IHAG-Kommentar: Diverse Risiken reduzieren sich

Symbolbild IHAG Privatbank

Zürich – +2.7% im S&P 500, +2.6% im SMI und +1.2% im DAX lautet die Wochenperformance. Das Fed liess wie erwartet am Mittwoch das Wort „geduldig“ weg und signalisierte damit einen kommenden Zinsanstieg. Doch gleichzeitig wurde die Höhe des erwarteten Schlüsselzinssatzes per Ende 2015 auf 0.625% reduziert, was eine nur allmählich Zinserhöhung impliziert. Nach kurzen, nervösen Ausschlägen fanden die meisten Märkte wieder in ihren früheren Trend zurück.

Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken in den USA von 2.12% auf 1.93%, weil vorher wohl ein zu schneller Anstieg eingepreist wurde. In Deutschland sanken die Zehnjährigen 10 Basispunkte auf 0.18%. In der Schweiz dagegen gab es kaum Bewegungen.

Nach einem kurzen Ausschlag von 1.06 auf 1.10 sank der EUR/USD wieder zurück auf 1.07. Zum CHF schwächte sich der USD wieder unter die Parität ab und sank auf 98 Rappen. Der EUR/CHF blieb dagegen in ruhigen Gewässern, gab aber leicht auf 1.055 nach.

Ölpreis weiter schwach
Gold konnte sich von den tiefen Kursen bei USD 1150 lösen und stieg mit dem etwas schwächeren Dollar auf USD 1185 pro Unze. Der Ölpreis blieb schwach, konnte sich aber über die letzten Tage auf tiefem Niveau stabilisieren: WTI bei USD 45 das Fass und Brent bei USD 54. In der US-Schieferölindustrie wurden wegen des Preisrutsches schon einige Bohrungen aufgegeben, doch ist dies im weiterhin hohen Angebot nicht spürbar. Der WTI-Preis wird in Cushing, dem Haupthandelspunkt des Leichtöls, gebildet. Dort kommt Öl aus Kanadas Ölsanden ebenso an wie Lieferungen aus den US-Schieferölvorkommen. Anfang Oktober 2014 lagen die Bestände bei gut 19 Mio. Barrel, heute sind es über 51 Mio. Diese üppig gefüllten Lager in den USA belasten den Ölpreis und stehen einer markanten Erholung im Wege.

Fed-Chefin Yellen «taubenhaft»
Der Offenmarktausschuss (FOMC) des FED hat am Mittwoch beschlossen, dass ab Mitte Juni dieses Jahres (nach über sechs Jahren der Nullzinspolitik) der Leitzins wieder erhöht werden könnte. Allerdings will man sich noch nicht auf einen Termin festlegen, sondern weiter die Inflation und den Arbeitsmarkt beobachten. Zudem wurden die Prognosen bezüglich GDP-Wachstums und der Höhe des Zinsniveaus zurückgenommen. Somit waren die Interpretationen gemischt. Die Zinsen werden nun steigen, aber wohl weniger, als bisher erwartet. Dies hat beim EUR/USD kurz zu einem heftigen Einbruch von fast 4% geführt, bevor er sich dann wieder in die Nähe des Ausgangspunktes zurückarbeitete. Die Märkte interpretierten die Aussagen der Notenbank-Chefin Yellen als „taubenhaft“, die Kurse von Aktien und Anleihen, ebenso wie der Goldpreis legten zu, der Dollar gab etwas nach. Der dreifache Verfall an den Terminmärkten warf keine grossen Wellen.

Wie weiter?
Die Frage ist nun, wie es weiter geht. Es fehlen die News und Impulse. Die Jahresberichte sind durch, das FED wird bis im Juni nichts mehr unternehmen und in der Ukraine bleiben die Fronten. Die Griechen scheinen doch nicht bis zum bitteren Ende pokern zu wollen und Tsipras wird eine Liste weiterer Massnahmen vorlegen. Charttechnisch und psychologisch warten viele Investoren auf eine Korrektur, um im verpassten Börsenzug aufzuspringen. Es ist aber denkbar, dass diese nur gering ausfällt oder wir ein paar Tage oder Wochen einfach nur konsolidieren, was die Basis für weitere Kursavancen legen würde.

Europas Börsen hoch- oder sogar Überbewertet
Die europäischen Börsen und insbesondere der DAX sind nach dem Kursfeuerwerk historisch hoch- oder gar überbewertet. Allerdings nicht in Relation zum Zinsniveau, gemessen an der Risikoprämie (Kehrwert P/E, also Gewinnrendite E/P minus Zins). Im DAX ergibt dies für das laufende Jahr eine Gewinnrendite von 6.6%, welche ausgeschüttet werden könnte. Die effektive Dividendenrendite beträgt aber nur 2.6% und hätte angesichts der soliden Bilanzen noch Potential. Auch helfen die tiefen Zinsen bei der Finanzierung von Akquisitionen. Geberit hat soeben eine Anleihe über EUR 500 Mio. zu 0.75% begeben und finanziert damit einen Teil der Übernahme von Sanitec, welche ein P/E von knapp 15x aufweist. Somit wäre die Zusatzrendite für Geberit 6.6% (Gewinnrendite als Kehrwert des P/E) minus 0.75% Finanzkosten, ergibt rund 6% Rendite auf der Akquisition. Der Kauf von auf den ersten Blick teuren Unternehmen kann bei entsprechender Finanzierung Sinn machen und ist ein Faktor, welcher die Börsen antreibt. Zudem nimmt die Konjunktur in Europa Fahrt auf oder sollte es noch, unterstützt durch den tiefen Euro und Ölpreis. Somit stimmt die Richtung bei den Gewinnentwicklungen der Unternehmen.

SPS im Fokus
Interessant erscheint uns nach einer ersten Korrektur SPS. Die Immobilienfirma ist solide finanziert, hat einen stabilen Ertrag aus Mieteinnahmen und kann damit die stetige Dividende decken. Die Dividendenrendite beträgt 4.3%, quellensteuerfrei aus Kapitalrückzahlung. Die Fantasie um den neuen CEO sowie das gute Kursmomentum könnten Credit Suisse weiter nach oben bringen, unterstützt vom Trend wieder steigender Bankaktien in Europa. (IHAG/frp/mc/ps)

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