Finma ordnet bei Sberbank Schutzmassnahmen an

Sberbank (Switzerland) in Zürich.

Bern – Die Finanzmarktaufsicht Finma hat bei der russischen Sberbank (Switzerland) wegen des Ukraine-Kriegs Massnahmen zum Schutz der Gläubigerinnen und Gläubiger angeordnet. Die Bank untersteht ab sofort einem weitgehenden Auszahlungs- und Transaktionsverbot.

Zudem ordnete die Finma eine Stundung von Verpflichtungen aus Einlagen bis am 2. Mai an, wie die Finma in einer Mitteilung vom Freitagabend schreibt. Damit verschiebt die Finma per sofort die Fälligkeit der Verpflichtungen der Bank aus Einlagen der Kundinnen und Kunden um sechzig Tage.

Weiter darf die Bank gemäss Mitteilung ohne Zustimmung der Finma keine Auszahlungen oder Transaktionen tätigen, die nicht für den operativen Betrieb als Bank nötig sind.

Die Finma verfügt die Massnahmen zum Schutz der Gläubigerinnen und Gläubiger, wie die Behörde weiter schreibt. Die Sberbank (Switzerland) riskiere wegen des Kriegs und des «sich verschärfenden internationalen Sanktionsumfelds» in Liquiditätsprobleme zu geraten.

Die Bank habe entschieden, bis auf weiteres kein Neugeschäft zu tätigen und sei daran, ihre Geschäftstätigkeit weitgehend zu restrukturieren und zu reduzieren, teilte die Aufsichtsbehörde mit.

Die Finma setze einen Untersuchungsbeauftragten ein, der insbesondere die finanzielle Stabilität der Bank, die Wahrung der Gleichbehandlung der Gläubigerinnen und Gläubiger und eine angemessene Organisation der Bank vor Ort überwacht.

Nicht direkt von Sanktionen betroffen
Die Sberbank (Switzerland) ist eine indirekte Tochter der Sberbank of Russia. Sie ist nicht direkt mit der Sberbank Europe AG verbunden, die von Sanktionen betroffen ist.

Die russische Grossbank Sberbank war eines der ersten Ziele der Finanzsanktionen gegen Moskau. Am vergangenen Wochenende hatte der Westen russische Banken aus dem internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen und Sanktionen unter anderem gegen die russische Zentralbank erlassen. Die von Sanktionen betroffene Europa-Tochter der Sberbank musste den Betrieb einstellen.

Am Freitag hatte die Bankiervereinigung mitgeteilt, dass sie neben der russischen Bank Gazprombank (Schweiz) auch Sberbank (Switzerland) per sofort aus dem Verband ausschliesst.

Gemäss Finma ist die Sberbank (Switzerland) auf Finanzierungen im Bereich Rohstoffhandel spezialisiert. Sie erwirtschaftete 2020 mit rund 100 Angestellten einen Nettoertrag von 58 Millionen Franken. Die Finma begleite die Bank weiterhin eng und kommuniziere keine weiteren Einzelheiten. (awp/mc/ps)

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