Deutsche Banken bitten um Schonfrist bei der EBA

Andrea Enria

EBA-Chef Andrea Enria.

Frankfurt am Main – Die deutschen Kreditinstitute bitten die europäische Bankenaufsicht EBA um mehr Zeit für die Umsetzung der verschärften Kapitalanforderungen. Die Institute wollten erreichen, dass sie nicht schon bis Weihnachten, sondern erst bis zum 13. Januar darlegen müssen, wie sie mögliche Kapitallücken füllen sollen, heisst es in einem Schreiben der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) vom Mittwoch an EBA-Chef Andrea Enria, das den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX vorliegt.

Angesichts der Komplexität von derlei Plänen sowie den sich ständig ändernden Fragebögen und Anforderungen der Aufsicht, sei die erste Frist nicht einzuhalten. Zunächst hatte «Financial Times Deutschland» (Donnerstag) über den Brief berichtet.

Kriterien nach wie vor unklar
Noch immer sind die genauen Kriterien des Ende Oktober von der Politik vereinbarten neuen Stresstests unklar. Mit diesem soll die EBA ermitteln, wie viel Geld Banken brauchen, um bis Ende Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen, wenn alle Staatsanleihen zu Marktpreisen bewertet werden. Kernkapital gilt als Puffer für Krisen. Hinter den Kulissen tobt ein Streit der Aufsichtsbehörden. Die EBA will nach bisherigen Angaben die Daten noch in diesem Monat veröffentlichen. Daran gibt es angesichts des Streits hinter den Kulissen Zweifel.

DK warnt vor weiterer Verunsicherung
Die DK als die Interessenvertretung der fünf grossen kreditwirtschaftlichen Verbände Deutschlands wirft dem EBA-Chef in dem Brief vor, die anhaltende Unklarheit über die genauen Kriterien mache den erhofften Nutzen des Tests zunichte. Vor diesem Hintergrund warnen sie die Behörde, mit Veröffentlichungen von zu vielen Details bezüglich des Engagements der Institute in Staatsanleihen für weitere Verunsicherung zu sorgen: «Die Veröffentlichung sollte sich vielmehr auf Transparenz und Klarheit bei der Kapitalausstattung der Banken und möglichen Kapitallücken konzentrieren.»

Höherer Kapitalbedarf als erwartet droht
Zudem drücken die deutschen Banken und Sparkassen in dem Brief ihre Sorge darüber aus, dass die EBA in dem Test Staatsanleihen nicht mehr als risikolose Anlagen sieht, sondern zu ihren aktuellen Marktpreisen bewertet. «Wir befürchten, dass dies das Problem der Refinanzierung von Staaten in der aktuellen Krise weiter verschärft.» Den deutschen Banken droht bei dem Stresstest ein höherer Kapitalbedarf als bislang erwartet. Das «Handelsblatt» (Donnerstag) berichtet, die EBA könnte den Instituten hierzulande eine Lücke von bis zu 12 Milliarden Euro attestieren. Vorläufigen Zahlen nach lag der zusätzliche Kapitalbedarf bei 5,2 Milliarden Euro – betroffen waren Commerzbank , Deutsche Bank , die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die NordLB. (awp/mc/ps)

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