Gold: In neuem Glanz?

Von Dieter Haas, Derivative Partners Media AG, www.payoff.ch

Gold geriet seit September 2011 aus der Mode und erlitt 2013 den stärksten Kursverlust in diesem Jahrhundert. Nun zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Der Start ins neue Jahr lässt Goldanleger hoffen.

Das gelbe Metall besitzt seit Menschengedenken Währungscharakter. Es steht damit in Konkurrenz zum Papiergeld. Dessen Menge können die Notenbanken beliebig erhöhen, was sie zuletzt auch kräftig taten. Gold lässt sich dagegen nicht einfach aus dem Hut zaubern. Seine jährliche Produktion war in den letzten Jahren sogar leicht rückläufig. Wegen der ausufernden Verschuldung der westlichen Industriestaaten setzten die Edelmetalle zwischen 2005 und 2011 zu einem regelrechten Sturmlauf an. Sie wurden damit eine ernste Bedrohung für die üblichen Zahlungsmittel, zumal sich gegenüber diesen ein schleichender Vertrauensverlust bemerkbar machte. Speziell die USA mit dem als Weltwährung fungierenden US-Dollar sahen die eingetretene Entwicklung mit Sorge. Durch offensichtliche, allerdings schwer nachweisbare Marktmanipulationen über die Futures Börse COMEX gelang es ihnen, der Hausse die Spitze zu brechen. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wurden dabei die Goldminenaktien (NYSE Arca Gold Bugs Index), am wenigsten unser Schweizer 10er-Vreneli. Es profitierte von seinem Raritätencharakter.

Preisrückgang löst Rekordkaufvolumen aus

Der gesunkene Goldkurs liess die Nachfrage jedoch regelrecht explodieren. Die Anleger stürzten sich förmlich auf das gelbe Metall und fragten in grossen Mengen Münzen nach, getreu dem Motto «Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles». Gleichzeitig erhöhten etliche Notenbanken der Schwellenländer ihren Goldanteil, allen voran China. Alleine im letzten Jahr flossen riesige Volumen über die Drehscheibe Schweiz in Richtung Osten. Die China Gold Association berichtete, dass Chinas Goldnachfrage im vergangenen Jahr um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1‘176 Tonnen gestiegen sei. Dabei wurden 1‘158 Tonnen über Hong Kong importiert, doppelt so viel wie 2012. Der Lagerbestand an physischem Metall an der COMEX schrumpfte dadurch gewaltig. Die Menge an physisch auslieferbarem Gold (Registered) ist inzwischen auf ein sehr tiefes Niveau abgesunken. Einige Auguren erwarten daher in Bälde Lieferschwierigkeiten für die COMEX.

Eigentümlich mutet an, dass Deutschland im abgelaufenen Jahr nur 37 Tonnen der bis 2020 vorgesehenen Rückführung von 674 Tonnen der in den USA (300 Tonnen) und Frankreich (374 Tonnen) gelagerten Bestände abwickeln konnte. Dabei wurden zusätzlich Teile des Bundesbank-Goldes vor dem Transport nach Deutschland umgeschmolzen. Offenbar nutzten insbesondere die Amerikaner das Gold der Deutschen zu anderen Zwecken. Sie konnten die ursprünglichen Barren nicht liefern und mussten neue Barren herstellen. Das ist Wasser auf die Mühlen der Skeptiker, die schon seit Längerem behaupten, dass die USA das von ausländischen Nationen bei ihnen gelagerte Gold nicht mehr haben oder es verliehen wurde. «Wo Rauch ist, da kann bekanntlich auch Feuer sein.»

«Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.»

Last but not least prüfen die Aufsichtsbehörden in Europa nun auch die Prozesse bei der Preisfestlegung für Silber und Gold. Die Prüfungen der Behörden richten sich gegen eine Hand voll europäischer Banken, welche täglich in London die Preise für beide Edelmetalle festlegen. Beim Anblick der erstaunlich regelmässigen Intra-Day-Kursentwicklung (http://www.geheime-goldpolitik.de/grafiken/) sowie bereits aufgedeckter Manipulationen u.a. im Zinsbereich kann ein Fehlverhalten der Finanzinstitute nicht ausgeschlossen werden.

Nach der Krise ist vor der Krise

Unterstützung erhielt der Goldpreis zuletzt von den Währungseinbrüchen in diversen Schwellenländern. Diese führten dazu, dass der Goldpreis in einigen Ländern wie Argentinien oder Türkei neue Rekordstände erreicht hat oder nur noch geringfügig darunter liegt. Es zeigt zugleich, wie brüchig das globale Gefüge nach wie vor ist. Würden jetzt noch die seit Spätsommer 2011 haussierenden Börsen einknicken, wäre die zweieinhalbjährige Baisse des Goldpreises wohl endgültig Schnee von gestern.

Das 2013 dominierende Schreckgespenst des «Tapering» in den USA (Verringerung der Geldschwemme) hat mittlerweile seine Wirkung verloren. Bereits heute zeichnen sich erste Schwächezeichen in der Wirtschaft von Uncle Sam ab. Sollten sie sich in den kommenden Wochen verstärken, dürfte erneut zum probaten Mittel der Liquiditätsausweitung gegriffen werden.

Positive Signale für den Goldpreis

Ein klares Indiz für das wiedergewonnene Anlegerinteresse widerspiegelt die seit Jahresbeginn erfolgte Höherbewertung der Aktien kleiner Minenwerte. Sie waren 2013 die mit Abstand schlechteste Anlageklasse. Nach dem Jahrhunderttief besteht jetzt eine Jahrhundertchance. Der Sektor ist fundamental betrachtet (Kurs-/Gewinn-Verhältnis, Kurs-/Umsatz-Verhältnis u.a.) so billig wie schon lange nicht mehr. Kein Wunder beginnen Schnäppchenjäger und Gurus wie George Soros u.a., Positionen aufzubauen. Am offensichtlichsten lässt sich das am dreifach gehebelten ETF von Van Eck Global (www.direxionshares.com) mit dem Kürzel JNUG ablesen. Hier stürzten sich die Investoren seit Jahresbeginn förmlich auf die Anteile. Hohe Volumina, steigende Kurse sowie das Durchbrechen wichtiger technischer Marken belegen die offensichtliche Trendumkehr. Da in der Vergangenheit die Goldminenwerte häufig eine Führungsrolle in der künftigen Entwicklung innehatten, spricht vieles für eine Neubewertung des Edelmetallsektors. Der enorme Nachholbedarf selbst im Vergleich zu Gold verdeutlicht das Goldminen/Gold-Ratio. Es lag im Juni 2013, berechnet auf dem Barron‘s Gold Mining Index, unter 0,5. Normalerweise bewegt sich diese Verhältniszahl zwischen 1 und 2. Das letzte Mal, als derart tiefe Werte registriert wurden, war im April 1942.

Nachdem es der Goldpreis Mitte Februar schaffte, seine hartnäckige Widerstandszone um USD 1‘270 pro Unze zu durchbrechen, stehen kurzfristig alle Signale auf Grün. Die Trendumkehr dürfte vermutlich im zweiten Quartal nochmals auf Herz und Nieren geprüft werden. Das böte all denjenigen, die den Zug verpasst haben, nochmals die Gelegenheit für einen günstigen Einstieg.

Breite Palette an Anlagealternativen

An Produkten mangelt es nicht, auch wenn es durchaus weisse Flecken gibt. Im Bereich der ETFs dominiert der erste in der Schweiz aufgelegte Fonds der ZKB mit dem Kürzel ZGLD (Verwaltungsgebühr 0,48%, Spread 0,05%) volumenmässig das Marktgeschehen. Einen vorderen Platz in der Hierarchie hat sich JBGOCA, der erste CHF-gehedgte ETF auf physisch gedecktes Gold der Bank Julius Bär, gesichert.

Bei Goldmineninvestionen zählen der ETF der Deutschen Bank mit dem Tickersymbol AUCO (Verwaltungsgebühr 0,65% p.a., Spread 3,73%) sowie die beiden Tracker-Zertifikate AURUM und JHUIZ zum Favoritenkreis. Sie ermöglichen eine breit diversifizierte Partizipation an den Blue Chips (AUCO und AURUM) sowie an den kleinen und mittelgrossen Gesellschaften der Branche (JHUIZ). Letztere weisen auf längere Sicht betrachtet das grösste Kurgewinnpotenzial auf. AURUM überzeugt mit geringen jährlichen Kosten von 0,10%. Der offerierte Spread liegt dafür an der oberen Grenze. JHUIZ verrechnet keine jährlichen Gebühren und wird mit einem engeren Spread gehandelt, dafür ist das Marktsegment der Juniors schwankungsanfälliger. Spekulativ veranlagte Investoren mit einer hohen Risikobereitschaft finden in den beiden ETFs NUGT und JNUG des Anbieters Van Eck Global das Instrument ihrer Wahl. Der Erstgenannte widerspiegelt die dreifache Kursentwicklung des Market Vectors Junior Gold Miners Index, NUGT diejenige des NYSE Arca Gold Miners Index. Den erhöhten Chancen stehen im Falle einer Fehleinschätzung allerdings deutlich höhere Risiken gegenüber. Die Kursentwicklung seit März 2013 des NUGT spricht hierfür eine klare Sprache.

«Goldminenaktien sind, fundamental betrachtet, sehr günstig bewertet.»

Nachdem bis vor Kurzem die meisten Finanzhäuser Gold und Goldminen keine rosige Zukunft prophezeiten, dürften die jüngsten Entwicklungen zu einem allmählichen Umdenken führen. Wie so oft bei Anlagen scheint es wieder einmal anders zu kommen als viele dachten.

Kurz erklärt: Gold war das bevorzugte Edelmetall der Schweizer an den Olympischen Winterspielen in der Schwarzmeerstadt Sotchi. Sechsmal schafften es Athleten oder Athletinnen unseres Landes, zuoberst auf dem Podest zu stehen. Der Wert der Medaille hat zwar vorwiegend symbolischen Charakter. Dass gerade Gold als Metall für die Sieger gewählt wird, kommt jedoch nicht von ungefähr. Es dokumentiert den hohen Stellenwert, den es in der Gesellschaft geniesst. Nach einer längeren Durststrecke scheinen auch die Anleger das Edelmetall wieder zu entdecken. Goldminenaktien erzielten im ersten Monat 2014 die grössten Kursgewinne. Auch wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, wird das Januar-Barometer («Wie der Januar, so das ganze Jahr») aufgrund seiner statistisch hohen Eintrittswahrscheinlichkeit selbst von Profis beachtet. Ähnlich den zwei Überraschungssiegern in der Frauen-Abfahrt und in der Männer-Kombination, die für ihre langjährigen Bemühungen reich entschädigt wurden, könnten 2014 Besitzer von Goldminenaktien die Nase vorn haben.

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