Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Ist die Bärenmarktrallye zu Ende?

Robert Jakob

Von Robert Jakob

Wie zu Beginn des Monats vorhergesagt (Robert Jakobs Wirtschaftslupe vom 5.3.2019) erweist sich das 2. Fibonacci-Retracement für den Dax als harte Nuss. Es gelang dem Index nicht, sie zu knacken. Andererseits erwiesen sich die Börsen erstaunlich widerstandsfähig, vor allem, wenn man sich die neusten, meist enttäuschenden Unternehmensdaten vor Augen führt.

Noch ein Widerstand im Blickpunkt
Begeistert sind nur die Chartanalysten, weil jetzt die 200-Tage-Linie in Schlagweite ist. Aber Vorsicht: ein Abprallen an ihr gilt als Baisse-Signal. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 200-Tage-Linie nachhaltig von unten nach oben durchstossen wird, ist gering. Der Grund für die erstaunliche Widerstandskraft des Dax kommt von der Zinsfront. Das Gift des billigen Geldes wirkt halt weiter: Anlagenotstand stützt die Aktienkurse. Die Durchschnittsrendite der Deutschen Bundesanleihen fiel wieder deutlich unter die Wasseroberfläche. Sie liegt jetzt bei minus 0,13%. Schweizer Eidgenossen bringen noch mehr Geldschwund. Euro-Ausländer mögen Schweizer Anleihen und Schweizer Aktien, denn es locken noch ein paar Punkte in Form von Währungsgewinnen. Wie lange das wohl gut geht?

Dominoeffekt lauert überall
Neben der Autoindustrie und ihren Zulieferern bläst auch der Elektronikindustrie und ihren Zulieferern der Gegenwind ins Gesicht. Basiskonsumgüter und Pharma/Medtech erweisen sich als Stütze. Wie lange der Burgfrieden noch hält, dürfte wohl vor allem vom Immobilienmarkt abhängen. In der Schweiz häufen sich die Leerstände, was nicht gut für die Konjunktur ist. Denn leer bedeutet unproduktiv, auch für Heizung, Lüftung, Klima-, Sanitär- und Küchentechnik. Ein scharfer Einbruch der Immobilienpreise wird nicht folgenlos für die Konjunktur und für die Wertschriften, also Aktien und Anleihen, bleiben. Das alles gilt natürlich weltweit.

Eine interessante Blaupause lässt sich gerade in Australien beobachten. Dort fallen die Immobilien- und Bodenpreise nach einer beispiellos langen Haussephase trotz weiterhin moderatem Wirtschaftswachstum. Australien hatte 108 Quartale ohne Rezession. Die Wertsteigerungen bei den Immobilien waren beispiellos. Man gewöhnte sich daran, wie an ein Naturgesetz. Die Verschuldungsquote der Haushalte down under liegt mittlerweile bei zwei vollen Jahresgehältern, weil auch in Australien Immobilien hauptsächlich über Hypotheken finanziert werden. Jetzt besteht das Risiko, dass die Schuldenfalle zuschnappt und die Haushalte den Gürtel enger schnallen müssen, mit allen negativen Folgen für die Binnenkonjunktur. In der Not werden dann auch Wertschriften zu Geld gemacht.

Die Privatschulden der Australier machen rund 130% des Bruttoinlandproduktes aus. Nur ein einziges Industrieland auf der Welt hat einen gleich hohen privaten Schuldenberg: Es ist die Schweiz. Seit einem Jahr fallen in Australien die Immobilienpreise, zunächst gemächlich – mittlerweile rasant. Wenn Australien nicht in die Rezession rutscht, kann man davon ausgehen, dass auch die Schweiz die Kurve kriegt.


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