HomePod: Apple lanciert vernetzten Lautsprecher

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Apple HomePad. (Foto: Apple)

San Jose – Apple will sich mit einem vernetzten Lautsprecher tiefer im Alltag der Nutzer verankern. In das Gerät mit dem Namen HomePod ist die vom iPhone bekannte Assistenzsoftware Siri integriert. Mit dem Lautsprecher will Apple sowohl Hifi-Anbietern als auch Internet-Rivalen wie Amazon und Google Konkurrenz machen. Das Gerät wird zusätzlich zur Musikwiedergabe Fragen beantworten, Aufgaben in verbundenen Apps erfüllen oder auf Sprachbefehl vernetzte Technik im Haushalt steuern können.

Das rund 18 Zentimeter hohe Gerät hat die Form eines Zylinders. In der Mitte steckt ein Basslautsprecher. Sieben im Kreis angeordnete Hochtöner sollen für räumlichen Sound sorgen. Mit Siri kann man sich mit Hilfe eines Systems aus sechs Mikrofonen unterhalten. Die Kommunikation mit den Apple-Servern laufe verschlüsselt und mit Anonymisierung für mehr Datenschutz, betonte Marketingchef Phil Schiller auf der Entwicklerkonferenz WWDC.

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Der Apple-Lautsprecher soll auch seine Position im Raum erkennen und den Klang daran anpassen. Bei Konkurrenten wie dem Multiroom-Spezialisten Sonos muss man dafür ein Einstellungs-Programm durchlaufen lassen. «Wenn Leute ihn hören, werden sie von der Qualität des Sounds schockiert sein», sagte Apple-Chef Tim Cook in einem TV-Interview des Finanzdienstes Bloomberg zu dem Lautsprecher. Das Technologieblog «The Verge» bescheinigte dem HomePod nach einer ersten Hörprobe einen «wirklich guten» Klang.

Ein solches Gerät war von Apple nach diversen Medienberichten bereits erwartet worden. Amazon und Google kamen Apple in diesem Markt mit ihren vernetzten Lautsprechern zuvor. Damit schufen sie einen Vorposten für ihre Dienste in den Haushalten.

Deutlich teurer als «Echo» und «Home»
Einige Konkurrenten wie Sonos seien gut darin, Musik drahtlos in verschiedene Räume zu bringen, hätten aber keine smarten Lautsprecher, sagte Schiller. Andere wie Amazon mit seinem «Echo» und der Assistentin Alexa verkauften zwar smarte Geräte, böten aber nur eine mittelmässige Soundqualität. Apple wolle beides miteinander verbinden und die Musiknutzung zuhause «revolutionieren», wie einst unterwegs mit dem iPod-Player, versprach Schiller.

Der Apple-Lautsprecher wird mit 349 Dollar deutlich teurer als Amazons «Echo» mit 179 Dollar und Googles Konkurrenzgerät «Home» mit 129 Dollar. Der HomePod wird im Dezember zunächst in den USA, Grossbritannien und Australien auf den Markt kommen. Der Start in weiteren Ländern ist für kommendes Jahr geplant.

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Es ist die zweite neue Produktkategorie, in die Apple seit dem Tod von Mitgründer Steve Jobs 2011 vorstösst. Die erste war die Computer-Uhr Apple Watch im Jahr 2015.

Auch Apple setzt auf AI
Unter den vielen Ankündigungen der WWDC hob Apple immer wieder den Einsatz künstlicher Intelligenz und selbstlernender Maschinen hervor – wie zuletzt unter anderem auch Google. So gibt es für die Computer-Uhr Apple Watch künftig ein Siri-Zifferblatt, das automatisch die gerade benötigte Information anzeigen soll. Damit könnte Apple die Uhr nützlicher als bisher machen – die künstliche Intelligenz hinter der Funktion muss aber auch die richtigen Daten präsentieren.

Siri bekommt ein Upgrade mit natürlicherer Sprache und soll sich auch besser auf den einzelnen Nutzer einstellen können. Gelernt wird zwar weiterhin auf dem Gerät – aber die Ergebnisse werden künftig übergreifend synchronisiert. Die Daten blieben dabei gesichert und könnten nur von den Geräten eines Nutzers abgerufen werden, betonte Apple-Manager Craig Federighi. Die Foto-App wird mit neuen Effekten aufgebessert, hinter denen ebenfalls lernende Maschinen stecken.

Kompatibilität mit «augmented reality»
Seine Mac-Computer macht Apple erstmals kompatibel mit virtueller Realität. Das Hollywood-Spezialeffektestudio ILM demonstrierte, wie auf einem iMac-Tischrechner eine VR-Szene aus dem «Star-Wars»-Universum entworfen wird, in die Nutzer mit Spezialbrillen eintauchen können. Bei der sogenannten «augmented reality», bei der echte Umgebungen auf dem Display mit digitalen Zusätzen ergänzt werden, baut Apple eine neue Plattform für Software-Entwickler auf.

Schnellere Prozessoren
Die volle Angebotspalette aus Macbook-Notebooks und iMacs mit eingebautem Display wurde mit schnelleren Intel -Prozessoren und besserer Grafik aufgefrischt. Für Nutzer, die wie zum Beispiel Videoprofis auf besonder leistungsstarke Computer angewiesen sind, gibt es Ende des Jahres zudem einen iMac Pro – «den bisher schnellsten Mac». Apple musste sich zuletzt den Vorwurf gefallen lassen, professionelle Mac-Nutzer zu vernachlässigen, weil der für sie gedachte Computer Mac Pro seit 2013 nicht aktualisiert wurde.

Neues iPad Pro-Modell
Beim iPad-Tablet gibt es künftig ein neues Pro-Modell mit einer Bildschirmdiagonalen von 10,5 Zoll statt der bisherigen 9,7 Zoll. Die iPad-Version des Mobil-Systems iOS wird mit zahlreichen neuen Funktionen aufgebessert, wie zum Beispiel einem einfachen verschieben von Inhalten und Dateien zwischen Apps per Drag-und-Drop – wie auf dem Computer. Mit dem Apple-Stift handgeschriebener Text wird durchsuchbar. Dafür werde maschinelles Lernen für die Handschrift eingesetzt. Die Notizen-App bekommt einen eingebauten Scanner für Dokumente, die danach auch mit dem Stift bearbeitet werden können.

Der Online-Werbeindustrie legt Apple im Interesse der Nutzer an zwei Stellen Steine in den Weg. Zum einen wird man in Apples Webbrowser Safari den automatischen Start von Videos verhindern können. Ausserdem kann das Tracking unterbunden werden, durch das man das Gefühl hat, dass einen Werbeanzeigen zu einem bestimmten Thema über alle Websites hinweg verfolgen.

Mit dem Bezahldienst Apple Pay kann künftig auch Geld zwischen einzelnen Nutzern verschickt werden. Damit greift Apple das Geschäft von Konkurrenten wie Paypal an. Wie erwartet kommt Amazons Videostreaming-Dienst auf die TV-Box Apple TV. (awp/mc/upd/pg)

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