Martin Ebner verkauft seine BZ Bank nach Graubünden

(Bild: BZ Bank)

Chur / Wilen – Der bekannte Investor Martin Ebner verkauft die Mehrheit seiner BZ Bank. Die Graubündner Kantonalbank (GKB) übernimmt 70 Prozent des Instituts, welches bisher vollständig im Besitz von Ebner und seiner Frau Rosmarie war.

Ebner hatte das Institut 1985 gegründet. Sie war danach Dreh- und Angelpunkt seiner Aktivitäten. Schon 2018 hatte er allerdings die operative Leitung der Bank abgegeben. Die BZ Bank und Martin Ebner wollten sich auf Anfrage von AWP nicht zu den Gründen für den Verkauf äussern.

Angaben zum Preis wurden weder von Ebner noch von der GKB gemacht. «Es macht uns ein bisschen stolz, dass Ebner uns sein Lebenswerk anvertraut hat», sagte jedoch GKB-CEO Daniel Fust im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Die restlichen 30 Prozent der BZ Bank verbleiben laut Fust bei Martin Ebner. Es sei ein starkes Zeichen, dass er weiterhin mit der Bank verbunden sein werde.

Ergänzung des Geschäfts
Die beiden Banken sind laut Fust gegenseitig aufeinander aufmerksam geworden. Nach einem längeren Kennenlernen sei die Erkenntnis gereift, dass man die gleichen Werte teile und eine Zusammenarbeit für beide Parteien von Vorteil sei.

Durch die Beteiligung steigt das bei der GKB betreute Kundenvermögen auf über 50 Milliarden Franken. Per Ende Jahr hat die GKB betreute Kundenvermögen von 47,5 Milliarden ausgewiesen.

Zudem ergänze die Beteiligung das bestehende Geschäft der GKB. Vor allem der Bereich Private Equity sei bisher ein «blinder Fleck» gewesen. «Für uns war es eine gute Fügung, dass man über die BZ Bank an diese Expertise kommt», sagte Fust weiter.

Vor der dem Entscheid zur Beteiligung an der BZ Bank hat die GKB gemäss Fust eine umfangreiche Risikoanalyse durchgeführt, auch in Bezug auf mögliche Reputationsschäden. «Wir sind der Überzeugung, dass wir allfällige Risiken gut im Griff haben», betonte Fust.

Prediger des Shareholder Value
Ebner ist eine schillernde Figur. In den Neunzigerjahren machte der «Mann mit der Fliege» eine steile Karriere. Er übte damals als Grossaktionär bei verschiedenen Schweizer Unternehmen Druck aus. Kritiker sahen ihn ihm einen Vertreter eines kurzfristig orientierten Shareholder Value. Andere sahen ihn als denjenigen, der gegen Filz angetreten war.

Aufsehen erregte er 1995 sein Machtkampf mit dem Management der UBS. Auch mit den Roche-Besitzern legte er sich an, scheiterte aber mit dem Antrag auf Schaffung einer Einheitsaktie und verkaufte später sein 20-Prozent-Paket an Novartis. Zeitweise sass er auch in Verwaltungsräten grosser Konzerne, etwa ABB oder Lonza.

Ebenfalls in den Neunzigerjahren propagierte Ebner das Aktiensparen. Seine Anlagevehikel, die sogenannten Visionen, verkaufte er dann aber 2002 an die Zürcher Kantonalbank – was Analysten mit finanziellen Problemen erklärten.

Helvetic-Besitzer
In den letzten 20 Jahren wurde es ruhiger um den bald 77-Jährigen. Er beteiligte sich aber vor allem via seine Beteiligungsgesellschaft Patinex an diversen Unternehmen, etwas Vifor oder Temenos.

Bekannt ist er heute aber vor allem für seine Fluggesellschaft Helvetic. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz schätzte sein Vermögen zuletzt auf 3 bis 3,5 Milliarden Franken. (awp/mc/ps)

Exit mobile version