Société Générale legt Rechtsstreit mit Libyen bei – Gewinn sinkt

Frédéric Oudéa

Frédéric Oudéa, CEO Société Générale.

Paris – Ein Rechtsstreit mit dem Staatsfonds Libyens hat die französische Grossbank Société Générale (SocGen) im ersten Quartal belastet. Immerhin gelang es der Bank aber, den seit einigen Jahren vor einem Londoner Gericht ausgetragenen Konflikt aus der Welt zu schaffen. Die Bank bezifferte die Kosten für den Vergleich am Donnerstag auf 963 Millionen Euro. Da die SocGen in der Vergangenheit vorgesorgt hatte, belastete der Rechtsstreit das Ergebnis im abgelaufenen Quartal nur noch mit 350 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag in Paris mitteilte. Wegen dieser Aufwendungen sei der Überschuss um fast ein Fünftel auf 747 Millionen Euro gefallen, teilte die Bank in Paris mit.

Bei dem Rechtsstreit mit Libyen ging es um Geschäfte Ende des vergangenen Jahrzehnts. Die französische Bank hatte damals viel Geld des Staatsfonds unter der Regierung von Muammar al-Gaddafi verzockt. Dabei sollen auch Bestechungsgelder bezahlt worden sein. Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes zerrte die Nachfolgeregierung die SocGen deswegen vor ein Gericht in London.

Operatives Geschäft brummt
Operativ lief es für die Societe Generale zuletzt weiter rund. Bereinigt um die Kosten für Sonderfaktoren wie den Rechtsstreitigkeiten sei der Gewinn um 50 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro geklettert. Gut abgeschnitten hat die Bank, die weltweit zu den führenden Anbietern von Derivateprodukten auf Aktien zählt, im Geschäft an den Finanz- und Kapitalmärkten.

Bankchef Frederic Oudea arbeitet derzeit wie die meisten Konkurrenten an Kostensenkungen, um sein Haus in dem für Banken schwierigen Umfeld profitabel zu machen. Der 53-Jährige baut zudem aktuell die Führungsmannschaft um. Experten rechnen damit, dass er spätestens im November die neuen mittelfristigen Ziele bekanntgibt.

Da die Bank sich viel früher als zum Beispiel die Commerzbank oder die Deutsche Bank auf das neue Umfeld ausgerichtet und den Umbau konsequenter vorangetrieben hat, gehört sie wie andere französische Banken bei Investoren schon seit längerer Zeit zu den Favoriten des Sektors.

Am Donnerstag gab das Papier wegen der hohen Kosten für den Vergleich zum Handelsbeginn deutlich nach, konnte sich aber schnell wieder erholen. In den vergangenen zwölf Monaten war der Kurs der Société-Générale-Aktie um etwas mehr als 50 Prozent gestiegen. Das Papier gehört damit unter den Grossbanken zu den grössten Gewinnern in diesem Zeitraum. Der Börsenwert beläuft sich nach dem starken Anstieg auf rund 41 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank ist an der Börse derzeit rund 35 Milliarden Euro wert und die Commerzbank kommt auf knapp 12 Milliarden Euro. (awp/mc/upd/ps)

Exit mobile version