Seit Mitte des 20. Jahrhunderts war der weltweite Energiebedarf mit der Elektrifizierung konstant um 3 bis 4 % pro Jahr gewachsen. Nun jedoch erzeugen die massive Zunahme von Rechenzentren und der absehbare Boom bei humanoiden Robotern eine solch hohe Nachfrage, dass Energie in bestimmten Weltregionen mittelfristig knapp sein wird. Welche Sektoren und Unternehmen werden von diesem nie dagewesenen Anstieg profitieren?
Kommentar von Pierre Schang, Co-Leiter des Bereichs Impact und Umwelt und Fondsmanager, LFDE
Erneuerbare Energien: schnell einsetzbar
Die massive Zunahme von Rechenzentren in den Vereinigten Staaten führt zu einem starken Anstieg der Stromnachfrage und -preise. Das Land ist daher gezwungen, neue Stromerzeugungskapazitäten bereitzustellen. Vor diesem Hintergrund werden die Karten neu gemischt und es ergeben sich neue Chancen für die Anbieter erneuerbarer Energien – Brookfield Renewables, HASI –, die hier viele Vorteile bieten: Sie sind nicht nur günstig, sondern lassen sich auch einfach und schnell einsetzen. Ein Wind- oder Solarpark kann innerhalb von weniger als zwei Jahren ans Netz gehen und der Verkaufspreis liegt zwischen 40 und 80 US-Dollar. Die Bauzeit eines Atomkraftwerks beträgt hingegen zehn bis zwanzig Jahre bei einem Verkaufspreis zwischen 80 und 140 US-Dollar, und bei einem Gaskraftwerk sind es wegen der weltweiten Knappheit von Gasturbinen über sechs Jahre, bei einem Verkaufspreis zwischen 50 und 110 US-Dollar. In Europa geht der Bau von Rechenzentren zwar weniger schnell voran, doch die Energiesouveränität hat hier eine größere Bedeutung als jenseits des Atlantiks. Vor diesem Hintergrund verabschiedete die EU-Kommission 2022 den REPowerEU-Plan. Sein Ziel ist es, den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix der EU bis 2030 auf 42,5 % zu steigern, was zum Wachstum von Unternehmen wie EDPR oder Orsted beiträgt.
Stromtransport
Der Wandel des Energiemix hin zu mehr Elektrizität bedeutet eine hohe Belastung der Transportnetze, da ihre Kapazität, Zuverlässigkeit und Größe der Entwicklung hinterherhinken. Besonders offensichtlich wurde dies im Zuge des gigantischen Blackout auf der iberischen Halbinsel im April 2025. Die Aufrüstung der Netze durch Akteure wie beispielsweise Elia erfordert eine nie dagewesene Investitionswelle. Gleichzeitig stellen die von Land zu Land unterschiedlichen Zusammensetzungen der Energieressourcen einen Anreiz dar, die Netze miteinander zu verknüpfen, wofür Hightech-Kupferkabel benötigt werden (Prysmian).
Die nächste Herausforderung: humanoide Roboter
Die rasche Elektrifizierung der Industrie, die vor allem von der Nutzung der KI in den Produktionsprozessen angetrieben wird, und der Bau Tausender Rechenzentren weltweit lösen einen Wachstumsschock für in diesem Bereich tätige Akteure, wie Schneider Electric oder Eaton, aus. Dieser Schock wird sich durch die humanoiden Roboter (UBTech, Tesla) noch verstärken. Diese werden die gesamte Wertschöpfungskette der Elektrifizierung beanspruchen. Die Analysten von Morgan Stanley rechnen damit, dass es 2050 rund eine Milliarde Humanoide geben wird, die auf elektronische Bauteile und Hochleistungsbatterien angewiesen sind.
Die Elektrifizierung der Welt wird dank der überall zu beobachtenden Innovationstätigkeit voranschreiten. Zur KI-Einführung, die einen der wichtigsten kurzfristigen Katalysatoren darstellt, werden angesichts der entstehenden Industrie 5.0 und der zunehmenden Bedeutung der humanoiden Roboter ab 2035 wesentliche Wachstumsträger hinzukommen. Diese Entwicklung stellt ein nie dagewesenes Potenzial für selektive Anleger dar. (LFDE/mc/hfu)
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