VP Bank Spotanalyse: Regierungswechsel in Ungarn

Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Vor den Parlamentswahlen galt eine Niederlage Viktor Orbans als möglich, blieb aber unsicher. Umso überraschender ist nun das klare Ergebnis. Der Amtsinhaber verlor deutlich gegen seinen Herausforderer Peter Magyar. Die konservative Tisza‑Partei erreichte 53.7 %, während Fidesz mit Viktor Orban nur 37.7 % erzielte. Orban und die Fidesz räumten die Niederlage ein. Damit endet die 16‑jährige Amtszeit von Viktor Orban.

von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Peter Magyar will Ungarn wieder näher an die EU heranführen. Er will damit auch den Weg für blockierte Gelder aus Brüssel öffnen. Die EU‑Kommission fror wegen Rechtsstaatsverfahren und Korruptionsvorwürfen Fördergelder von rund 20 Mrd. EUR ein. Davon entfallen 6.3 Mrd. EUR auf den Kohäsionsfonds. Weitere 5.8 Mrd. EUR stammen aus dem Corona‑Wiederaufbaufonds.

In der Vergangenheit blockierte Ungarn mit Vetos zahlreiche EU‑Projekte. Viele Vorhaben verzögerten sich dadurch deutlich. In Brüssel hofft man nun auf eine kooperativere Zusammenarbeit. Schnellere Entscheidungsprozesse gelten als wahrscheinlich.

Der ungarische Forint wertete bereits vor der Wahl deutlich auf. Gegenüber dem Euro legte die Währung seit Mitte März knapp 7 % zu. Eine weitere moderate Aufwertung erscheint in den kommenden Tagen möglich. Die Märkte setzen auf die Freigabe der blockierten EU‑Gelder. Gleichzeitig prägt die Lage im Persischen Golf und in der Strasse von Hormus die Devisenmärkte. Diese Faktoren gewinnen aktuell an Bedeutung.

Der Euro profitierte am Morgen nicht vom Wahlsieg Peter Magyars. Nach dem Abbruch der Gespräche zwischen den USA und dem Iran geriet er unter Druck. Der US‑Dollar legte als sicherer Hafen zu. Die politische Unsicherheit stützte damit die amerikanische Währung. (VP Bank/mc)

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