Zürich – Die Experten der Rückversicherung Swiss Re rechnen mit einem sich abschwächenden Wachstum in der Versicherungsbranche weltweit. Grund dafür sei der jüngste Konflikt im Nahen Osten, der sich zum vierten grossen Angebotsschock in sechs Jahren entwickelt habe und die Wirtschaft bremse, heisst es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie.
Das reale globale BIP-Wachstum werde sich 2026 auf 2,5 Prozent nach 3,0 Prozent im Vorjahr abschwächen, dies bei einer Inflation von 4,0 Prozent, heisst es in der vom Swiss Re Institute veröffentlichten Sigma-Studie. Davon ausgehend sinke das reale Gesamtwachstum der Versicherungsprämien auf 1,3 Prozent von 3,9 Prozent ab. Für 2027 rechnen die Experten für die Branche mit einem etwas stärkeren Wachstum von 1,6 Prozent.
Bremsspuren im Nichtlebengeschäft
Besonders von der gedämpften Konjunktur betroffen ist die Nichtlebenversicherung, auch weil der Preiswettbewerb hart bleiben werde, hiess es. Für 2026 erwartet das Institut bei den weltweiten Nichtlebenprämien nur noch mit einem realen Wachstum von 0,6 Prozent, was klar unter dem langfristigen Trend von 3,6 Prozent liege. Vor allem in Industrieländern werde der Abschwung zu spüren sein, während das Geschäft in Schwellenländern widerstandsfähig bleibe.
In den kommenden Jahren dürfte sich das Wachstum dann aber wieder beschleunigen, so die Experten. Denn je länger der Inflationsdruck wegen des Nahost-Konflikts anhalte, umso stärker werde das auf die Reparatur-, Wiederbeschaffungs- und Haftungskosten durchschlagen. Das gleiche den Abwärtsdruck auf die Preise teilweise aus.
Trotz sinkendem Preisniveau und steigender Schadeninflation sollten die Nichtlebenversicherer aber profitabel bleiben. Das Swiss Re Institute rechnet für 2026 mit einer Eigenkapitalrendite von 11,4 Prozent in diesem Geschäft, nach einem Höchststand von 14 Prozent 2025. Ein wichtiger Puffer bleiben die hohen Kapitalanlageerträge. Bis 2028 dürfte die Rendite dennoch auf 7,7 Prozent zurückfallen.
Robuste Lebensversicherung
Für die Lebensversicherer rechnet Swiss Re dank steigender Zinsen mit einem besseren Geschäftsverlauf. Im 2026 dürften da die Prämien real um 2,3 Prozent und damit über dem langfristigen Trend wachsen. Höhere Renditen seien etwa mit Spar- und Rentenversicherungen zu erzielen. Und in den Schwellenländern profitiere die Branche von günstigen demografischen Entwicklungen, regulatorischen Reformen und einer steigenden Versicherungsdurchdringung.
Auch die Aussichten für die Profitabilität der Lebensversicherer seien nach wie vor gut, heisst es in der Studie weiter. Vor allem weil künftige Kapitalerträge weiterhin durch höhere Wiederanlagerenditen gestärkt werden könnten.
KI-Boom als Chance
Eine Marktchance für die Versicherer orten die Experten im KI-Boom. Die beispiellosen Investitionen in KI-Rechenzentren, die Swiss Re 2026 auf 750 Milliarden US-Dollar schätzt, hätten grosse Bau- und Betriebsrisiken zur Folge. Dies und weitere KI-getriebene Risiken belebten die Nachfrage nach Versicherungsschutz in Sparten wie Sach, Engineering, Cyber, Haftpflicht oder Betriebsunterbrechung.
«In dem Masse, in dem Volkswirtschaften in KI-Infrastruktur, Energiesysteme und widerstandsfähigere Lieferketten investieren, entstehen völlig neue Risikopools», sagt Jérôme Haegeli, Chefökonom der Swiss Re. Die Versicherungswirtschaft reduziere nicht nur die Risiken dazu, sondern ermögliche auch die Transformation der Realwirtschaft und gebe den Risiken einen Preis. (awp/mc/pg)
