Oscar Andreu, Managing Director Schweiz von Liontrust Asset Management, im Interview

Oscar Andreu, CFA, Managing Director, Head of Distribution Schweiz, Liontrust Asset Management (Bild: Liontrust, Moneycab)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Andreu, Sie haben im März 2025 die Leitung der Schweizer Niederlassung übernommen, zwei Jahre nach dem gescheiterten Übernahmeversuch von GAM im Sommer 2023. Wie hat sich dies auf Ihre Strategie für die Kundenansprache hier ausgewirkt, wie unterscheidet sich Liontrust von anderen Anbietern und welche strategischen Ziele haben Sie für Liontrust in der Schweiz für die nächsten zwei Jahre?

Oscar Andreu: Bei Liontrust verfolgen wir einen anderen Ansatz für unsere Schweizer Kunden. Wir konzentrieren uns auf weniger, aber dafür hochwertige Investmentteams – und unsere acht Investmentteams haben alle ihre eigenen, unverwechselbaren Anlageprozesse. Unsere Fonds werden alle aktiv verwaltet und sind benchmarkunabhängig – so erzielen wir differenzierte Renditen gegenüber anderen Fonds in den Kundenportfolios, insbesondere gegenüber passiven Fonds. Ein wichtiger Teil meiner Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass unsere Schweizer Kunden und Interessenten die verschiedenen Strategien von Liontrust kennen, und ich habe damit bereits erste Erfolge erzielt.

«Unsere Fonds werden alle aktiv verwaltet und sind benchmarkunabhängig – so erzielen wir differenzierte Renditen gegenüber anderen Fonds in den Kundenportfolios, insbesondere gegenüber passiven Fonds.» Oscar Andreu, Managing Director Schweiz von Liontrust Asset Management

Liontrust ist es kürzlich gelungen, die zuvor erheblichen Abflüsse von Kundengeldern einzudämmen. Auf welche Kundensegmente konzentrieren Sie sich in der Schweiz, und welche Segmente zeigen derzeit die stärksten Trends und Wachstumschancen?

Ich konzentriere mich darauf, unsere Strategien Privatbanken, Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften und Family Offices anzubieten. Wir haben in der Vergangenheit eng mit diesen Kundensegmenten zusammengearbeitet und konnten in letzter Zeit erfolgreich neue Kunden gewinnen – darunter ein segregiertes Mandat mit einem grossen institutionellen Kunden im Umfang von rund 300 Millionen Euro.

Der Trend zu passiven Fonds und Robo-Advising hält unvermindert an. Wie will Liontrust als aktiver Vermögensverwalter im Wettbewerb bestehen, und welchen konkreten Mehrwert können Sie Schweizer Institutionen und Privatkunden bieten?

Das Wachstum der passiven Fonds, die preisunempfindlich sind, hat einige Bewertungen sehr hoch getrieben, was insbesondere in den USA und auf den globalen Märkten zu Konzentrationsrisiken und Ineffizienzen geführt hat. Passive Fonds profitieren von der Aufwärtsdynamik, werden aber unter der Abwärtsdynamik leiden. Wir bei Liontrust glauben, dass das Umfeld für aktives Management jetzt viel besser ist, sodass Kunden diese Ineffizienzen und die Polarisierung zwischen Gewinnern und Verlierern auf dem Markt ausnutzen können. Aktives Management kann Gewinner identifizieren und Verlierer aussondern, während passive Vehikel rein auf Basis der Marktkapitalisierung investieren.

«Passive Fonds profitieren von der Aufwärtsdynamik, werden aber unter der Abwärtsdynamik leiden. Wir bei Liontrust glauben, dass das Umfeld für aktives Management jetzt viel besser ist.»

Können Sie konkrete quantitative Ziele für die Schweizer Niederlassung für die nächsten drei Jahre nennen – Zielanzahl der Kunden, Ziel-AUM, Umsatzerwartungen und geplante Personalinvestitionen? Liontrust hat 2024/2025 weltweit Kosten gesenkt; wie viel investiert die Gruppe derzeit in den Aufbau ihrer Präsenz in der Schweiz?

Nein, es tut mir leid, aber Liontrust nennt grundsätzlich keine quantitativen Ziele oder Details zu Budget und/oder Investitionen.

Acht Teams bei Liontrust verwalten knapp 20 Fonds, die Schweizer Anlegern in verschiedenen Anlageklassen zur Verfügung stehen. Welche dieser Strategien haben bei Schweizer Kunden bisher am meisten Anklang gefunden, und wie hoch ist die Nachfrage nach ESG-/nachhaltigen Fonds in der Schweiz?

Die von James Inglis-Jones und Samantha Gleave verwaltete europäische Aktienstrategie des Cashflow Solution-Teams basiert auf einem einzigartigen Anlageprozess, der von der Überzeugung ausgeht, dass der Cashflow der wichtigste Faktor für die Rendite der Aktionäre ist – seit 2006 hat sie doppelt so hohe Renditen erzielt wie ihre Mitbewerber und der Referenzindex.

Unser Global High Yield strebt danach, die Rendite von 6,5 % bis 7 % dieser Anlageklasse bei relativ geringem Risiko zu nutzen, indem attraktive Erträge erzielt und gleichzeitig Ausfälle vermieden werden. 

Die von Mark Hawtin geleitete Global Equities-Strategie nutzt sowohl fundamentale als auch technische Analysen, um einen hoch differenzierten und robusten Prozess für die Aktienauswahl zu schaffen. Vor kurzem haben wir unseren Schweizer Kunden die Global Innovation-Strategie vorgestellt, die darauf abzielt, durch Investitionen in innovative Unternehmen hohe Renditen zu erzielen, da die Gewinner der Vergangenheit nicht unbedingt auch die Gewinner der Zukunft sein werden.

Ich glaube, dass die Herausforderungen, vor denen unser Umfeld steht, dazu führen werden, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen zurückkehren wird, und Liontrust wird bei diesem Comeback eine führende Rolle spielen. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren neue Kundengelder für den „GF Sustainable Future European Corporate Bond Fund“ akquirieren können, der unter Artikel 9 der SFDR fällt und dessen Strategien das Team seit 2001 unverändert verwaltet.

«Ich glaube, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen zurückkehren wird, und Liontrust wird bei diesem Comeback eine führende Rolle spielen.»

Liontrust nutzt die Aladdin-Plattform von BlackRock und arbeitet mit BNY für Handels- und Datendienste zusammen – beides amerikanische Anbieter. In der aktuellen politischen Situation: Wie nehmen Schweizer institutionelle Kunden diese Abhängigkeit wahr? Gab es bereits konkrete Anfragen zum Datenstandort und zu Compliance-Auswirkungen?

Die neue, integrierte Front-Office-Lösung war eine wichtige Investition, von der sowohl das Unternehmen als auch unsere Kunden durch die Qualität und Konsistenz der Daten profitieren. Die Systeme haben auch unsere Portfolio- und Risikomanagementfähigkeiten verbessert.

Als neue Niederlassung mit Privat- und institutionellen Kunden unterliegt Liontrust in der Schweiz zahlreichen regulatorischen und Compliance-Anforderungen (FINMA, MiFID II/MiFIR, DSGVO). Wie unterscheiden sich die Schweizer Anforderungen von denen anderer europäischer Märkte, in denen Liontrust tätig ist?

Liontrust berücksichtigt natürlich alle lokalen Vorschriften in den Märkten, in denen wir präsent sind. Die Schweizer Vorschriften sind zwar spezifisch (mit FinSA, FinIA und FinMIA) und unterscheiden sich von denen der Europäischen Union (MiFID II, MiFIR, Basel III), aber letztlich verfolgen beide die gleiche allgemeine Richtung.

Was sind Ihre wichtigsten Prioritäten als Geschäftsführer Schweiz für die nächsten zwei Jahre? Welche Meilensteine müssen Sie erreichen, um zu zeigen, dass die Schweiz-Initiative erfolgreich ist?

In weniger als einem Jahr habe ich wiederkehrende Jahreseinnahmen erzielt, mit denen wir mindestens fünf Vollzeitmitarbeiter bezahlen könnten, sodass die Schweizer Initiative heute schon ein grosser Erfolg ist.

«In fünf Jahren möchte ich Liontrust unter den Top 10 der Vermögensverwaltungs-Gesellschaften des Landes positionieren.»

Das Ziel bleibt aber, das Geschäft noch weiter auszubauen und gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu halten. In zwei Jahren möchte ich das verwaltete Vermögen in der Schweiz verdoppeln. In fünf Jahren möchte ich Liontrust unter den Top 10 der Vermögensverwaltungs-Gesellschaften des Landes positionieren.

Am Ende des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei. Welche sind das?

Vor einem Jahr lagen wir noch bei fast null, heute ist die Schweiz gemessen am verwalteten Vermögen der zweitgrösste Markt von Liontrust, nur hinter Grossbritannien. Ich möchte das Schweizer Geschäft auf eine Grösse ausbauen, die mit der in Grossbritannien vergleichbar ist. Wir möchten Liontrust in der Schweiz zu einem ebenso bekannten Namen machen wie in Grossbritannien.


Oscar Andreu bei Linkedin

Exit mobile version