Schweizer Banken im Margendruck: Warum das klassische Zinsgeschäft schwieriger wird

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Berlin – Durch die vergangenen Jahre mit hohen Zinserträgen haben viele Schweizer Banken deutlichen Rückenwind bekommen. Nach der langen Phase negativer oder sehr niedriger Zinsen konnten zahlreiche Institute ihre Erträge im Kreditgeschäft spürbar verbessern.

Vor allem Regionalbanken und Kantonalbanken profitierten davon, dass Hypotheken teurer wurden. Die Sparzinsen stiegen dagegen zunächst vergleichsweise langsam an. Doch dieser Effekt nimmt inzwischen wieder ab.

Kundinnen und Kunden vergleichen sorgfältiger

Die Schweizerische Nationalbank hat seit 2025 ihre Leitzinsen mehrfach gesenkt, nachdem die Inflation in der Schweiz deutlich zurückgegangen war. Dadurch geraten die klassischen Ertragsmodelle vieler Banken wieder stärker unter Druck. Dies lässt sich besonders im Zinsdifferenzgeschäft, das für zahlreiche Institute weiterhin eine zentrale Einnahmequelle darstellt, erkennen.

Die Kundinnen und Kunden sind mittlerweile sensibler für die Unterschiede bei Sparzinsen und Kontomodellen geworden. Sie nehmen vor ihrer Entscheidung beispielsweise immer öfter einen sorgfältigen Vergleich von Tagesgeldkonten vor. Ein Grund dafür ist, dass die zahlreichen digitalen Angebote den Wechsel zu einer neuen Bank einfach machen. Durch viele internationale Anbieter und reine Onlinebanken hat sich der Wettbewerbsdruck zusätzlich erhöht.

Sinkende Zinsen schmälern die Margen

Das traditionelle Geschäftsmodell vieler Banken basiert darauf, die Kundengelder günstig entgegenzunehmen und dann als Kredite mit höheren Zinssätzen weiterzugeben. Gerade im Hypothekarmarkt zeigte sich dieses Modell in den vergangenen Jahren sehr profitabel. Mit den sinkenden Leitzinsen schrumpfen jedoch die Spielräume vieler Institute deutlich.

Hinzu kommt, dass die Banken die Sparzinsen inzwischen schneller anpassen müssen als früher. In den Phasen der Niedrigzinsen wechselten die Kundinnen nur selten. Heute reagieren sie deutlich sensibler, selbst auf kleinere Unterschiede. Vor allem die umfangreichen digitalen Vergleichsmöglichkeiten beschleunigen diese Entwicklung.

Im Schweizer Hypothekarmarkt herrscht ein großer Wettbewerb. Neben den klassischen Banken treten auch Versicherungen, Pensionskassen und spezialisierte Finanzdienstleister immer offensiver auf. Das hat zur Folge, dass die Margen auf neue Finanzierungen weiter sinken.

Digitalisierung verändert das Bankgeschäft

Auch aus technologischer Perspektive befindet sich die Branche in einem Wandel. Die Kunden erwarten transparente Konditionen, schnelle Prozesse und jederzeit verfügbare digitale Services. Besonders die jüngere Zielgruppe vergleichen Angebote oft online und hinterfragen vor allem die anfallenden Gebühren kritischer als früher.

Die Banken müssen deshalb hohe Investitionen in IT-Infrastruktur, digitale Plattformen und Cybersicherheit tätigen. Diese Kosten treffen die Institute jedoch in einer Phase, in der gleichzeitig die Zinserträge zurückgehen. Gerade kleinere Banken müssen so einen schwierigen Spagat zwischen Modernisierung und Kostendisziplin meistern.

Zusätzlich wächst der Druck durch Fintech-Unternehmen, die sich auf einzelne profitable Bereiche konzentrieren. Zahlungsverkehr, digitale Vermögensverwaltung oder einfache Sparprodukte lassen sich heute auch ohne ein dichtes Filialnetz anbieten. Die traditionellen Banken verlieren dadurch schrittweise immer mehr Teile ihres bisherigen Geschäfts.

Neue Einnahmequellen werden wichtiger

Immer mehr Institute reagieren auf diese Entwicklungen mit einer stärkeren Diversifizierung. So bieten sie beispielsweise Vermögensverwaltung, Anlageberatung und Dienstleistungen für Firmenkunden an. Zahlreiche Banken bauen zusätzlich ihre digitalen Angebote aus oder passen ihre Gebührenmodelle an.

Auch nachhaltige Anlageprodukte und strukturierte Finanzlösungen spielen inzwischen eine größere Rolle. Allerdings fallen diese Bereiche in der Regel sehr beratungsintensiv aus und erfordern spezialisiertes Personal. So bleibt der Druck auf die Kostenbasis weiterhin hoch.

Anpassungsfähigkeit ist das A und O

Für Schweizer Banken dürfte das klassische Zinsgeschäft zwar weiterhin zentral bleiben. Die Phase der aussergewöhnlich hohen Margen scheint jedoch vorerst vorbei zu sein. In Zukunft wird es entscheidend sein, wie schnell sich die Institute an niedrigere Zinsen, digitalen Wettbewerb und veränderte Kundenerwartungen anpassen können. (rt/mc/hfu)


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