Saxo Bank rät Investoren das Ende des «planwirtschaftlichen» Modells einzupreisen

Steen Jakobsen

Steen Jakobsen, Chief Economist der Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Steen Jakobsen, Chefökonom Saxo Bank. (Foto: Saxo Bank)

Kopenhagen – Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank hat ihren Ausblick für das zweite Quartal 2015 veröffentlicht. Darin warnt die Saxo Bank Investoren vor dem Ende der aktuellen „Extend-and-Pretend“-Strategie. Dieses Wirtschaftsmodell habe nach nunmehr acht Jahren die Grenzen seiner Belastbarkeit erreicht.

Für den Saxo Bank Chefökonom Steen Jakobsen sind die Aussichten für die Weltwirtschaft in Q2 trübe. Das Ende der aktuellen „Extend-and-Pretend“-Strategie stehe bevor. Politiker und Zentralbanken hätten zu lange auf Zeit gespielt, indem sie die Anlagemärkte mit Nullzinspolitik und QE verhätschelten. Damit drängten sie Investoren mangels Alternativen zu riskanteren Anlageformen. Gleichzeitig hätten Unternehmen über massive Aktienrückkäufe – oftmals mit billigen Krediten finanziert – ihre Kurse in die Höhe treiben können. Ab dem zweiten Quartal steigt damit das Risiko von Kursanpassungen sowie Nullprozent-Renditen oder sogar Negativ-Renditen.

Radikale Trendwende
Jakobsen erwartet eine radikale Trendwende: „Der Weltmarkt erinnert im Hinblick auf seine politische und wirtschaftliche Struktur derzeit eher an die Sowjetunion anno 1989 als an eine freie Marktwirtschaft. Die Unfähigkeit, all das neu gedruckte Geld in die Realwirtschaft zu lenken, ist nach wie vor das Hauptproblem des wirtschaftlichen Dilemmas – und zugleich die Lösung. Die Einführung negativer Einlagezinsen durch die EZB im Jahr 2014 könnte sich als Impulsgeber für den Wandel erweisen, vor allem da 35 Prozent aller europäischen Staatsanleihen jetzt negative Renditen aufweisen.“

Vor diesem Hintergrund veröffentlicht die Bank heute ihren Marktausblick sowie ihre zentralen Handelsempfehlungen für das kommende Quartal:

Rohstoffe
Laut Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank, hat der Ölpreisverfall über die vergangenen sechs Monate die Weltwirtschaft regelrecht geschockt. Die wichtigsten Benchmark-Indizes sind um nahezu 50 Prozent eingebrochen und die Folgen dieser Entwicklung haben sich noch nicht vollständig an den Märkten niedergeschlagen. In diesem  Umfeld zeichnen sich im zweiten Quartal Contango-Opportunitäten ab – die Erwartungen basieren dabei auf der Annahme, dass die Preise in Zukunft (wieder) steigen werden, insbesondere am US-Markt. Im zweiten Quartal dürfte es dann am Rohölmarkt zu einer zunehmenden Gleichgewichtung von Angebot und Nachfrage kommen.

Die Saxo Bank geht davon aus, dass der Goldpreis sich weiterhin parallel zum Dollar-Kurs und den Renditen auf US-Treasuries entwickelt. Auch das Timing der ersten Leitzinserhöhung in den USA dürfte hier massgeblich sein. Wesentliche positive Impulsgeber sind hingegen nicht zu erwarten.

Trade 1: Bullisches Engagement bei Edelmetallen Trade 2: Bei WTI Crude short gehen

Makro
Niedrigere Energiepreise, schwächerer Euro und eine insgesamt etwas freundlichere Konjunktur legen eine deutliche Aufwärtskorrektur der diesjährigen Wachstumserwartungen für die Eurozone auf 1,5 Prozent nahe. „Für die USA gehe ich weiterhin von einer Wachstumsrate von rund drei Prozent aus. Meine Wachstumsprognose für China bleibt mit 6,7 Prozent allerdings hinter dem Marktkonsens zurück“, so Mads Koefoed, Head of Macro Strategy bei der Saxo Bank.

„Im zweiten Quartal zeichnen sich zahlreiche Risiken ab, die die Volatilität am Markt erhöhen werden. Ende Juni wird Griechenland wahrscheinlich wieder mit dem Rücken zur Wand stehen. In den USA bereitet sich der FOMC derweil auf die erste Zinserhöhung seit 2004 vor, mit der entweder im Juni oder im September zu rechnen ist“, erklärt Koefoed.

Trade 1: Angesichts der quantitativen Lockerung der EZB bei europäischen (Hochzins-) Unternehmensanleihen weiter auf Long setzen Trade 2: Im Hinblick auf verzögerte US-Zinserhöhung langlaufende US-Treasuries kaufen

Devisen
John J. Hardy, Leiter Devisenstrategie bei der Saxo Bank, erwartet in Q2 eine Korrektur der Extreme am Devisenmarkt, also der Stärke des Kiwi-Dollars einerseits und der Schwäche der Schwedenkrone andererseits. Im Übrigen wird der US-Dollar wohl auch im zweiten Quartal seinen Aufwärtskurs fortsetzen, wenn auch etwas verhaltener nach seinem kometenhaften Aufstieg in den vorangegangenen sechs Monaten. Die Aussichten für den Yen sind mit einem grossen Fragezeichen versehen: Zum Ende des ersten Quartals – das ist auch das Ende des japanischen Finanzjahres – befindet sich der USD/JPY-Wechselkurs markttechnisch in der Schwebe. Im Vorfeld der Wahlen im Mai bleibt das britische Pfund wohl unter Druck.

Trade 1: Short-Position NZD ggü. AUD und USD Trade 2: Short-Position GBP / SEK

Aktien
Peter Garnry, leitender Aktienstratege bei der Saxo Bank, geht davon aus, dass im Zuge verbesserter Konjunkturaussichten auch wieder Kapital nach Europa fliessen wird. Die Aktienmärkte, deren Kurse seit Jahresbeginn bereits um 14 Prozent zugelegt haben, könnten das beste Ergebnis seit 1995 liefern. Mit einer Zuwachsrate von 20 Prozent in diesem Jahr zählen Immobilien zu den Anlageformen, die bereits von dem gegenwärtigen geldpolitischen Trend und besseren Makrobedingungen profitieren.

Europäische Aktien werden sich in Q2 eindeutig im Aufwind befinden. In 2015 könnten wir am amerikanischen Aktienmarkt eine Wiederholung der Entwicklung von 2013 erleben, als die Kurse um 32 Prozent stiegen. Das bedeutet, dass europäische Aktien nach ihrem beeindruckenden Start ins Jahr noch weitere 15 Prozent zulegen könnten.

Trade 1: Long-Position bei Airbus – Anlageurteil: Kaufen Trade 2: Long-Position in kolumbianischen Werten – Global X MSCI Colombia 20 ETF kaufen

Die vollständige Liste der von der Saxo Bank für Q2 2015 zusammengestellten Handelsempfehlungen finden Sie hier: https://www.tradingfloor.com/publications/essential-trades

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