EY-Bankenbarometer: Solide aber rückläufige Jahresergebnisse treffen auf eingetrübten Ausblick

Christine Mengers, Assistant Director, Markets & Business Development, Financial Services EY Schweiz. (Foto: EY)

Zürich – Die Schweizer und Liechtensteiner Banken können erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken, doch die Aussichten haben sich eingetrübt. Nach Jahren mit starken Ergebnissen, begünstigt durch hohe Zinsen und komfortable Zinsmargen, stehen diese erneut unter Druck, während gleichzeitig steigende operative Kosten den Erfolg belasten und grosse Investitionen anstehen. In diesem herausfordernden Umfeld sind die Banken dennoch zuversichtlich. Sie verfügen über eine solide Kapital-, Kunden- und Geschäftsbasis.

Die Umfrageergebnisse des EY Bankenbarometers 2026 zeigen: Für die über 100 befragten Finanzinstitute aus der Schweiz und Liechtenstein sind die zentralen Themen der kommenden Jahre unter anderem die Optimierung der eigenen Ergebnisse in einem unvorteilhaften Zins- und Kostenumfeld sowie der richtige Umgang mit den Potenzialen von künstlicher Intelligenz. Christine Mengers, Assistant Director, Markets & Business Development, Financial Services EY Schweiz ordnet ein: «Kostensenkung und Effizienzsteigerung bleiben in Zeiten, in denen Ertragswachstum zwar an Bedeutung behält, jedoch zunehmend schwieriger zu erreichen ist, im Fokus.» Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY Schweiz präsentiert die Studie dieses Jahr zum 16. Mal.

Solides, rückläufiges Ergebnis mit eingetrübtem Ausblick
Die Banken werden für das abgelaufene Jahr weiterhin solide Ergebnisse ausweisen, jedoch unter dem Niveau der vergangenen zwei Jahre. So rechnet fast die Hälfte (46%) der befragten Banken für das Geschäftsjahr 2025 mit einem rückläufigen operativen Ergebnis. Im Vorjahr waren es noch 39%. Damit erreicht die Stimmung den tiefsten Wert seit 15 Jahren. Nach Jahren mit starken Ergebnissen, haben geopolitische und makroökonomische Entwicklungen dazu geführt, dass der Schweizer Leitzins schrittweise wieder auf 0% gesenkt wurde. Ein Nullzinsumfeld bietet im Aktiv- und im Passivgeschäft kaum Spielraum für Optimierungen.

Langfristig bleiben die Teilnehmer der Umfrage zuversichtlich: 94% der Banken erwarten eine Zunahme des operativen Ergebnisses (Vorjahr: 85%). Diese Erwartung unterstreicht die Resilienz des Schweizer Bankensektors. Francesco de Gara, Partner, Audit Financial Services EY Schweiz, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: «Trotz geopolitischer Unsicherheiten, Zinssenkungen und Belastungen durch US-Zölle zeigen sich die Schweizer Banken widerstandsfähig. Kurzfristig erwarten viele Institute rückläufige Ergebnisse, doch langfristig bleibt die Branche zuversichtlich und setzt auf die Stärke des Schweizer Finanzplatzes.» Ein weiterer positiver Faktor ist: 67% der befragten Institute geben an, neue Kunden gewonnen zu haben.

Die Entwicklung der aktuellen operativen Geschäftstätigkeit variiert stark zwischen den Bankengruppen. Regional- und Kantonalbanken, die in einem höheren Zinsumfeld Rekordergebnisse erzielten, spüren die Zinssenkungen stärker: 59% bzw. 60% dieser befragten Institute erwarten sinkende operative Ergebnisse. Privatbanken und Auslandsbanken sind deutlich weniger pessimistisch mit je 36% negativen Erwartungen. Diese können sich dank einer bisher robusten Börsenentwicklung und Nettoneugeldzuflüssen über stabile Kommissionserträge freuen.

Banken profitieren immer weniger bei den Zinsmargen
Das Zinsgeschäft ist für viele Schweizer Banken der zentrale Ertragspfeiler. Mit sinkenden Leitzinsen verringerte sich die Zinsmarge der Banken kontinuierlich. Nun deutet sich jedoch eine Festigung der Zinsmarge an. Knapp zwei Drittel (65%) der Banken erwarten eine Stabilisierung oder sogar steigende Zinsmargen. Dies ist eine signifikante Steigerung von fast 40%-Punkten im Vergleich zum Vorjahr mit 26%. Hintergrund hierfür ist das Erreichen des Nullzinsniveaus sowie die Erwartung, dass vorerst keine Negativzinsen eingeführt werden und die selektivere Kreditvergabe der Banken.

KMU-Finanzierungen weiterhin werthaltig – Kantonalbanken erwarten erhöhte Kreditverluste
Jede dritte befragte Bank (33%) erwartet kurzfristig, in den nächsten ein bis zwei Jahren, einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen für KMU-Kredite – dieser Wert ist allerdings unverändert gegenüber dem Vorjahr (33%). Die Kantonalbanken sind aber, wie im Vorjahr, mit Abstand am pessimistischsten: 64% der befragten Kantonalbanken erwarten kurzfristig einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen, langfristig sogar 79%. Dies liegt unter anderem daran, dass die Kantonalbanken mit einem Marktanteil je nach Kanton von teilweise über 50% in diesem Segment stärker als Hausbank für KMU-Kunden agieren und dadurch stärker exponiert sind.

Die Schweizer und Liechtensteiner Banken rechnen weiterhin mit sehr niedrigen Ausfallraten im Kreditgeschäft für Wohnbaufinanzierungen. Zwar hat sich der Anteil der Institute, die einen steigenden Bedarf an Wertberichtigungen und Rückstellungen sehen, gegenüber dem Vorjahr sowohl kurz- als auch langfristig von 7% auf 9% bzw. 14% auf 17% leicht erhöht, bleibt aber auf einem historisch tiefen Niveau.

Steigende operative Kosten belasten den kommenden Erfolg am stärksten
Mit 57% erwartet eine deutliche Mehrheit der befragten Institute in den nächsten ein bis zwei Jahren steigende Betriebskosten als grösste Belastung für ihren Erfolg. Haupttreiber sind Kosten in Zusammenhang mit dem Ausbau und Unterhaltung von IT-Systeme, sowie Investitionen in Innovation und Cybersecurity. Insbesondere das Management von Cyber-Risiken im Zusammenhang mit Drittparteien verschärft sich weiter und wird von 79% der befragten Banken als die grösste Herausforderung eingestuft. Die Erfüllung regulatorischen Anforderungen ist für manche Institute ebenfalls ein wichtiger Kostenfaktor.

Die Art und Weise, wie die Schweizer Banken externe Dienstleister nutzen, ist klar im Umbruch. Zwar setzt mit 44% noch fast die Hälfte der Institute auf klassische Auslagerung: Ein externer Anbieter erbringt definierte Aktivitäten oder Prozesse nach Kundenvorgabe. Doch rund ein Viertel nutzt bereits Managed Services: Ein externer Anbieter verantwortet das Ergebnis und trägt End-to-End-Verantwortung für eine Reihe von Prozessen und Funktionen. Die Branche befindet sich damit in einer Übergangsphase von historisch gewachsenen, fragmentierten hin zu stärker industrialisierten Betriebsmodellen.

Rascher Fortschritt bei KI-Einführung
KI ist nicht nur bei Schweizer Banken angekommen und präsent, sondern hat sich auch in der Umsetzung etabliert. Nachdem letztes Jahr noch 38% der Banken KI und deren Einführung lediglich diskutiert haben, ist dieser Anteil nun auf 22% gesunken. Mit 78% beschäftigt sich somit die grosse Mehrheit der Banken mit der Umsetzung von KI-Projekten (Vorjahr: 53%). Dies zwar in verschiedenen Reifegraden, aber auch diese haben sich in ihren Anteilen jeweils weiterentwickelt. 5% der Banken geben sogar an, KI bereits in viele Anwendungen integriert zu haben.

Marcel Zünd, Partner, Leiter Strategy & Execution Financial Services EY Schweiz sagt: «Mit zunehmender gesellschaftlicher Nutzung von KI schreitet der Strukturwandel auch im Banking zusehends schneller voran. Entscheidend wird in Zukunft die Frage sein, ob Banken den Fokus richtig setzen, und das volle Potenzial, das die Anwendung der KI im Bankgeschäft ihnen bietet, ausnutzen werden.»

Nachhaltigkeit: Quo vadis?
ESG und nachhaltige Geldanlagen haben spürbar an Dynamik verloren und es zeigte sich, dass das tatsächliche Interesse vieler Kunden geringer ausfällt als ursprünglich erwartet. Nachhaltige Finanzprodukte bleiben ein legitimer Nischenbereich, der hauptsächlich für institutionelle Investoren oder vermögende Privatkunden relevant ist. Die regulatorischen Anforderungen und die Kosten der Datenerhebung und Berichterstattung stehen für viele Banken in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Renditen. Vor diesem Hintergrund hat das Thema insgesamt an strategischer Bedeutung eingebüsst. 86% der Banken gehen davon aus, dass die Kundennachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten mittel- bis langfristig stagnieren bzw. abnehmen wird.

Die grösste Herausforderung für Schweizer Banken im Bereich Nachhaltigkeit bleibt die Nachhaltigkeits- und Klimaberichterstattung (30%), gefolgt von der Berechnung von CO₂-Bilanzen (14%), Risikomanagement und Greenwashing (je 11%). (EY/mc/ps)

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