Wallisellen – Allianz Trade veröffentlicht heute seinen neuesten Insolvenzbericht mit aktualisierten Prognosen für die Jahre 2026 und 2027 sowie einem Ausblick auf das Jahr 2028. Nach Angaben des weltweit führenden Warenkreditversicherers werden die Unternehmensinsolvenzen weltweit im Jahr 2026 um +5 % und im Jahr 2027 um +1 % steigen (+6 % im Jahr 2025). Das ist der fünfte Anstieg in Folge. Angesichts des unsicheren geopolitischen und makroökonomischen Umfelds wird sich der Höhepunkt der Insolvenzen um ein Jahr auf 2028 (-1 %) verschieben, wobei die Zahlen von ihrem sehr hohen Niveau leicht zurückgehen werden.
Historischer Negativ-Rekord für die Schweiz bestätigt
Die Schweiz wird 2026 einen neuen historischen Höchststand verzeichnen, dies ist bereits das sechste Jahr in Folge mit einem Anstieg auf wohl 15’000 Fälle. Dies entspricht gut einer Verdoppelung gegenüber 2022 und etwa dem Dreifachen des Durchschnitts, der vor der Pandemie registriert wurde. Diese beispiellose Welle von Insolvenzen lässt sich jedoch nur teilweise durch die makroökonomischen und finanziellen Herausforderungen erklären, mit denen Unternehmen konfrontiert sein können. Dazu gehört die Zweiteilung der Wirtschaft: Auf der einen Seite stehen die von der Binnennachfrage abhängigen Branchen sowie die Pharma- und Chemieindustrie, auf der anderen Seite die vom Euroraum abhängigen Exporteure und die traditionelle Industrie. «Stark verantwortlich für die hohe Anzahl Insolvenzen ist das neue Insolvenzrecht, das seit 2025 in Kraft ist», erklärt Jan Möllmann, CEO von Allianz Trade in der Schweiz. «Es führt mechanisch zu einem Anstieg der Zahl von Unternehmen, gegen die ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird. Wir gehen derzeit davon aus, dass es in den Jahren 2027–2028 zu einer «Normalisierung» auf diesem neuen, hohen Niveau kommen wird.»
Unterdurchschnittliches BIP-Wachstum, hohe Energiekosten und längerfristig höhere Zinssätze
Mehrere strukturelle Faktoren erklären die andauernde globale Entwicklung. Angesichts der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten wird erwartet, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zum Zeitraum 2023-2025 hinter den Erwartungen zurückbleibt. Auch die Energiekosten bleiben hoch bleiben und bieten den Regierungen nur begrenzte fiskalische Unterstützung. Parallel dazu wird die Geldpolitik straffer: Insbesondere länger anhaltend höhere Zinssätze, die am stärksten gefährdeten Unternehmen weiter unter Druck setzen. Gleichzeitig wuchs der Bestand an aktiven Unternehmen zwischen 2021 und 2025 um rund 10 %. Dies vergrössert den Kreis der von einem Scheitern bedrohten Unternehmen, da viele dieser jungen Marktteilnehmer finanziell anfällig sind: Weniger als die Hälfte der neuen Unternehmen in Europa überlebt länger als fünf Jahre.
«Angesichts zahlreicher Schocks, die sich seit Jahresbeginn summieren, verstärken deutlich höher als erwartete Zinssätze den Druck auf ohnehin schon anfällige Unternehmen, und dieser Trend wird anhalten: 60 % der Länder werden 2027 höhere Leitzinsen beibehalten als in den vorangegangenen 12 bis 24 Monaten. Das treibt die Finanzierungskosten in die Höhe und schmälert die Margen. In Westeuropa würde ein Anstieg der Bankkreditzinsen um +100 Basispunkte zu zusätzlichen Zinsaufwendungen zwischen 6 und 10 Mrd. Euro führen, was die Margen insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, Telekommunikation und Strom verringern würde. Gleichzeitig werden längerfristig höhere Energiekosten den Druck auf die Rentabilität verstärken, insbesondere für energieintensive europäische Branchen», sagt Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade.
Immer mehr Arbeitsplätze in Gefahr – neuer Höchststand in Europa und Nordamerika
Nach Allianz Trade Analysen sind in den Jahren 2026 und 2027 rund 2,7 Millionen Arbeitsplätze weltweit direkt gefährdet. Dies entspricht einem Anstieg um 180’000 im Vergleich zu 2025 und um 700’000 im Vergleich zu 2023, dem ersten Jahr des Aufschwungs bei den weltweiten Insolvenzen nach der Corona-Pandemie.
«Insgesamt sind das Baugewerbe, der Einzelhandel und der Dienstleistungssektor am stärksten betroffen. Auf Europa entfallen fast 60 % der gefährdeten Arbeitsplätze (1,6 Millionen), wobei Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich an der Spitze stehen. Es folgt Nordamerika mit einem Anteil von 24 % an den insgesamt betroffenen Arbeitsplätzen (650’000). Für beide Regionen wäre dies ein 13-Jahres-Hoch. In Asien sind die Auswirkungen zwar real, aber moderater, da auf die Region nur 11 % der gefährdeten Arbeitsplätze (305’000) entfallen», sagt Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzuforschung bei Allianz Trade.
Führt KI bereits zu einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen?
Allianz Trade führte eine Analyse in acht EU-Volkswirtschaften und neun Branchen durch, um die Hauptursachen für Unternehmensinsolvenzen zu ermitteln. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass makroökonomische Bedingungen und branchenspezifische Fundamentaldaten nach wie vor die dominierenden Determinanten sind, während die Einführung von KI noch nicht mit Insolvenzentrends korreliert. Allerdings haben die kleineren und weniger diversifizierten Märkte eine Ausnahme festgestellt.
«Unsere Untersuchung legt nahe, dass der Einsatz von KI in kleineren und weniger diversifizierten Märkten Unternehmensinsolvenzen beschleunigen kann, da dadurch ein Wettbewerbsgefälle zwischen Early Adopters und Nachzüglern entsteht. Belgien und Schweden weisen in unserer Stichprobe die höchste KI-Einführungsrate auf (35 %). Dort beobachten wir, dass die am stärksten digitalisierten Branchen auch diejenigen sind, die die höchsten Insolvenzzahlen verzeichnen. Das gleiche Muster zeigt sich aus Branchenperspektive: Der Sektor «Information und Kommunikation», der in unserer Stichprobe am stärksten KI-intensiv ist (70 % Einführungsrate), weist in fünf der acht untersuchten Länder höhere Insolvenzzahlen als der nationale Durchschnitt auf», sagt Lemerle. (Allianz Trade/mc/ps)
