Julius-Bär-CEO erhält Totalentschädigung von 24 Millionen Franken

Stefan Bollinger, CEO Julius Bär. (Foto: Julius Bär)

Stefan Bollinger, CEO Julius Bär. (Foto: Julius Bär)

Zürich – Bei der Privatbank Julius Bär erhält CEO Stefan Bollinger eine Entschädigung von 24 Millionen Franken zugesprochen. 40 Prozent davon sind die Lohnzahlung für das vergangene Geschäftsjahr 2025, die restlichen 60 Prozent sind eine Entschädigung für entgangene Zahlungen bei seinem früheren Arbeitgeber Goldman Sachs.

Wie dem am Montag veröffentlichten Geschäftsbericht zu entnehmen ist, erhielt Bollinger für seine operative Tätigkeit im vergangenen Jahr eine Gesamtzahlung von 8,27 Millionen Franken, wobei das fixe Grundgehalt 1,49 Millionen ausmacht.

Dazu kommt eine «Ablösesumme» von 14,76 Millionen für entgangene Entschädigungen bei seinem früheren Arbeitgeber Goldman Sachs. Zusammen ergibt das eine zugesprochene Entschädigung von 23,96 Millionen. Bollinger trat sein Amt bei Julius Bär am 9. Januar 2025 an.

Ganz überraschend kommt die hohe Entschädigung für den CEO nicht. Bollinger arbeitete rund 20 Jahre für die US-Investmentbank Goldman Sachs und war dort zuletzt Co-Leiter der Vermögensverwaltung für Europa, den Mittleren Osten und Afrika in London. Für diese Jahre hatte er aktienbasierte Entschädigungen mit längeren Sperrfristen erhalten, die beim Wechsel zu Julius Bär entsprechend verfielen. Die Schweizer Bank musste daher tief in die Tasche greifen, um Bollinger dafür zu entschädigen.

Bereits bei letzter Generalversammlung ein Thema
Die Entschädigung hatte bereits bei der letztjährigen Generalversammlung für Kritik gesorgt. Der Stimmrechtsberater Ethos wehrte sich damals gegen einen Antrag in diesem Zusammenhang. Der Verwaltungsrat hatte nämlich im Hinblick auf die Ernennung eines neuen CEO und potenzielle Zahlungen für entgangene Boni bei früheren Arbeitgebern von den Aktionären deutlich mehr Spielraum beantragt.

Die Ernennung eines neuen Konzernchefs bei Julius Bär steht im Zusammenhang mit der sogenannten Signa-Affäre des österreichischen Investors René Benko. Wegen hoher Abschreibungen von Signa-Krediten im Umfang von über 600 Millionen Franken musste der frühere Bär-CEO Philipp Rickenbacher zurückgetreten. Ausserdem wurde mit Noel Quinn, dem ehemaligen CEO der Bank HSBC, letztes Jahr auch ein neuer Präsident gewählt.

Quinn hat für sein Amt eine Gesamtentschädigung von 1,96 Millionen Franken erhalten, wobei der Cash-Anteil 0,55 Millionen ausmachte. Der gesamte Verwaltungsrat wurde 2025 mit 4,38 Millionen Franken entschädigt, nach 3,27 Millionen im Jahr davor.

Die ganze siebenköpfige Geschäftsleitung der Privatbank erhielt für 2025 Zahlungen in der Höhe von 24,92 Millionen Franken, wobei Entschädigungen für frühere Geschäftsleitungs-Mitglieder nicht gezählt wurden. Bollinger hatte als einen ersten Schritt nach seinem Amtsantritt die Geschäftsleitung deutlich verkleinert. Inklusive der Entschädigung für die entgangenen Boni an Bollinger erhielt die Geschäftsleitung 43,43 Millionen Franken.

Hohe Löhne immer wieder ein Thema
Die hohen Entschädigungen sind schon seit langem ein Aufreger-Thema in der Schweiz und hatten 2013 zur Annahme der sogenannten «Abzocker-Initiative» geführt. Zwar sind Lohnexzesse – so hatte der frühere Novartis-Chef Daniel Vasella bei seinem Abgang ein Paket über 72 Millionen Franken zugesprochen erhalten – seither nicht mehr möglich, allerdings sind die Löhne mittlerweile wieder sehr hoch.

UBS-Chef Sergio Ermotti beispielsweise erhielt für 2025 eine Entschädigung von 14,9 Millionen Franken und damit gleich viel wie im Jahr davor. In Anbetracht der hitzig geführten Kapital-Diskussion hatte der Verwaltungsrat auf eine Erhöhung trotz eines markanten Gewinnanstiegs der Bank verzichtet.

Sehr hohe Löhne werden sonst vor allem auch in der Pharmaindustrie bezahlt. Novartis-Chef Vas Narasimhan übertraf im vergangenen Jahr die 20-Millionen-Grenze mit 24,9 Millionen Franken deutlich. Der in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegene Aktienkurs hatte den Wert der langfristigen Boni in die Höhe getrieben. (awp/mc/ps)

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