Deutsche Bank und Commerzbank sprechen offiziell über Fusion

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Konzernzentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. (Foto: Deutsche Bank)

Frankfurt am Main – Die beiden grössten Privatbanken Deutschlands nehmen Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss auf. Beide Geldhäuser betonten am Sonntag in Frankfurt zwar, eine Fusion sei keineswegs ausgemachte Sache. Aber allein die Möglichkeit spaltet die Gemüter. Befürworter des Zusammenschlusses glauben, dass die Banken nur gemeinsam stark genug gegenüber der weltweiten Konkurrenz sein können. Kritiker befürchten dagegen einen drastischen Jobabbau.

Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30’000 Jobs, die Aktionärsvereinigung DSW sogar mit dem Rauswurf von bis zu 50’000 Mitarbeitern. Ende 2018 beschäftigten die beiden Institute zusammen gut 133’000 Vollzeitkräfte.

Kaum Wettbewerbsprobleme, aber Systemrisiko
Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller warnte zudem vor einer Fusion zu Lasten der Verbraucher. «Steigende Preise und weniger Angebotsvielfalt können nicht der Kollateralschaden eines Banken-Champions sein», sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) der «Rheinischen Post» (Montag).

Der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, sieht bei einer Fusion kaum Wettbewerbsprobleme, aber ein Systemrisiko. «Einiges deutet darauf hin, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss, gegebenenfalls unter Auflagen, freigeben würden», sagte Wambach, dessen Kommission die Bundesregierung berät, der «Rheinischen Post». Die Geschäftsfelder beider Banken überschnitten sich nur wenig und seien auch nach einer Fusion Wettbewerb ausgesetzt. Aber: «Durch den Zusammenschluss entsteht möglicherweise eine neue Bedrohung für die Finanzwelt, nämlich durch einen Anstieg des Systemrisikos.»

Verdi-Chef sieht keine sinnvolle Ergänzung
Verdi-Chef Frank Bsirske «leuchtet die Sinnfälligkeit dieser Fusion im Moment überhaupt nicht», wie er der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» sagte. «Bank und Commerzbank ergänzen sich nicht sinnvoll.» Sinnvoller wäre aus Sicht Bsirskes, der auch dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank angehört, «ein Crossover in internationaler Richtung».

Die Politik macht dennoch schon lange Druck in Richtung einer Fusion. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies, werben seit Monaten für starke deutsche Banken. In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Medienberichte gegeben, Scholz und Kukies hätten Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke gedrängt, ein Zusammengehen zu prüfen – idealerweise vor der Europawahl Ende Mai.

Verlustreiche Jahre
An der Börse ist die Deutsche Bank – immerhin Deutschlands grösstes Geldhaus – aktuell gerade noch gut 16 Milliarden Euro wert, die Commerzbank rund 9 Milliarden Euro (Stand 15.3.2019). In der Weltspitze spielen die beiden grössten börsennotierten deutschen Banken damit nicht mehr mit. Die Deutsche Bank hatte 2018 nach drei Verlustjahren in Folge gerade so die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft. Skandale und Prozesse verschlangen über Jahre Milliarden, der Aktienkurs ist im Keller. Die Commerzbank stieg im Herbst in die zweite Börsenliga ab und ist ebenfalls seit Jahren im Umbruch.

Trennung von Fondstocher DWS?
Um eine Fusion mit der Rivalin zu finanzieren, bräuchte die Deutsche Bank voraussichtlich eine Milliardensumme. Um diese zusammenzubekommen, könnte sie sich Insidern zufolge komplett von ihrer Fondstochter DWS trennen. Einem Medienbericht zufolge prüft Europas grösster Versicherer Allianz bereits, ob eine Zusammenführung des DWS-Geschäfts mit seinen eigenen Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors (AGI) Sinn hätte. Sprecher der Unternehmen wollten den Bericht am Sonntag nicht kommentieren. (awp/mc/pg)

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