Washington – Nach einer Reihe von Cyberangriffen auf Kühlsysteme in Supermärkten haben die US-Bundespolizei FBI und weitere US-Behörden vor andauernder Bedrohung gewarnt. Cyberkriminelle zielten weltweit auf Sicherheitslücken in Kühlsystemen ab, hiess es in der Mitteilung, die das FBI, die US-Behörde für Cybersicherheit und den Schutz kritischer Infrastrukturen (CISA) sowie die Ministerien für Gesundheit, Landwirtschaft und Verkehr am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten.
«Wir beobachten, dass diese Systeme der kritischen Infrastruktur über verschiedene Sektoren hinweg weltweit ins Visier genommen werden», sagte Brett Leatherman, Leiter der Cyber-Abteilung des FBI, laut der Mitteilung. «Jede Organisation, die auf Kühl- und Überwachungssysteme angewiesen ist, sollte davon ausgehen, dass sie ein Ziel sein könnte», wurde der amtierende Vizechef der CISA-Cybersicherheitsabteilung, Chris Butera, zitiert.
Seien die Angreifer erfolgreich, könne die Temperatur in den Anlagen verändert werden, was zu Brandgefahr, Warenverlusten und verkürzter Lebensdauer der Systeme führen könne. Die Behörden rieten unter anderem dazu, die Systeme vom Internet zu trennen, Passwörter zu ändern und veraltete Geräte auszutauschen.
Angriffe auf Supermärkte und eine Blutbank
Seit Mitte Oktober kam es in mehreren europäischen Ländern zu Cyberangriffen auf Kühl- und Gefriersysteme in Supermärkten und Lebensmittelbetrieben. Angreifer sorgten aus der Ferne dafür, dass die Temperatur in Kühlschränken und Tiefkühltruhen stieg, sodass Ware verdarb.
Betroffen waren unter anderem Frankreich, Belgien, Schweden, Irland, die Niederlande, Estland, Finnland sowie Deutschland. Anfang November wurde die französische Blutbank Ziel eines solchen Angriffs. Auch in den Vereinigten Staaten werden US-Medien zufolge mehrere Vorfälle untersucht. Die EU-Kommission berief ein Krisentreffen ein. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unklar.
Ob Versicherungen für die Schäden aufkommen, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Verdorbene Lebensmittel gelten als Sachschaden, der in vielen Cyberpolicen nicht eingeschlossen ist. Gleichzeitig können klassische Sachversicherungen Schäden durch Cyberangriffe ausschliessen. Eine aktuelle Auswertung des deutschen Spezialmaklers CyberDirekt zeigt die Lücke: Von 21 untersuchten Tarifen decken lediglich sechs verdorbenes Kühlgut grundsätzlich ab, davon nur einer bis zur vollen Versicherungssumme. Bei den übrigen fünf gelten Entschädigungsgrenzen. Schutz können entsprechend erweiterte Policen oder spezielle Kühlgutversicherungen bieten, sofern sie auch die Folgen von Cyberangriffen einschliessen. (awp/mc/pg)
