Credit Suisse weist nach Untersuchung Vorwürfe zu Holocaust-Vermögen zurück

Zürich – Die Credit Suisse hat eine von ihr in Auftrag gegebene, zweijährige Untersuchung zu möglichen Vermögenswerten in Argentinien von Holocaust-Opfern auf Konten der Vorgängerbank SKA zum Abschluss gebracht. Die Vorwürfe des Simon Wiesenthal Centers hätten sich in dieser umfassenden Untersuchung nicht bestätigt, teilte die Bank am Dienstagabend mit. Kritisiert wird dies aber vom Haushaltsausschuss des US-Senats.

In Argentinien war vor Jahren eine Liste von Mitgliedern der Unión Alemana de Gremios (UAG), eine Organisation mit Verbindungen zu Nazi-Deutschland, aufgetaucht. Die Liste umfasste rund 12’000 Personen, offenbar auch mit Kontoverbindungen in die Schweiz. Argentinien galt nach dem zweiten Weltkrieg als Zufluchtsort für Mitglieder des Nazi-Regimes.

Das renommierte jüdische Simon Wiesenthal Center in Los Angeles bat schliesslich im März 2020 die Credit Suisse, die Liste und den Fall zu untersuchen. Die Organisation vermutete, dass zahlreiche Personen auf der Liste auch Konten bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) hatten mit Vermögen von Holocaust-Opfern. Die Bank hatte bereits im Jahr 1999 einen weltweit geltenden Vergleich zu Holocaust-Vermögen abgeschlossen.

CS-Untersuchung entkräftet Vorwürfe
Laut der CS hat die von AlixPartners durchgeführte Untersuchung keine Beweise zu den vom Simon Wiesenthal Center vorgebrachten Behauptungen geliefert, wonach «viele» der UAG-Mitglieder oder sonstige nach Argentinien geflüchteten Nazis von 1933 bis 1945 Konten bei der SKA gehabt hätten. Zudem hätten acht seit langem geschlossenen Konten, die aus dieser Zeit identifiziert werden konnten, keine Vermögen von Holocaust-Opfern enthalten.

AlixPartners habe darüber hinaus auch eine Liste von 311 hochrangigen Nazis untersucht, die das Simon Wiesenthal Center vor 25 Jahren an die Schweiz übermittelt hatte. Die vertiefte Analyse der bereits in den 1990er-Jahren durchgeführten Analyse seien darin im Wesentlichen bestätigt worden, so die CS. Gefunden worden seien ein Konto, das im März 1933 geschlossen worden sei, und weitere 12 Personen, die allerdings erst in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren SKA-Konten eröffnet und diese wieder geschlossen hätten.

Zur unabhängigen Überprüfung der Ergebnisse dieser Untersuchungen hat die CS den Angaben zufolge die Anwaltskanzlei Clifford Chance und KPMG Schweiz beauftragt. Die Bank habe nun nach Abschluss der Untersuchungen das Simon Wiesenthal Center zu einem Treffen eingeladen, um die Resultate zu präsentieren, heisst es.

Kritik aus den USA
Ebenfalls am Dienstag kritisiert der Haushaltsausschuss des US-Senats die CS-Untersuchung. Die Bank habe nicht umfassend genug und nicht alle relevanten Daten untersucht, unter anderen solche aus Bolivien oder von Nazi-Erben nicht. Zudem sei eine wichtige Person im Zuge der Untersuchungen unerklärlicherweise entlassen worden.

Der Senatsausschuss führt in den Ausführungen eigene Studien an, die zwar unvollständig seien, und dennoch beinahe 100 Konten mit Nazi-Bezug offenlegten. Mindestens 14 davon seien von der CS sogar noch bis 2020 geführt worden.

Zwischen 1997 und 1999 hatte eine Expertenkommission unter Leitung des früheren US-Notenbank-Chefs Paul Volcker die Geschäfte der SKA und weiterer rund 60 Schweizer Banken unter die Lupe genommen. Dabei ging es darum, Konten von Personen herauszufiltern, die mutmasslichen Holocaust-Opfern gehört haben. (awp/mc/pg)

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