Zürich – Die Schweizer Privatbanken haben 2025 so hohe Vermögen verwaltet wie noch nie. Gleichzeitig ist die Profitabilität der Branche unter Druck geraten. Das zeigt die am Mittwochvormittag vorgestellte Studie «Clarity on Swiss Private Banks» von KPMG und der Universität St. Gallen.
Die 68 untersuchten Privatbanken verwalteten Ende 2025 Vermögen von rund 3,5 Billionen Franken. Das Rekordniveau wurde vor allem durch Netto-Neugeldzuflüsse von 96 Milliarden Franken erreicht. Sie stiegen um knapp ein Drittel. Zusätzlich trug die Anlageperformance 81 Milliarden zum Wachstum bei, Übernahmen und Zukäufe rund 35 Milliarden.
«Schweizer Privatbanken profitieren in geopolitisch unsicheren Zeiten vom Ruf der Schweiz als sicherer Hafen», sagte KPMG-Experte Pascal Sprenger vor den Medien. Auch die Spannungen im Nahen Osten hätten geholfen.
Schlechtere Profitabilität
Bei der Profitabilität gelang hingegen kein Rekord. Zwar stiegen die Erträge der Branche um 1,5 Prozent auf 21,6 Milliarden Franken. Die Kosten legten mit 3 Prozent aber stärker zu. Der Median des Kosten-Ertrags-Verhältnisses verschlechterte sich entsprechend auf 78,2 Prozent von 75,6 Prozent im Vorjahr, wie es in der Studie weiter heisst.
Besonders stark unter Druck standen mittelgrosse Privatbanken. Bei ihnen brach der Nettogewinn um rund 46 Prozent ein. Grosse Institute verzeichneten dagegen einen Rückgang von rund 6 Prozent, kleinere Häuser ein Minus von 5 Prozent.
«Wachstum bei den verwalteten Vermögen allein genügt nicht. Entscheidend ist, ob daraus nachhaltige Erträge und Effizienzgewinne entstehen», so Studienleiter Christian Hintermann von KPMG.
Konsolidierung hält an
Die Studie zeigt zudem eine anhaltende Konsolidierung im Markt. Die Zahl der Schweizer Privatbanken sank 2025 von 85 auf 80 Institute und lag Ende Mai 2026 noch bei 79.
Laut Hintermann dürfte die Zahl der Privatbanken bis 2030 deutlich unter 70 fallen. Vor allem kleinere Institute blieben Übernahmeziele – nicht zuletzt für internationale Anbieter, die ihre Präsenz in der Schweiz ausbauen wollten.
KI: hohe Investionen und wenig Return
Erstmals untersuchte die Studie auch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Rund vier Fünftel der befragten Banken nutzen KI bereits punktuell, vor allem zur Steigerung der Produktivität bei administrativen Tätigkeiten. Messbare finanzielle Effekte blieben bislang jedoch weitgehend aus.
Allerdings investierten 2028 nur 18 Prozent der befragten Institute mehr als 500’000 Franken in KI. 2026 dürfte dieser Anteil laut der Umfrage auf 30 Prozent steigen.
Die Erwartungen an kurzfristige Effizienzgewinne bleiben trotzdem gedämpft. 76 Prozent der befragten Banken rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit keinen oder nur geringen KI-bedingten Kosteneinsparungen von höchstens rund 2 Prozent. Auch auf der Ertragsseite zeigt sich die Branche zurückhaltend. Fast die Hälfte der Institute erwartet kurzfristig keine KI-getriebenen Umsatzsteigerungen.
«Für die Branche ist KI derzeit vor allem ein strategisches Thema. Als Ergebnistreiber spielt sie bislang noch eine untergeordnete Rolle», meint Hintermann. Mittelfristig könnten sich die Effekte jedoch verstärken, falls KI stärker in Prozesse eingebettet werde. (awp/mc/pg)
