regimen: in Erholungsphasen als Liquiditätsproxy für Risk-on-Anlagen, im Narrativ jedoch als Absicherung gegen Geldentwertung.
Kryptomarktdynamik
Bitcoin scheint eine Bodenbildung zu versuchen, die Bestätigung liegt jedoch weiterhin oberhalb des aktuellen Niveaus. Die Zone von 80’000 bis 85’000 US-Dollar bleibt der zentrale Bereich, da dort der True-Market-Mean, die Kostenbasis kurzfristiger Halter und die Kostenbasis von US-Spot-ETFs zusammenfallen. Eine Rückeroberung dieses Bereichs würde einen grossen Teil des Marktes wieder in die Gewinnzone bringen. Ein Scheitern hingegen würde die Erholung anfällig für die Interpretation als weitere Bärenmarkt-Rally machen. Aus unserer Sicht wirkt das Vierjahreszyklus-Modell zunehmend überholt. Der Verkaufsdruck der Miner verliert an Bedeutung, der Halving-Impuls schwächt sich weiter ab, und die statistische Relevanz des Zyklus bleibt geringer als das Narrativ, das ihn umgibt. Plausibler erscheint ein Regime abnehmender Rückschläge bei gleichzeitig abnehmenden Renditen, wobei ETFs und DATs die Nachfrageseite inzwischen stärker verändern als die Emission die Angebotsseite.
Makroökonomische Indikatoren
Das makroökonomische Bild bleibt gespalten. Der Iran-Konflikt und der ölpreisgetriebene Inflationsdruck hätten eigentlich langlaufende Anleihen begünstigen sollen, dennoch entwickelten sich Risikoanlagen weiterhin besser als US-Staatsanleihen. Das Verhältnis von SPX zu TLT brach nach oben aus, was darauf hindeutet, dass Anleger den Schock weiterhin als begrenzt einschätzen und ertragsabhängige Vermögenswerte gegenüber nominaler Duration bevorzugen. Das konstruktivere Signal kommt von der Stablecoin-Liquidität. Nach dem Tiefpunkt im ersten Quartal hat sich die Liquidität parallel zur Erholung von BTC ausgeweitet. Das von USDC getragene Wachstum deutet eher auf qualitativ hochwertigere Zuflüsse als auf rein spekulative Hebelung hin. Solange diese Expansion anhält, wirkt der Kryptomarkt weniger wie eine späte Erschöpfungsphase und mehr wie eine frühe Stabilisierung.
Onchain-Indikatoren
DATs entwickeln sich zu einem strukturellen Absorptionskanal. Die Akkumulation von BTC und ETH setzte sich trotz Kursschwäche fort, vor allem getragen von Strategy und BitMine. Dadurch entsteht eine bilanzbasierte Nachfrage, die es in früheren Zyklen nicht gab. HYPE sticht jedoch besonders hervor. DATs halten inzwischen knapp 9 Prozent des zirkulierenden HYPE-Angebots und damit auf floatbereinigter Basis deutlich mehr als bei BTC, ETH, SOL und BNB. Die geringe zirkulierende Angebotsmenge im Verhältnis zur vollständig verwässerten Bewertung bleibt allerdings ein wichtiger Vorbehalt. Zusätzliche Unterstützung kommt durch die ETF-Optionalität. Das DeFi-Risiko sendete ein anderes Signal. Der April verzeichnete mit 28 DeFi-Hacks einen neuen Rekord, die Verluste blieben jedoch begrenzt. Häufigkeit und Schweregrad entkoppeln sich: Es gibt weniger grosse Mega-Hacks, dafür mehr kleinere Long-Tail-Exploits.
Wichtige Entwicklungen im Kryptobereich
Die Protokollentwicklung konzentrierte sich auf Quantenresistenz, institutionelle Infrastruktur und datenschutzwahrende Märkte. Bitcoin trieb die Diskussionen rund um die postquantenfähige Migration gemäss BIP-361 voran, Solana forcierte Constellation und sein Agent Registry, Base kündigte Azul an, Aave v4 ging live, und Hyperliquid führte Gebührenmechanismen ein, die Nachfrage nach niedriger Latenz in Protokollerträge umwandeln. Über den breiteren Technologie-Stack hinweg deuten Emissionskürzungen, Datenschutzinfrastruktur, Zahlungsinfrastruktur für Maschinen und institutionelle Mainnets auf programmierbare Kapitalmärkte und widerstandsfähigere Abwicklungsinfrastrukturen hin. (Bitcoin Suisse/mc/hfu)
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