Japan: Zentralbank reagiert mit Rekord-Geldspritze

Masaaki Shirakawa

Notenbankgouverneut Masaaki Shirakawa.

Tokio – Die japanische Notenbank (BoJ) will mit einer Rekord-Geldspritze die Folgen der Erdbeben, des Tsunamis und der nuklearen Katastrophe wirtschaftlich in den Griff bekommen. Sie will die Rekordsumme von insgesamt 15 Billionen Yen (rund 130 Mrd Euro) in den Geldmarkt pumpen. Von der Finanzspritze stünden zwölf Billionen Yen sofort zur Verfügung, weitere drei Billionen Yen sollten spätestens am Mittwoch folgen, hiess es am Montag in Tokio.

Am Morgen hatte die Notenbank bereits sieben Billionen Yen der Gesamtsumme bereitgestellt. Kurz danach folgte weitere fünf Billionen. Zudem kündigten die Währungshüter nach ihrer Sitzung am Montag an, das Volumen für den Aufkauf von japanischen Staatsanleihen deutlich zu erhöhen. Damit greift die japanische Notenbank deutlich stärker ein als noch am Wochenende erwartet. Am Sonntag wurde darüber spekuliert, dass die Währungshüter den Märkten kurzfristig bis zu drei Billionen Yen zur Verfügung stellen werden. «Wir werden die Verfassung der Finanzmärkte genau studieren und werden diese am Montagmorgen mit ausreichend Liquidität versorgen», hatte der Notenbank-Gouverneur Masaaki Shirakawa am Sonntag in Tokio gesagt. Die Regierung kündigte unterdessen an, alles dafür zu tun, um Finanzmarkt-Spekulationen infolge des Erdbebens und des Tsunamis zu verhindern.

Dramatische Verluste am Aktienmarkt
Am Aktienmarkt kam es am ersten Handelstag nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami zu drastischen Verlusten. Der Nikkei-Index für die 225 führenden Werte stürzte am Montag unter die psychologisch wichtige 10.000-Punkte-Marke. Im Morgenhandel verlor der asiatische Leitindex zunächst 4,53 Prozent auf 9789,55 Punkte. Nach Meldungen über eine neue Explosion im Unglückskraftwerk Fukushima sank der Nikkei weiter und rutschte um 6,27 Prozent auf 9.611,36 Punkte ab. Der breiter angelegte Topix gab zuletzt 7,5 Prozent auf 856,83 Punkte nach.

Rezession droht
Der Dollar wurde mit 82,17-20 Yen gehandelt, deutlich schwächer nach 82,78-81 Yen am Freitag. Der Euro notierte zum Yen schwächer mit 114,52-56 Yen nach 114,32-36 Yen vor dem Wochenende. Zum Dollar war der Euro stärker bei 1,3930-39 Dollar nach 1,3899-3909 Dollar. Atsushi Saito, Chef der Börse in Tokio, versprach, der japanische Aktienhandel werde auch nach den katastrophalen Ereignissen in seinem Land weiter geführt. Die Folgen des Erdbebens, des Tsnunamis sowie der nuklearen Katastrophe sind derzeit schwer einzuschätzen. Viele Experten fürchten, dass die weltweit zu den grössten Volkswirtschaften zählende Nation in eine Rezession rutscht.

Fast stündlich neue Hiobsbotschaften
Bereits am Freitag hatte das Erdbeben, das sich in den letzten Handelsstunden des Handels ereignet hatte, für deutliche Kursverluste an der Tokioter Börse gesorgt, obwohl die Folgen während der Handelszeit noch nicht deutlich sichtbar waren. Der Nikkei-225-Index rutschte zum Wochenausklang um 1,72 Prozent auf 10.254,43 Punkte ab. Inzwischen hat sich die Lage in vielen Landesteilen und vor allem in einigen Atomkraftwerken des Landes drastisch verschlimmert. Das Erdbeben der Stärke 9,0 und der verheerende Tsunami haben in Japan wohl Zehntausende Menschen in den Tod gerissen und das Land in eine atomare Katastrophe gestürzt. Fast stündlich kommen neue Hiobsbotschaften.

Heftiges Nachbeben
Am Montag erschütterte ein heftigen Nachbeben die Region. Infolge dessen kam es zu einer zweiten Explosion in einem Atomreaktor das Unglückskraftwerk in Fukushima. Nach Angaben der Regierung soll die Stahlhülle des Reaktorblocks 3 aber standgehalten haben. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, handelte es sich um eine Wasserstoffexplosion. Eine solche Detonation hatte es bereits am Samstag im Reaktorblock 1 gegeben. Ob es bereits zu Kernschmelzen gekommen ist, war nach widersprüchlichen Angaben auch am Montag noch unklar. (awp/mc/ps)

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