Devisenreserven der SNB steigen um 41,4 auf 406,5 Mrd Franken

SNB

Zürich – Um den Euro-Mindestkurs zu verteidigen, hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) auch im Juli stark im Devisenhandel intervenieren müssen. Sie hat für weitere 41,4 Mrd. CHF ausländische Währungen erworben. Ein grosser Teil des Anstiegs sei auf Devisenkäufe zur Durchsetzung des Euro-Mindestkurses von 1,20 CHF zurückzuführen, sagte ein Sprecher der SNB zu den am Dienstag beim Internationalen Währungsfonds (IWF) eingereichten Monatszahlen. Erhöht haben sich die Devisenanlagen aber auch durch den weiteren Anstieg des Dollar-Kurses.

Im Kampf um den Euro-Mindestkurs steht dennoch immer mehr auf dem Spiel: Die gesamten Devisenanlagen der SNB erreichten Ende Juli rund 406,5 Mrd CHF. Das entspricht knapp 70% der Schweizer Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandprodukt. Zum Vergleich: Der dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM soll über eine Kapazität für Notkredite von 500 Mrd EUR verfügen. Hinzu kommen bisher zugesagte Finanzhilfen der Euro-Länder für Griechenland, Irland und Portugal von rund 300 Mrd EUR.

Wie gross ihr Euro-Engagement genau ist, gibt die SNB nicht monatlich bekannt. Ende Juni hatten sich die Euro-Bestände auf rekordhohe 182,5 Mrd EUR oder umgerechnet 219,5 Mrd CHF belaufen. Dem liegt der Wechselkurs von gut 1,20 CHF pro Euro zugrunde. Seit sich im April die Euro-Schuldenkrise verschärft hat, notiert der Euro sehr nahe am Mindestkurs der SNB.

Sukkurs der Bundespräsidentin
Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf stellte sich an der Medienkonferenz zur Halbjahresbilanz ihres Bundespräsidiums hinter die Nationalbank. Die SNB könne prinzipiell unbeschränkt weitere Devisenkäufe tätigen, es gebe keine Limiten. Erst wenn die Inflation hoch würde, müsse man sich überlegen, ob der Kurs noch fortgesetzt werden könne. Für diesen Fall habe das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) mit der SNB Massnahmen vorbereitet, die rasch umgesetzt werden könnten, bekräftigte Widmer-Schlumpf frühere Angaben, ohne Details zu nennen.

Derzeit sehe es aber kaum nach Inflation aus: im Juli betrug die Schweizer Jahresteuerung -0,7%. Auch auf dem Immobilienmarkt habe sich die Lage offenbar etwas beruhigt, nachdem per 1. Juli verschärfte Vergabebedingungen in Kraft getreten seien, sagte die Bundespräsidentin. Die SNB hatte im Juni erklärt, sie denke darüber nach, zusätzliche antizyklische Kapitalpuffer für Banken zu beantragen, die Hypotheken vergeben würden.

Schwerwiegende Folgen
Sollte die SNB den Euro-Mindestkurs nicht halten können, stünden womöglich markante Einbussen ins Haus. Würde der Euro wie vor Beginn der Interventionen der SNB im August letzten Jahres wieder praktisch auf die Parität zum Franken fallen, würden die Euro-Bestände in Franken um knapp 17% an Wert verlieren. Gemessen an den Devisenanlagen zur Jahresmitte würde dies ein Loch von 37 Mrd CHF in die Rechnung der SNB reissen. Zudem drohten laut SNB schwerwiegende Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung der Schweiz.

6,5 Mrd Franken Gewinn im 1. Halbjahr
Umgekehrt wären bei einer Abschwächung des Frankens markante Bewertungsgewinne möglich. Für die ersten sechs Monate 2012 konnte die SNB unter dem Strich einen Gewinn von 6,5 Mrd CHF ausweisen, da sie den Mindestkurs hielt, der Dollar-Kurs und der Goldpreis aber stiegen.

Dennoch ist die geplante Gewinnausschüttung der SNB in Höhe von 1 Mrd CHF an Bund und Kantone nicht garantiert, weil die Kurse an den Finanzmärkten zu stark schwanken. Immerhin hat sich der Anstieg der Devisenreserven verlangsamt. Im Juni hatten sie um rund 59 Mrd CHF zugenommen, im Mai sogar um 66 Mrd CHF. (awp/mc/pg)

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