Keine Neuwahlen in Italien: Finanzmärkte reagieren erleichtert

Italien

(Foto: Pixabay)

Mailand / Madrid / Paris / Frankfurt – Die Aussicht auf eine Regierung in Italien und die daraus folgende Vermeidung von Neuwahlen ist an den südeuropäischen Finanzmärkten mit Erleichterung aufgenommen worden. An den dortigen Anleihemärkten gingen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen am Freitagvormittag deutlich zurück. Die Aktienmärkte reagierten europaweit mit Kursgewinnen. Der Euro profitierte dagegen nur leicht von der Entwicklung.

An den Aktienmärkten herrschte vor allem in Mailand gute Stimmung: Der Leitindex FTSE MIB zog um rund 2,5 Prozent an und machte damit zumindest einen kleinen Teil seiner seit Mitte Mai erlittenen Kursverluste wieder wett. Gewinne von gut 1 Prozent verzeichneten die Handelsplätze in Paris und auch in Madrid , obwohl der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy wegen eines Misstrauensvotums kurz vor der Abwahl steht. Europaweit griffen die Anleger vor allem bei den zuletzt stark gebeutelten Bankaktien zu.

In Italien fiel die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen im Vormittagshandel um 0,16 Prozentpunkte auf 2,58 Prozent. Zweijährige Staatspapiere rentierten mit 0,50 Prozent, das waren 0,41 Punkte weniger als am Donnerstag. Die stärkere Reaktion in der kurzen Laufzeit signalisiert, dass die italienische Politkrise vor allem als kurzfristiges Risiko wahrgenommen wurde. In anderen Südländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland gingen die Renditen ebenfalls zurück, allerdings weniger stark als in Italien.

Sichere Anlagen wieder weniger gefragt
Als sicher empfundene Wertpapiere waren dagegen wesentlich weniger gefragt. Deutsche Bundesanleihen, die an den Märkten als eine der sichersten Anlagen überhaupt gelten, wurden gemieden. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten deshalb 0,04 Punkte höher mit 0,38 Prozent. Die Zinsdifferenz zwischen Bundesanleihen und südeuropäischen Papieren verminderte sich deutlich. Dieses Mass, auch als Risikoaufschlag bezeichnet, gilt als Richtschnur für die Risikofreude der Anleger.

Am Markt wurde die Entspannung in Südeuropa vor allem mit der Vermeidung von Neuwahlen in Italien begründet. Laut Umfragen hätte davon vor allem die rechtsnationale und eurokritische Lega profitiert. An diesem Freitag soll die Vereidigung der neuen Koalition aus Fünf Sterne und Lega vonstatten gehen, die von dem Rechtsprofessor Giuseppe Conte als Ministerpräsident geleitet werden soll.

Bankanalysten hoben jedoch hervor, dass von Entwarnung keine Rede sein könne. Die neue Regierung dürfte auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union gehen, kommentierte Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. «Die Krise könnte wieder hochkochen.» Die Volkswirte der BayernLB hoben hervor, dass erstmals seit Gründung der Währungsunion die Regierung eines grossen Landes von Parteien gestellt werde, die in fiskalischer Hinsicht gegensätzliche Ansichten zu den Regeln der Währungsunion hätten. (awp/mc/ps)

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