SNB bestätigt ihre Geldpolitik

Thomas Jordan

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah)

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik und belässt die Leitzinsen im Negativbereich. Alles andere wäre eine grosse Überraschung gewesen, meinen Analysten. Sie ordnen den Entscheid gleichwohl unterschiedlich ein.

Die obersten Währungshüter der Schweiz erachten den Franken als «insgesamt immer noch deutlich überbewertet», wie sie am Donnerstag nach ihrer neusten geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilten. Daran ändere auch die «leichte Abschwächung» der letzten Zeit nichts. Der EUR/CHF-Kurs notiert derzeit bei knapp 1,10 CHF – und damit klar über dem Niveau unmittelbar nach Aufhebung des Mindestkurses im letzten Januar.

Doch das genügt der SNB nicht. Das Zielband für den Dreimonats-Libor belässt sie deshalb bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf Sichteinlagen bei der SNB bei -0,75%. Die Notenbank betonte ausserdem, sie bleibe bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um den Druck auf den Franken abzuschwächen.

Von der Wirkung dieser Massnahmen ist sie weiterhin überzeugt: «Die negativen Zinsen und die Bereitschaft der Nationalbank zu Interventionen am Devisenmarkt machen Anlagen in Franken weniger attraktiv», hiess es in der Mitteilung. Wie üblich bei der geldpolitischen Beurteilung im September wurde der Entscheid nur schriftlich begründet.

Wechselkurs bewegt sich kaum
An den Finanzmärkten warfen die Beschlüsse keine hohen Wellen. Der Kurs der Frankens gegenüber dem Euro wertete sich nur leicht auf – und dies auch nur vorübergehend. Analysten hatten im Vorfeld unisono mit einer Bestätigung der Geldpolitik gerechnet.

Gleichwohl gibt es in der Einordnung des Entscheids Unterschiede. Während einige Analysten eine faire Bewertung des Frankens in absehbarer Zeit für möglich halten, befürchten andere schon bald neuerliche Turbulenzen. Letztere weisen darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihenkaufprogramm ausdehnen und der Euro sich in der Folge wieder abschwächen könnte.

Eine baldige Anhebung der (negativen) Zinsen durch die SNB erwartet kaum jemand. Ein solcher Schritt sei frühestens in einem Jahr denkbar, meinen zum Beispiel die Analysten der Grossbank UBS.

Wachstum 2015 von «knapp 1%»
Bezüglich Konjunkturentwicklung bestätigte die SNB ihre Einschätzung der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung vom Juni: Sie rechnet für 2015 unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von «knapp 1%». Nachdem die Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte insgesamt stagniert habe, sei «allmähliche Belebung der Wirtschaftstätigkeit in der zweiten Jahreshälfte» zu erwarten. Zu einem ähnlichen Schluss kamen gleichentags die Ökonomen des Bundes, die für das laufende Jahr ein BIP-Wachstum vom 0,9% vorhersagen.

In vielen Unternehmen bleibe die Lage schwierig, auch wenn die Produktionsmengen trotz Frankenaufwertung im ersten Halbjahr gehalten werden konnten, räumte die Nationalbank gleichzeitig ein. «Wegen der gesunkenen Margen stehen die betroffenen Unternehmen unter Druck, Massnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostenreduktion zu ergreifen.»

Ausserdem sei die weltwirtschaftliche Erholung, die eine Bedingung zur Erfüllung der neusten BIP-Prognosen sind, von Risiken behaftet. Insbesondere habe die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in China spürbar zugenommen, schrieb die SNB. Erneute Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten könnten zudem die weltweite Geldpolitik stark beeinflussen, warnte die Notenbank.

Ölpreis beeinflusst Inflationsprognose
Die Inflationsprognosen wurden gegenüber Juni nur leicht angepasst. Kurzfristig liege diese wegen des gesunkenen Ölpreises tiefer als noch im letzten Quartal, so die SNB. Neu erwartet sie für 2015 eine Inflation von -1,2% (alt: -1,0%). Den Tiefpunkt ihrer Prognose erwartet sie nun für das 4. Quartal 2015 mit einem Wert von -1,5%.

Für 2016 sieht die Nationalbank die Inflation bei -0,5% (alt: -0,4%). Ab Anfang 2017 rechnet sie dann wieder mit einer Teuerung im positiven Bereich. Konkret dürfte diese im Jahr 2017 +0,4% (alt: +0,3%) betragen. (awp/mc/upd/ps)

SNB

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